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    <IdentifierUrn>urn:nbn:de:0183-zma0006088</IdentifierUrn>
    <ArticleType>Buchbesprechung&#47;book report</ArticleType>
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      <Title language="de">Roland Schiffter: Vom Leben, Leiden und Sterben in der Romantik. Neue Pathografien zur Romantischen Medizin</Title>
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          <Lastname>Rimpau</Lastname>
          <LastnameHeading>Rimpau</LastnameHeading>
          <Firstname>Wilhelm</Firstname>
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          <AcademicTitle>Prof. Dr. med.</AcademicTitle>
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        <Address>Freiherr-von-Stein-Stra&#223;e 11 a, 10825 Berlin, Deutschland, Tel.: 030&#47;8545509, Fax: 030&#47;85733386</Address>
        <Email>wr&#64;wilhelm-rimpau.de</Email>
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          <Corporatename>German Medical Science GMS Publishing House</Corporatename>
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        <Address>D&#252;sseldorf</Address>
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      <SubjectheadingDDB>610</SubjectheadingDDB>
      <SectionHeading language="de">Humanmediziin</SectionHeading>
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    <DateReceived>20081108</DateReceived>
    <DateRevised>20090119</DateRevised>
    <DateAccepted>20090119</DateAccepted>
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      <DatePublished>20090515</DatePublished>
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    <Language>germ</Language>
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      <Journal>
        <ISSN>1860-3572</ISSN>
        <Volume>26</Volume>
        <Issue>2</Issue>
        <JournalTitle>GMS Zeitschrift f&#252;r Medizinische Ausbildung</JournalTitle>
        <JournalTitleAbbr>GMS Z Med Ausbild</JournalTitleAbbr>
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    <ArticleNo>16</ArticleNo>
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      <MainHeadline>Bibliographische Angaben</MainHeadline>
      <Pgraph>Roland Schiffter</Pgraph>
      <Pgraph>
        <Mark1>Vom Leben, Leiden und Sterben in der Romantik</Mark1>
      </Pgraph>
      <Pgraph>Neue Pathografien zur Romantischen Medizin</Pgraph>
      <Pgraph>W&#252;rzburg: Verlag K&#246;nigshausen &#38; Neumann</Pgraph>
      <Pgraph>ISBN: 978-3-8260-3868-6</Pgraph>
      <Pgraph>180 Seiten, &#8364; 19,80</Pgraph>
      <Pgraph>Erscheinungstermin: 2008</Pgraph>
    </TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Rezension">
      <MainHeadline>Rezension</MainHeadline>
      <Pgraph>Das empfehlenswerte Buch des Berliner Neurologen Schiffter gibt einen &#220;berblick &#252;ber Grundz&#252;ge und Besonderheiten der Romantischen Medizin und damit der vorwissenschaftlichen Heilkunde in der ersten H&#228;lfte des 19. Jhts. Diese st&#252;tzte sich auf die Hippokratische S&#228;ftelehre, das Brownsche Reiz-Reaktionskonzept, den tierischen Magnetismus von Messmer und Hahnemanns Hom&#246;opathie. Die Romantische Medizin gr&#252;ndet sich aber auch auf der Neigung damaliger Philosophen und Mediziner, alles menschliche Leben einschlie&#223;lich des Krankseins in gro&#223;en kosmischen, geistig-seelischen, psychosomatischen und physikalisch-materiellen Gesamtzusammenh&#228;ngen zu sehen. Das Wesensmerkmal der St&#246;rung als den eigentlichen Sinn des Daseins &#252;berhaupt erkannt zu haben, insofern Leben als Pathos gesehen wird, ist ein Verdienst der Romantik, das sie grade der modernen funktional denkenden Medizin auf den Weg gegeben hat. Das Subjekt und der Biografie des Kranken mit ihren psychischen und sozialen Aspekten zu w&#252;rdigen war ein Kennzeichen der Romantischen Medizin und wurde von Viktor von Weizs&#228;cker (1886-1957) mit der anthropologischen Medizin aktualisiert.</Pgraph>
      <Pgraph>Schiffters Berichte sind lebendige Kulturgeschichte und an Anekdoten reich und anschaulich bebildert mit didaktischem Geschick vorgestellt und erg&#228;nzen die Leibbrand&#180;sche geistesgeschichtliche Analyse in seinem als Klassiker geltenden Buch &#96;Die spekulative Medizin der Romantik&#180; (1956).  Die Romantik und ihren Folgen f&#252;r unsere Gegenwart findet mit den jetzigen Darstellungen vom Leben, Leiden und Sterben ber&#252;hmter Menschen eine h&#246;chst ansprechende Erg&#228;nzung, die f&#252;r jeden Medizinstudierenden die Geschichte unseres Faches zu einem spannenden Ausflug macht. &#8222;Die hilflos befangenen &#196;rzte &#8230; irrten ratlos durch einen diagnostischen D&#228;mmerwald von allerlei Fiebern, Wechselfieber, Nervenfieber, kalten Fiebern, Faulfiebern, Nervenschw&#228;chen, Wassers&#252;chten, Darren und Auszehrungen &#8230;&#8220;. Das Vertrauen in den &#196;rztestand war gering, Wunderheiler und Scharlatane zogen durchs Land und f&#252;llten ihre Beutel. Medizinische Moden weckten Hoffnungen, die sich nicht erf&#252;llten. Badekuren erfrischten und entt&#228;uschten, waren aber auch gesellschaftliche H&#246;hepunkte im Leben &#8222;h&#246;herer St&#228;nde&#8220;. Anhand von Zeitdokumenten veranschaulichen die Krankengeschichten von Bettina und Achim von Arnim, Karl Friedrich Schinkel, Christiane von Goethe, E.T.A. Hoffmann, Robert Schumann und Heinrich Heine die Not, wenn sie mit Aderl&#228;ssen, Abf&#252;hrmitteln, Brenneisen und k&#252;nstlich unterhaltenen Eiterungen traktiert wurden. Bettina von Arnim wehrt sich erfolgreich. Sie selbst wurde 74 Jahre alt und starb infolge eines Schlaganfalls. Alle ihre sieben Kinder &#252;berlebten &#8211; ungew&#246;hnlich f&#252;r die Zeit. &#8222;Ich habe immer kl&#252;ger gehandelt f&#252;r die Gesundheit meiner Kinder, als die philisterhaften &#196;rzte &#8230; wenn ich denen h&#228;tte &#228;ngstlich folgen wollen, so h&#228;tten sie vielleicht auch ins Gras bei&#223;en m&#252;ssen &#8230;&#8220;. Das Beispiel Schinkels kann &#196;rzte und Kranke gemahnen, jeglichen therapeutischen Aktionismus mit seinen Risiken zu meiden, jegliche Therapie immer wieder aufs Neue zu hinterfragen. &#8222;Heute sind andere Fehlleistungen der &#196;rzte und Fehlentwicklungen der Medizin zu beklagen: Viele &#252;berfl&#252;ssige Operationen, viele &#252;berfl&#252;ssige Medikamentenverordnungen, viele &#252;berfl&#252;ssige und teure apparative Untersuchungen, der zunehmende Mangel an menschlicher Zuwendung und psychosomatischer Kompetenz der &#196;rzte, aber auch viele obskure Au&#223;enseitermethoden und Modeerscheinungen des modernen Medizin- und Wellness-Betriebes.&#8220; &#8222;Die Wunde Heine, die Adorno beschwor, scheint immer noch offen zu sein&#8220;. Die einleitende Frage &#8222;Woran litt Heine&#63;&#8220; wird b&#252;ndig beantwortet: &#8222;an Preu&#223;en-Deutschland, an seinem Judentum, an Migr&#228;ne, an Liebesangst, an Neuro-Syphilis, an der Frage nach Gott.&#8220; Robert Schumann litt nicht &#8211; wie gelegentlich und noch 2007 behauptet &#8211; unter der Syphilis, sondern unter einer relativ gutartigen Verlaufsform der Schizophrenie seit seinem 20. Lebensjahr.</Pgraph>
      <Pgraph>Schiffter beschlie&#223;t die Pathografien mit einer kurzen Vorstellung des Reformators Moritz Heinrich Romberg (1795-1873). Dieser gilt zu Recht seit seinem 1840 ver&#246;ffentlichten &#8222;Lehrbuch der Nerven-Krankheiten des Menschen&#8220; als der Begr&#252;nder des Faches Neurologie in Deutschland. Als Fazit seines Buches formuliert Schiffter, dass &#8222;Ratio, also Aufkl&#228;rung und Emotio, also Romantik in ein ausgewogenes Gleichgewicht gebracht werden m&#252;ssen.&#8220; Viktor von Weizs&#228;cker wird, auch angeregt durch Leibbrands Darstellung, auf dem Weg zur Anthropologischen Medizin in der Romantik die Frage beantworten, &#8222;ob das organische Geschehen mit Seele oder ohne Seele zu denken ist, &#8230; ob die Wissenschaft von der Natur moralisch, sittlich bestimmt sein mu&#223; oder nicht, ob ihr das Anthropomorphe verwehrt ist oder ob ihr eigentlicher Gegenstand der pers&#246;nliche Mensch sein mu&#223;.&#8220; </Pgraph>
      <Pgraph>Bettina von Arnims Botschaft an den Leser dieses Buches lautet: &#8222;Selbst denken ist der h&#246;chste Mut, wer anf&#228;ngt selbst zu denken, der wird auch selbst handeln&#8220; &#8211; eine Empfehlung, die heute Grundlage jeder Reform des Medizinstudiums ist, will sie ernst genommen werden.</Pgraph>
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