Cover: Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention

Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention

Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) (Hrsg.)


Digitalisierung in Prävention und Gesundheitsförderung

 Viviane Scherenberg 1


1 Dekanin Fachbereich Public Health und Umweltgesundheit, APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft GmbH, Bremen, Deutschland

Zusammenfassung

Digitalisierung in Prävention und Gesundheitsförderung umfasst Maßnahmen, die digitale Technologien zur Förderung von Gesundheit, zur Verhütung von Krankheiten und Unfällen sowie zur Verzögerung von Krankheitsverläufen nutzen. Während digitale Interventionen früher vor allem internetbezogen waren, reicht das Spektrum heute von Apps, Wearables und webbasierten Programmen bis zu Virtual-Reality-Anwendungen und KI-gestützten dialogischen Systemen.


Schlüsselwörter

E-Prävention, digitale Prävention, digitale Gesundheitsförderung, E-Health Promotion

Einleitung

Die Digitalisierung gewinnt in Prävention und Gesundheitsförderung zunehmend an Bedeutung. Zur Einordnung der damit verbundenen Komplexität bietet sich die Perspektive der „E-Public Health“ an. Darunter werden alle organisierten Maßnahmen zur Förderung der öffentlichen Gesundheit verstanden, die mithilfe digitaler Medien überwacht, unterstützt oder umgesetzt werden. Die „digitale Prävention“ („E-Prävention“) als Teilgebiet der „E-Public Health“ lässt sich sowohl den Gesundheitswissenschaften (Public Health) als auch dem E-Health zuordnen (Tab. 1). Während digitale Gesundheitsförderung („E-Health Promotion“) auf die Identifikation und Stärkung von Gesundheitsressourcen und Schutzfaktoren (siehe auch [1] (Resilienz und Schutzfaktoren)) abzielt, verfolgt digitale Prävention das Ziel, die Ausbildung von Risikofaktoren (siehe auch [2] (Risikofaktoren und Risikofaktorenmodell)) bzw. die Entstehung von Krankheiten mithilfe digitaler Technologien zu verhindern oder zu verzögern. Die digitale betriebliche Gesundheitsförderung (dBGF) kann dabei sowohl als Teilbereich des digitalen betrieblichen Gesundheitsmanagements (dBGM) als auch der digitalen Prävention verstanden werden, da sie das Gesundheitsverhalten von Beschäftigten mithilfe digitaler Medien positiv beeinflussen soll.

 

Komplexität und Detaillierungsgrad

E-Health

E-Health (Digital Health) umfasst alle Leistungen, Qualitätsver-besserungen und Rationalisierungseffekte, die durch den Einsatz elektronischer Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen ermöglicht werden. M-Health (Mobile Health) bezeichnet hingegen die Nutzung mobiler bzw. drahtloser Technologien [3].

Gesundheits- telematik

Telematik verknüpft Telekommunikation und Informatik zur Datenübermittlung und Datenverarbeitung. Ein Teilgebiet ist die Gesundheitstelematik, welche die Übertragung und Verarbeitung medizinischer Daten aus dem Gesundheitswesen ermöglicht [4].

E-Public Health

E-Public Health (Digital Public Health) bezeichnet organisierte Anstrengungen, die durch digitale Technologien unterstützt werden und der Erhaltung und Förderung der Gesundheit der Bevölkerung, der Vermeidung von Krankheiten sowie der präventiven, kurativen und rehabilitativen Versorgung dienen [5].

Digitales Versorgungs-management

Digitales Versorgungsmanagement (Digital Managed Care) umfasst die medizinischen und pflegerischen Versorgungsprozesse definierter Bevölkerungsgruppen, die unter Berücksichtigung von Kosteneffektivität [6] und der Überwindung von Schnittstellenproblemen (§ 11 Abs. 4 SGB V) digital unterstützt werden.

E-Prävention

E-Prävention (Digital Prevention) ist ein zentraler Teilbereich von E-Public Health und umfasst alle Maßnahmen, die mithilfe elektronischer Technologien Gesundheit fördern, Krankheiten und Unfälle verhüten sowie das Fortschreiten von Krankheiten verhindern oder verlangsamen.

Digitales BGM

Digitales Betriebliches Gesundheitsmanagement (dBGM) umfasst die Entwicklung integrierter betrieblicher Strukturen und Prozesse, um die gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeit, Organisation sowie des Verhaltens am Arbeitsplatz mithilfe digitaler Medien positiv zu beeinflussen [7].

Digitales BGF

Digitale Betriebliche Gesundheitsförderung (kurz dBGF, siehe auch [8] (Betriebliche Gesundheitsförderung)) stellt einen Teilbereich des BGMs sowie der digitalen Prävention dar, der versucht, mittels neuer digitaler Medien das Gesundheitsverhalten von Mitarbeitenden positiv zu beeinflussen.

Tab. 1: E-Health, E-Public Health, digitale Prävention und ihre Subdisziplinen (eigene Darstellung)

Die Bereiche lassen sich nicht immer trennscharf voneinander abgrenzen, sondern sind eng miteinander verzahnt. Oft stellen sie detaillierende bzw. komplexitätsreduzierende Teilkomponenten übergeordneter Bereiche dar, je nach spezifischem Anwendungsfeld, gesundheitsbezogenem Setting oder adressierter Zielgruppe.

Formen digitaler Präventionsinterventionen

Digitale Präventionsinterventionen können in Abhängigkeit vom Umfang der eingesetzten Online-Anteile differenziert werden. Dabei lassen sich drei Formen unterscheiden [9], [10]:

  • E-Prävention im weiteren Sinne: Verbreitung präventiver Inhalte über digitale Medien, Websites oder soziale Medien (siehe auch [11] (Social Media/Gesundheitsförderung mit digitalen Medien)).
  • E-Prävention im engeren Sinne: vollständig digital bereitgestellte präventive Interventionen, etwa über Apps, Online-Plattformen oder Fitness-Tracker.
  • Hybride Prävention: Kombination von Online- und Offline-Komponenten zur Nutzung der jeweiligen Vorteile beider Formate (z. B. digitale App zur Herzgesundheit mit Telefon-Coaching-Elementen).

Eingesetzte digitale Medien und Technologien

Im Rahmen digitaler Präventionsinterventionen kommen digitale Medien zum Einsatz. Diese ermöglichen Multimedialität, also die Integration verschiedener Medien in eine digitale Präsentation, sowie Interaktivität [12]. Zu den digitalen Medien zählen Hardware (z. B. Fitness-Tracker, Körperanalysewaagen, VR-Headsets), Software (z. B. Skills für Sprachassistenten, Apps, Serious-VR-Games) sowie spezifische Medienformate (z. B. Online-Zeitschriften, Online-Videos, Podcasts) [13]. Tragbare Geräte, die bspw. über Bluetooth mit Präventions-Apps verbunden sind, werden als Wearables bezeichnet. Aufgrund ihrer körpernahen Nutzung werden Wearables auch als On-Body-Geräte bezeichnet, während Smartphones und Tablets als Off-Body-Technologien gelten [14]. Medien wie Gesundheits-Apps, Social-Media-Kanäle oder Internetplattformen nutzen unterschiedliche Formate (z. B. Online-Kurse, E-Coaching) und binden verschiedene Instrumente (z. B. Videos, Selbsttests, Experten-Chats, Foren) ein. Digitale Medien beschränken sich längst nicht mehr auf Internetportale oder Gesundheits-Apps, sondern umfassen auch smarte Sprachassistenten mit gesundheitsbezogenen Skills, VR-Anwendungen sowie KI-gestützte dialogische Systeme, adaptive Coachingumgebungen und datenbasierte Personalisierungsmechanismen. Multiplayer-Versionen ermöglichen dabei gemeinsame Erlebnisse sowie Echtzeitkommunikation und -interaktion mit anderen Nutzenden, während die Nutzenden von VR-Anwendungen durch individuell gestaltbare Avatare visuell repräsentiert werden [15]. Mit dieser Erweiterung digitaler Medien gewinnen zugleich Fragen der Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Qualitätssicherung an Bedeutung.

Digitale Präventionsinterventionen sprechen akustische, visuelle und haptische Sinneskanäle an. So können Bewegungserinnerungen über Ton, Textnachrichten und/oder Vibrationsalarme vermittelt werden. Da Informationsverarbeitung und Kompetenzvermittlung für die Gesundheitsbeeinflussung zentral sind, werden digitale Interventionen häufig multimodal gestaltet, um mehrere Sinneskanäle gleichzeitig zu aktivieren. Die wechselseitige multisensorische Verstärkung („multisensory enhancement“) bewirkt, dass Informationen und Gesundheitsbotschaften bei kongruenten Reizen intensiver verarbeitet werden („Superadditivität“) [16]. Je mehr Sinne angesprochen werden, desto nachhaltiger können sich präventive Botschaften verfestigen. Der präventive Nutzen liegt nicht in der bloßen Quantifizierung von Körperdaten, sondern in der Förderung der Gesundheitskompetenz (siehe auch [17] (Gesundheitskompetenz/Health Literacy)). Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen analogen und digitalen Medien zunehmend, da analoge Medien vielfach auch digital verfügbar sind.

Zielgruppenspezifische Ausrichtung und Herausforderungen

Wie klassische Interventionen können auch digitale Interventionen in Prävention und Gesundheitsförderung nach Gordon universell, selektiv oder indiziert ausgerichtet sein. Diese Einteilung setzt das individuelle Erkrankungsrisiko in Beziehung zu Kosten, Risiken und Unannehmlichkeiten der präventiven Intervention [18]. Tabelle 2 gibt einen Einblick in digitale Präventionsinterventionen im Sinne des Risk-Benefit-Ansatzes bzw. der Risiko-Nutzen-Abwägung und der damit verbundenen Zielgruppenerreichung.

 

Ausrichtung

Systematische Einordnung

Zielgruppe

Beispiele

Universelle E-Prävention

Präventionsmaßnahmen für die Allgemeinbevölkerung oder große Teilpopulationen

Gesamtbevölkerung, breite Bevölkerungsgruppen

digitale Aufklärungsportale, allgemeine Präventions-Apps

Selektive E-Prävention

Präventionsmaßnahmen für Gruppen mit erhöhtem oder vermutetem Risiko

spezifische Zielgruppen mit besonderen Belastun-gen oder erhöhtem Risiko

zielgruppensensible Apps für ältere Menschen, Menschen mit Migrationserfahrung oder pflegende Angehörige

Indizierte E-Prävention

Präventionsmaßnahmen für Personen mit gesicherten Risikofaktoren oder mani-festen Gesundheitsproblemen

Personen mit chronischen Erkrankungen, manifesten Störungen oder eindeutigem Präventionsbedarf

digitale Ernährungspro-gramme bei Adipositas, Online-Schulungen bei Dia-betes, digitale Rückfall-prophylaxe

Tab. 2: Spezifizierung der E-Prävention nach dem Risk-Benefit-Ansatz (eigene Darstellung in Anlehnung an [19])

Eine zentrale Herausforderung der Digitalisierung von Prävention und Gesundheitsförderung besteht in der unzureichenden Berücksichtigung vulnerabler Bevölkerungsgruppen. Diese nehmen neue Medien oft als weniger relevant wahr, was zu einer Verstärkung gesundheitlicher Ungleichheit führen kann [20]; siehe auch [21] (Gesundheitsförderung und soziale Benachteiligung / Gesundheitsförderung und gesundheitliche Chancengleichheit) Zudem werden viele digitale Gesundheitstechnologien von Institutionen mit wirtschaftlichen Interessen (z. B. Apple, Fitbit, Meta Oculus, Amazon) entwickelt, die eher privilegierte Bevölkerungsgruppen erreichen. Diese interventionsgenerierte Ungleichheit („intervention-generated inequalities“) [22] führt dazu, dass relevante Zielgruppen der Prävention und Gesundheitsförderung von entsprechenden Angeboten in geringerem Maße profitieren. Es lassen sich drei Formen des „Digital Health Divide“ unterscheiden [23]:

  1. Primäre digitale Ungleichheit bezeichnet eine Ungleichheit, die auf mangelndem Zugang zu digitalen Gesundheitstechnologien beruht.
  2. Sekundäre digitale Ungleichheit beschreibt Disparitäten, die auf unterschiedliche Nutzungsmuster sowie fehlende Fähigkeiten zurückzuführen sind, digitale Gesundheitstechnologien zu finden, zu bedienen und gezielt zu nutzen.
  3. Tertiäre digitale Ungleichheit liegt vor, wenn mangelnde Kompetenzen dazu führen, dass digitale Gesundheitstechnologien nicht in ein verbessertes gesundheitliches Outcome überführt werden können.

Ergänzend sind heute Barrierefreiheit, digitale Teilhabe und die Passung digitaler Angebote an unterschiedliche Lebenslagen stärker zu berücksichtigen. Mit dem seit 2025 anzuwendenden Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) hat die Zugänglichkeit digitaler Angebote an normativer Bedeutung gewonnen [24].

Bei der Entwicklung digitaler Interventionen werden häufig soziodemografische Merkmale (z. B. Alter, Geschlecht, soziale Schicht) herangezogen, um auf die spezifischen Bedürfnisse der Nutzenden eingehen zu können. Dieser einseitige Ansatz stößt jedoch in der Praxis an Grenzen. Erfolgversprechender erscheint eine problemzentrierte Perspektive. Eine solche Vorgehensweise ist bedeutsam, da sich die Zielgruppe auf diese Weise besser angesprochen fühlt und Mediennutzung als situative Problemlösung sowie als Suche nach Sinnhaftigkeit verstanden werden kann [25]. Im Rahmen dieser Suche ist die Zielgruppe oft bereits sensibilisiert und weist eine entsprechend hohe Veränderungsbereitschaft auf [26].

Anwendungsgebiete

Digitale Präventionsinterventionen können auf der Ebene der Verhaltensprävention (z. B. Bewegung, Ernährung) und Verhältnisprävention (z. B. Förderung gesellschaftlicher Teilhabe, Verringerung sozialer Ausgrenzung) ansetzen, um ungünstige Lebensumstände bzw. Lebensbedingungen von Individuen oder spezifischen Bevölkerungsgruppen (Obdachlosen, Migrantinnen und Migranten, älteren Menschen etc.) positiv zu beeinflussen [27]. Verhaltenspräventive Interventionen sind nicht auf klassische präventive Handlungsfelder beschränkt, sondern können sich z. B. auf Online-Spielsucht, Sonnenbaden, Impfverhalten oder die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen beziehen. Dabei sind verhaltens- und verhältnispräventive Interventionen eng miteinander verzahnt und eine getrennte Betrachtung einzelner Umsetzungsstrategien ist in der Praxis  oft nicht sinnvoll [28]. Wenn bspw. innerhalb einer digitalen Intervention zur Nachbarschaftshilfe Bewegungsangebote (z. B. Lauftreffs für ältere Menschen) initiiert werden, kann von einer verhaltenspräventiven Intervention gesprochen werden, die durch eine digitale Verhältnisintervention (Nachbarschaftshilfe-App) erst ermöglicht wird.

Um eine hohe Wirkung zu erzielen bzw. die Wirksamkeit zu verbessern, sollten bei der Entwicklung und Ausgestaltung gesundheitspsychologische Modelle (zur Verhaltensänderung und Rückfallprophylaxe) (siehe auch [29] (Erklärungs- und Veränderungsmodelle: 1. Einstellungs- und Verhaltensänderung)) einbezogenen werden. Auch die Berücksichtigung wissenschaftlicher Leitlinien (inkl. der dort empfohlenen Instrumentarien, z. B. die S3-Leitlinie „Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung” bzw. den Fagerström-Test zur Ermittlung der Nikotinabhängigkeit [30]) trägt dazu bei, die Qualität digitaler Interventionen zu steigern. Dabei ist die Einbindung interdisziplinärer Expertenteams und künftiger Nutzerinnen und Nutzer unabdingbar.

Chancen und Risiken

Werden digitale Präventionsinterventionen eingesetzt, sollten ihre Chancen und Risiken im Vergleich zu klassischen Präventionsinterventionen abgewogen werden. Tabelle 3 gibt einen Überblick, der in Abhängigkeit von der jeweiligen Zielgruppe (und ihrer Medienakzeptanz), der Intervention (z. B. Diabetes-Apps) sowie dem eingesetzten digitalen Medium bzw. Wearable-Gadget (z. B. Sensoren von Fitness-Uhren) analysiert werden muss.

Vergleichs-dimension Traditionelles Präventionsprogramm Digitale Präventionsintervention Einordnung von Chancen und Risiken
Durchführung meist zeit- und ortsgebunden zeitlich und räumlich flexibel, auch hybrid nutzbar

hohe Flexibilität und alltagsnahe Nutzung, zugleich Risiko von Nutzungsabbrüchen

Reichweite durch Personal, Räume und Öffnungszeiten begrenzt nach Entwicklung und Implementierung gut skalierbar hohe Reichweite, aber Reich-weite bedeutet nicht automatisch Nutzung oder Wirkung
Anpassbarkeit individuelle Anpassung möglich, aber ressourcenintensiv standardisierte Inhalte mit möglicher Personalisierung individualisierte Rückmeldung-en möglich, aber begrenzte Passung bei komplexen Lebenslagen
Interaktion persönliche Kommunikation mit direkter Rückmeldung Kommunikation über Apps, Plattformen oder digitale Begleitung Erinnerungs- und Begleit-funktionen möglich, zugleich weniger nonverbale Signale
Adhärenz Teilnahme oft durch feste Termine und Gruppen-bindung stabilisiert Nutzung häufig selbstgesteuert wiederholte Impulse möglich, zugleich erhöhte Abbruchgefahr
Daten und Evaluation Evaluation häufig punktuell kontinuierliche Datenerhebung und Monitoring möglich bessere Verlaufsbeobachtung, zugleich Datenschutz- und Transparenzfragen
Teilhabe Zugang abhängig von Ort, Zeit und Mobilität Zugang zusätzlich abhängig von Geräten, Kompetenzen und Barrierefreiheit neue Zugänge für manche Gruppen, zugleich Risiko digitaler Ungleichheit

Tab. 3: Eigenschaften traditioneller und digitaler Präventionsinterventionen (eigene Darstellung in Anlehnung an [31])

Kritische Betrachtung und Fazit

Die Nutzung digitaler Interventionen setzt entsprechende Kompetenzen der Nutzenden voraus. Diese sogenannte E-Health Literacy (siehe auch [17] (Gesundheitskompetenz / Health Literacy)) umfasst das Wissen, die Motivation und die Fähigkeiten, Gesundheitsinformationen über verschiedene Medien zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden [32]. Zur Erfassung dieser Kompetenzen wird häufig die E-Health Literacy Scale (eHEALS) herangezogen [33]. Obwohl diese Skala kritisiert wird, da sie vor allem die Suche nach Gesundheitsinformationen im Internet fokussiert und interaktive Komponenten der Health Literacy vernachlässigt [34], [35], konnte sich bislang kein alternatives Instrument etablieren [36]. Angesichts der Dynamik und Unübersichtlichkeit des Marktes digitaler Präventionsinterventionen ist E-Health Literacy besonders relevant.

Zudem ist es für potenzielle Nutzende schwierig, die Qualität solcher Interventionen zu beurteilen, da sich die Anforderungen an Evaluation und Nutzennachweis unterscheiden. Während für bestimmte regulierte digitale Anwendungen strukturierte Evidenzanforderungen bestehen, ist dies für andere digitale Präventionsangebote nicht der Fall. Eine Ausnahme bilden regulierte und erstattungsfähige digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sowie digitale Pflegeanwendungen (DiPA), für deren Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis [37] ein Nutzennachweis bzw. der Nachweis eines positiven Versorgungseffekts erbracht werden muss [38]. Anbieter informations- und kommunikationstechnologiebasierter Selbstlernprogramme müssen ebenfalls vor der Zertifizierung durch die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) eine Selbstverpflichtungserklärung zur Evaluation unterzeichnen [39]. Zudem wird seit dem 15.01.2025 die elektronische Patientenakte (ePA) für alle schrittweise bereitgestellt; seit dem 01.10.2025 sind Praxen, Krankenhäuser und Apotheken bundesweit verpflichtet, sie zu nutzen [40]. Damit verbessern sich die strukturellen Voraussetzungen dafür, digitale Prävention an breitere Versorgungs- und Dateninfrastrukturen anzubinden.

Vertrauen und Glaubwürdigkeit, gestärkt durch Qualitätssicherung, wissenschaftliche Leitlinien, Fachexpertise und eine angemessene Aufklärung der Nutzenden, dürften die Akzeptanz und Wirkung digitaler Präventionsinterventionen wesentlich beeinflussen. Hinzu kommen heute Anforderungen an Datenschutz, IT-Sicherheit, Interoperabilität und barrierearme Gestaltung. Langzeitstudien zu digitalen Präventionsinterventionen fehlen bislang vielfach. Zudem wird ihre Durchführung dadurch erschwert, dass digitale Interventionen fortlaufend angepasst werden (siehe auch [41] (Gesundheits-Apps)).


Literatur

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