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    <IdentifierDoi>10.3205/zma000630</IdentifierDoi>
    <IdentifierUrn>urn:nbn:de:0183-zma0006302</IdentifierUrn>
    <ArticleType>Buchbesprechung&#47;book report</ArticleType>
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      <Title language="de">Eckhard Frick (unter Mitarbeit von Harald G&#252;ndel): Psychosomatische Anthropologie. Ein Lehr- und Arbeitsbuch f&#252;r Unterricht und Studium</Title>
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          <Lastname>Rimpau</Lastname>
          <LastnameHeading>Rimpau</LastnameHeading>
          <Firstname>Wilhelm</Firstname>
          <Initials>W</Initials>
          <AcademicTitle>Prof. Dr. med.</AcademicTitle>
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        <Address>Arzt f&#252;r Neurologie, Freiherr-vom-Stein-Str. 11a, 10825 Berlin, Tel.: 030&#47;85-45509, Fax: 030&#47;85-733386<Affiliation>Arzt f&#252;r Neurologie, Berlin</Affiliation></Address>
        <Email>wr&#64;wilhelm-rimpau.de</Email>
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          <Corporatename>German Medical Science GMS Publishing House</Corporatename>
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        <Address>D&#252;sseldorf</Address>
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      <SubjectheadingDDB>610</SubjectheadingDDB>
      <SectionHeading language="de">Humanmedizin</SectionHeading>
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    <DateReceived>20090814</DateReceived>
    <DateRevised>20090819</DateRevised>
    <DateAccepted>20090819</DateAccepted>
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      <DatePublished>20091116</DatePublished>
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    <Language>germ</Language>
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        <ISSN>1860-3572</ISSN>
        <Volume>26</Volume>
        <Issue>4</Issue>
        <JournalTitle>GMS Zeitschrift f&#252;r Medizinische Ausbildung</JournalTitle>
        <JournalTitleAbbr>GMS Z Med Ausbild</JournalTitleAbbr>
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    <ArticleNo>37</ArticleNo>
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      <MainHeadline>Bibliographische Angaben</MainHeadline>
      <Pgraph>Eckhard Frick (unter Mitarbeit von Harald G&#252;ndel)</Pgraph>
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        <Mark1>Psychosomatische Anthropologie - Ein Lehr- und Arbeitsbuch f&#252;r Unterricht und Studium</Mark1>
      </Pgraph>
      <Pgraph>Kohlhammer, Stuttgart</Pgraph>
      <Pgraph>Seitenzahl: 237; &#8364; 19,90</Pgraph>
      <Pgraph>Erscheinungsjahr: 2009; ISBN13: 978-3-17-030337-2237-2</Pgraph>
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    <TextBlock linked="yes" name="Rezension">
      <MainHeadline>Rezension</MainHeadline>
      <Pgraph>Die Alterung medizinischen Wissens wird gegenw&#228;rtig mit einer Halbwertszeit von 4 bis 5 Jahren angegeben. Aktuelle Lehr- und Fachb&#252;cher gelten dann als modern und evidenzbasiert, wenn sie allein wissenschaftliche Literatur nach dem neuesten Stand ber&#252;cksichtigen. So finden sich kaum mehr R&#252;ckbez&#252;ge und Zitate, die &#228;lter als f&#252;nf Jahre sind; weil nicht mehr g&#252;ltig&#63; veraltet&#63; &#252;berholt&#63; Kann es nicht doch so sein, dass die Altvorderen und Wegbereiter der heute praktizierten Medizin etwas zu sagen haben, was (noch) immer gilt&#63; Ist die Frage nach dem Menschsein in Gesundheit und Krankheit Moden unterworfen&#63; Sind &#228;ltere Analysen und Erkenntnisse nur deswegen unmodern und nicht mehr aktuell, weil Jahrzehnte, gar Jahrhunderte alt&#63;</Pgraph>
      <Pgraph>Bei der Anthropologie geht es um unsere Wurzeln. Der Mensch als &#8222;Forschungs-Gegenstand&#8220; bedarf eines gemeinsamen Fundaments. Es gilt Krankheiten vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte und der psycho-sozialen Rahmenbedingungen zu verstehen. Die gesamte Medizin braucht mehr Synergien zwischen der psychosomatischen und Organ-Medizin einerseits und den Naturwissenschaften, den Geisteswissenschaften, der &#214;konomie, der Politik. Die Frage nach dem Wesen des Menschen bleibt in der Medizin unbeantwortet. Dennoch scheint es, als stecke hinter der evidenzbasierten Medizin eine implizite Anthropologie, die den Menschen eher als &#8222;Maschine mit Bed&#252;rfnissen&#8220; sieht. Zu den Fundamenten unserer Geistesgeschichte geh&#246;rt vor allem auch die Auseinandersetzung mit der Frage &#96;was ist der Mensch&#180;. Kants Fragen, was kann ich wissen&#63; was soll ich tun&#63; was darf ich hoffen&#63; gilt es mit dem zu verkn&#252;pfen, was heute aktuell ist, mit der Neurobiologie und den qualitativ-verstehenden und quantitativ-messenden Zug&#228;ngen. Wie k&#246;nnen unsere impliziten Annahmen &#252;ber den Menschen bewusst gemacht und reflektiert werden&#63;</Pgraph>
      <Pgraph>Dies sind die Grundlagen eines Gespr&#228;chs zwischen Eckhard Frick, Hochschullehrer f&#252;r Philosophie, Lehranalytiker des C. G. Jung-Instituts und Jesuit in M&#252;nchen und Harald G&#252;ndel, Psychoanalytiker und Direktor der Klinik f&#252;r Psychosomatik und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover. Ihre &#220;berlegungen ersetzen das Vorwort. Es folgt eine &#8222;Gebrauchsanleitung&#8220; f&#252;r ihr in Lernmodulen gegliedertes Buch. Dieses m&#246;chte einen Beitrag zur philosophischen Grundlegung einer bio-psycho-sozial verstandenen Medizin und zur humanwissenschaftlichen Anwendung der philosophischen Anthropologie leisten. Es werden empirische Fakten dargestellt und auf philosophische Probleme hingewiesen, die mit ihnen verkn&#252;pft sind. Es wird deutlich gemacht, was die Medizin von einer medizinischen Anthropologie lernen kann.</Pgraph>
      <Pgraph>Die 10 Kapitel bzw. Lernmodule behandeln Fragen zu Erfahrungen und Problemen, die jeder Mensch, ob gesund oder krank, macht. &#8222;Der sich bindende Mensch&#8220; behandelt die lebenslange menschliche Entwicklung auf der Grundlage der heute als zentrales Paradigma der Verhaltenswissenschaften geltenden Bindungstheorie. &#8222;Der Zeichen verstehende Mensch&#8220; untersucht Kausal- und Sinnzusammenh&#228;ngen, die auf der genetischen Matrix aufbauend einer Bedeutungserteilung durch den Menschen bed&#252;rfen. &#8222;Der tr&#228;umende Mensch&#8220; fragt nach dem Unbewussten im Anschluss an Freud. Sind Arbeitsst&#246;rungen analog zu betrachten wie die Spielst&#246;rungen des Kindes fragt das Modul &#8222;Der spielende Mensch&#8220;. Im Anschluss an Kierkegaard wird &#8222;der sich &#228;ngstigende Mensch&#8220; thematisiert. Mit der Geschichte Viktor von Weizs&#228;ckers vom Bauern, &#8222;dem es da im Leibe weh tut&#8220;, wird in die polare Betrachtungsweise von K&#246;rper und Leib eingef&#252;hrt. &#8222;Der leidende Mensch&#8220; greift Fragen auf, die Weizs&#228;cker 1926 in seinem Aufsatz &#8222;Die Schmerzen&#8220; in der KREATUR formulierte und die als erste Thematisierung der medizinischen Anthropologie in Weizs&#228;ckers Werk gelten. Dem &#8222;Ontischen&#8220; mit der Seinsfrage Heideggers wird das &#8222;Pathische&#8220; Weizs&#228;ckers gegen&#252;bergestellt. Im &#8222;pathischen Pentagramm&#8220; &#8211; d&#252;rfen, wollen, k&#246;nnen, m&#252;ssen, sollen -  wird Die-Erste-Person-Perspektive in der Arzt-Patient-Beziehung zur Erg&#228;nzung des objektivierenden Beschreibens auf der ontischen Ebene. Mit Weizs&#228;ckers &#8222;Gestaltkreis&#8220; von der &#8222;Einheit von Wahrnehmen und Bewegen&#8220; wird aus dem &#8222;Schlagwort&#8220; von der &#8222;Einf&#252;hrung des Subjekts in die Medizin&#8220; eine Theorie und Praxis der Begegnung von Arzt und Krankem. Ist der Mensch schuldf&#228;hig wird im n&#228;chsten Modul untersucht. Die Neurobiologie der reflexiven Emotionen, zu der neben Schuld auch Empathie und Scham geh&#246;ren, wird mit der &#8222;Theory of Mind&#8220; zum Lerngegenstand. Theologische Aspekte verdeutlichen den Zusammenhang von Schuld, S&#252;nde und Krankheit. C. G. Jungs vier Funktionstypen, das Denken, F&#252;hlen, Empfinden und Intuieren sind interne Instanzen, welche innere Wahrnehmung mit der Au&#223;enwahrnehmung in Einklang zu bringen suchen. Das Kapitel &#8222;Der trauernde Mensch&#8220; greift die modernen &#220;berlegungen zur Bindung (attachment) auf und fragt nach dem Abschied, nach der L&#246;sung der Bindung. Das letzte Kapitel &#8222;Der lebendige Mensch&#8220; macht Modelle zum Lernprogramm, welche die Sinnorientierung des Menschen und deren Gef&#228;hrdung erfassen. Wie unterscheiden sich der personalistische Sprachgebrauch der Alltagssprache von F. Nietzsches Begriffe Ich &#8211; Selbst &#8211; Leib &#8211; Seele&#63; Fichte als Repr&#228;sentant des deutschen Idealismus wird herangezogen. Nach S. Freud&#180;s Instanzenmodell leidet das Ich unter seinen &#8222;Zwingherren&#8220; Es und &#220;ber-Ich. Der kindliche Stolz des Ich-Sagens belegt die Annexion des Selbst durch das Ich. Kierkegaard, Nietzsche, Heidegger und Jung wie Vertreter der Postmoderne thematisieren die Br&#252;chigkeit und Verlierbarkeit der Identit&#228;t. Eine lineare Kausalit&#228;t der g&#228;ngigen Pathogenese in der Biographik erweitert Weizs&#228;cker mit dem Konzept des &#8222;ungelebten Lebens&#8220; und Jung mit dem &#8222;Schatten-Archetypus&#8220;. Beide meinen damit die Frage nach der Summe der ungelebten M&#246;glichkeiten des jeweiligen individuellen Lebens, welche nur schwer akzeptiert werden oder gar krank machen. Die nicht realisierten Aspekte seiner selbst gilt es loszuwerden, zu &#8222;projezieren&#8220;, zu verdr&#228;ngen. Diese verborgene Biographik wird Teil der Analyse der Pathogenese.</Pgraph>
      <Pgraph>Als Lehr- und Arbeitsbuch fordert Fricks Psychosomatische Anthropologie den Hochschullehrer auf, seinen Studenten das spezifische klinische Fach als Teil einer &#8222;Allgemeinen Medizin&#8220; zu pr&#228;sentieren. Viktor von Weizs&#228;cker wurde 1946 auf das pers&#246;nliche Ordinariat f&#252;r &#8222;Allgemeine klinische Medizin&#8220; in Heidelberg berufen (vgl. die Buchbesprechung zu Deter in Z f med Ausbild 2008; 25, 3). Er vertrat die Auffassung, dass damit nicht ein neues umfassenwollendes Fach f&#252;r die Pr&#252;fung angelegt wird, sondern die &#8222;Schulmedizin&#8220; in ihren Grundlagen und Grenzen erweitert wird. Es galt (und gilt noch heute) einen &#8222;nivellierenden Positivismus&#8220;, eine &#8222;reine Tatsachenforschung&#8220;, die eine Beschr&#228;nkung auf ein Einzelgebiet erfordere, zu &#252;berwinden. Mit der &#8222;Einf&#252;hrung des Subjekts in die Wissenschaft&#8220; meint Weizs&#228;cker die Anerkennung unterschiedlicher Erkenntnisse in den Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften und Psychologie. Dadurch kann die das Subjekt des Kranken ausklammernde empirische Naturforschung erweitert werden um eine &#8222;allgemeine Lehre vom kranken Menschen&#8220;. Genau diesem Anliegen dient auf vorbildhafte Weise das vorliegende Buch.</Pgraph>
      <Pgraph>Der Medizinstudent, l&#228;sst er sich Dank der didaktisch hervorragenden F&#252;hrung auf diesen Lernprozess ein, wird den Sinn seines Studiums begreifen. Durch Schulung seines Denkens wird er vom Allgemeinen zum Speziellen gef&#252;hrt und nicht allein gelassen in der Addition unzusammenh&#228;ngend erscheinenden Faktenwissen in den medizinischen Einzeldisziplinen. </Pgraph>
      <Pgraph>Jedem Kapitel, jedem Modul, ist ein Lernziel vorangestellt. Zun&#228;chst wird ein Basistext studiert, der in die Thematik des Kapitels einf&#252;hrt, Orientierung und Konzentration auf das Wesentliche verschafft. Es folgen Details und Literatur&#252;bersichten, die das Einzelstudium, die Diskussion in der Lerngruppe, den kollegialen Austausch und die Pr&#252;fungsvorbereitung erleichtern. Die Gliederung und Inhalte der Module erleichtern den jeweils eigenen Weg nach Interesse baukastenartig zusammenzustellen. Fragen zur Selbstkontrolle besorgen das notwendige Feedback. Ein ausf&#252;hrliches Stichwortverzeichnis (ein Personenverzeichnis fehlt leider) erleichtert die Arbeit mit diesem Buch. Zu hoffen bleibt, dass das ausf&#252;hrliche Literaturverzeichnis, welches nicht im Buch erscheint, sondern online bei Kohlhammer zug&#228;nglich ist, nicht auch den kurzfristigen Marktentscheidungen zum Opfer f&#228;llt, wie es mit der Online-Version (worauf Frick verweist) von Meyers Lexikon geschehen ist. Das dort lesenswerte Kapitel &#8222;Psychosomatik&#8220; muss man nun wieder z.B. in der Staatsbibliothek studieren.</Pgraph>
      <Pgraph>Die &#8222;Psychosomatische Anthropologie&#8220; von Frick und G&#252;ndel f&#252;llt eine L&#252;cke. Die notwendige Grundorientierung f&#252;r das Medizinstudium ist jedem Studenten, jedem klinischen Hochschullehrer, jedem Studiendekanat, welches ein Teachers-Training moderiert, empfohlen. M&#246;gen der hiermit eingeleitete Prozess des Nachdenkens &#252;ber die Medizin Leser stimulieren und die Autoren erbetene Hinweise erhalten, die in folgenden Auflagen das Anliegen weitertragen im Interesse einer Reform nicht nur des Studiums sondern auch der Praxis der Medizin und der ihr dienenden Wissenschaft.</Pgraph>
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