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    <ArticleType>Kommentar&#47;commentary</ArticleType>
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      <Title language="de">Pl&#228;doyer f&#252;r eine Fortentwicklung der medizinischen Ausbildungsordnung im Spannungsfeld zwischen systematischer und praktischer Ausbildung</Title>
      <TitleTranslated language="en">Pro and Cons for the development of medical education by incorporating more systematic teaching into the curriculum vs. small group education with patients </TitleTranslated>
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          <AcademicTitle>Prof.</AcademicTitle>
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        <Address>Eppendorfer Landstra&#223;e 14, 20249 Hamburg</Address>
        <Email>vonwichert&#64;t-online.de</Email>
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          <Corporatename>German Medical Science GMS Publishing House</Corporatename>
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        <Address>D&#252;sseldorf</Address>
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      <SubjectheadingDDB>610</SubjectheadingDDB>
      <Keyword language="en">Academic medical education</Keyword>
      <Keyword language="en">scientific education in medicine</Keyword>
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      <Keyword language="en">examination in medicine</Keyword>
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      <Keyword language="de">Universit&#228;t versus Fachschule</Keyword>
      <SectionHeading language="de">Humanmedizin</SectionHeading>
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    <DateReceived>20070925</DateReceived>
    <DateRevised>20080110</DateRevised>
    <DateAccepted>20080110</DateAccepted>
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      <DatePublished>20080215</DatePublished>
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    <Language>germ</Language>
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        <ISSN>1860-3572</ISSN>
        <Volume>25</Volume>
        <Issue>1</Issue>
        <JournalTitle>GMS Zeitschrift f&#252;r Medizinische Ausbildung</JournalTitle>
        <JournalTitleAbbr>GMS Z Med Ausbild</JournalTitleAbbr>
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    <ArticleNo>72</ArticleNo>
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  <OrigData>
    <Abstract language="de" linked="yes"><Pgraph>Der Beitrag befasst sich mit der gegenw&#228;rtigen Approbationsordnung f&#252;r &#196;rzte, die nach Auffassung des Autors nicht gen&#252;gend systematische und wissenschaftliche Aspekte der Medizin beachtet, und zu gro&#223;en Wert auf eine praktische Ausbildung in Kleingruppen legt. Im Gegensatz zu einer sog. praktischen Ausbildung setzt eine wissenschaftliche, systematische Ausbildung die sp&#228;teren &#196;rzte in die Lage zuk&#252;nftige Entwicklungen der Medizin kritisch in ihr Wissen zu integrieren, und ist durch die Erziehung zum kritisch-wissenschaftlichen Denken ein direkter Sicherheitsfaktor f&#252;r die Patienten.</Pgraph></Abstract>
    <Abstract language="en" linked="yes"><Pgraph>This paper deals with current medical education in Germany which is thought to be too much directed to so-called practical aspects. Particularly learning in small groups is unproductive, because the teaching personnel is not experienced enough to guarantee a high level of education. The author puts forward that it is much more important to teach the scientific foundations of medicine to prepare physicians for the developments of medical science in the future.</Pgraph></Abstract>
    <TextBlock name="Standpunkt" linked="yes">
      <MainHeadline>Standpunkt</MainHeadline><Pgraph>Die moderne Medizin zeichnet sich durch eine zunehmende &#220;bereinstimmung der methodisch-wissenschaftlichen Ans&#228;tze in den unterschiedlichen F&#228;chern der Medizin aus. Statistische Methoden sind den operativen und den psychiatrischen F&#228;chern ebenso zuzuschreiben wie etwa experimentellen Ans&#228;tzen in der medizinischen Grundlagenforschung. Molekularbiologische und immunologische Verfahren werden in der Inneren Medizin wie auch in der Virologie oder  der Pathologie eingesetzt. In der Krankenversorgung dagegen wird die praktische Vorgehensweise in den verschiedenen Spezialit&#228;ten immer differenzierter. Die orthop&#228;dische Chirurgie kann von einem  Viszeralchirurgen nicht mehr ausreichend beherrscht werden, der gastroenterologische Internist kann zwar  endoskopieren, ist aber nicht mehr dazu ausgebildet interventionelle Verfahren am Herzen auszuf&#252;hren, und der Psychiater wird kaum noch ein R&#246;ntgenbild beurteilen k&#246;nnen. Dennoch beziehen sich alle auf die gleichen wissenschaftlichen Grundlagen des Fachs. Die Entwicklung der Medizin hat in den letzten zwei- bis drei Jahrzehnten zu neuen Berufswirklichkeiten gef&#252;hrt, und dieser Prozess wird weitergehen. In der &#220;berzeugung des Verfassers m&#252;ssen diese Vorg&#228;nge eine nachhaltige Ver&#228;nderung der Ausbildungsinhalte w&#228;hrend des Studiums nach sich ziehen, um die Auszubildenden in die Lage zu versetzen, den Anforderungen ihres Berufes in einer in Zukunft sich weiter &#228;ndernden Medizin gewachsen zu sein. Das ist gegenw&#228;rtig nicht mehr durchgehend garantiert. Es scheint an der Zeit, sich erneut mit den Ausbildungszielen des Medizinstudiums  zu besch&#228;ftigen, da nach Auffassung vieler Hochschullehrer die Fassung der &#196;AppO 2002 zu einem kritischen Niveauverlust in der Ausbildung der Medizinstudenten gef&#252;hrt hat, mit erheblichen Konsequenzen f&#252;r die Qualit&#228;t des zuk&#252;nftigen Gesundheitswesens.</Pgraph><Pgraph>In der &#196;AppO 2002 wird formuliert: &#8222;Ziel der &#228;rztlichen Ausbildung ist der wissenschaftlich und praktisch in der Medizin ausgebildete Arzt, der zur eigenverantwortlichen und selbstst&#228;ndigen &#228;rztlichen Berufsaus&#252;bung, zur Weiterbildung und zu st&#228;ndiger Fortbildung bef&#228;higt ist.....&#8220; Die Ausbildung zum Arzt wird auf wissenschaftlicher Grundlage und praxis- und patientenbezogen durchgef&#252;hrt.</Pgraph><Pgraph>Mit dieser Zielvorgabe wird dem Medizinstudium zwar eine wissenschaftliche Grundlage unterstellt, aber besonders deutlich die praktische Seite der &#228;rztlichen Arbeit hervorgehoben, wie sich auch aus den anschlie&#223;end aufgef&#252;hrten Detailzielen ergibt (&#196;AppO 2002). Ein Grundlagenwissen reicht allerdings in einer modernen, naturwissenschaftlich gepr&#228;gten Medizin nicht aus. Vorherige Bestallungs- bzw. Approbationsordnungen waren vorsichtiger. Die Bestallungsordnung vom  15.9.1953 sagt in &#167; 3 einfach und klar: Das Ziel der &#228;rztlichen Ausbildung ist die Heranbildung eines zur Erf&#252;llung seiner Aufgaben bef&#228;higten Arztes. Die Approbationsordnung vom 28.10.1970 beschreibt keine Ziele, sondern sagt in &#167;2 nur, dass die Hochschule dem Studierenden die Kenntnisse vermitteln muss, die er f&#252;r die Pr&#252;fungen ben&#246;tigt.</Pgraph><Pgraph>Ein Charakteristikum der Medizin als Fach ist die gegenseitige Abh&#228;ngigkeit von wissenschaftlicher Systematik und praktischem Handeln, die sich bedingen und  nicht voneinander getrennt werden k&#246;nnen. Das haben Studienordnungen zu ber&#252;cksichtigen. Ein Weglassen der systematischen Ausbildungsanteile f&#252;hrt in ein Fachschulniveau, ein Weglassen der praktischen Anteile und der Untersuchungstechniken in der Ausbildung f&#252;hrt im weitesten Sinn zur Unf&#228;higkeit des Arztes, mit dem Patienten Kontakt aufzunehmen. Die Approbationsordnungen m&#252;ssen dieser Doppelgleisigkeit gerecht  werden. Bis etwa Mitte der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde die Systematik der Medizin &#8222;konventionell&#8220; in Vorlesungen vermittelt, wobei diese in erster Linie dazu dienten, die Prinzipien und die Krankheitslehren der einzelnen F&#228;cher darzustellen, vor allem aber auch den Umgang mit den Patienten. Die klinische Praxis erhielten die Studierenden zus&#228;tzlich w&#228;hrend ausgedehnter Famulaturen, die ihnen die Gelegenheit gaben, die theoretischen Kenntnisse in der Betreuung von Patienten anzuwenden, wobei das Entscheidende war, dass  Famulaturen von 4-8 Wochen auch erm&#246;glichten, Krankheitsverl&#228;ufe zu beobachten. Durch gute theoretische Kenntnisse als Basis konnten die Studenten aus den Famulaturen erhebliche Erfahrungen ins Studium zur&#252;ck mitnehmen.  Diese Ausbildung war derart, dass nicht wenige Studenten der letzten Semester ohne weiteres einen praktischen Arzt  vertreten konnten.</Pgraph><Pgraph>Das Staatsexamen war in jedem einzelnen Fach abzulegen, auch in den sog. kleinen F&#228;chern, in Innerer Medizin, Chirurgie und Frauenheilkunde  zu separaten Terminen bei jeweils mindestens zwei unabh&#228;ngigen Pr&#252;fern (s. Bestallungsordnung, 1953).  Diese Form der Examina gab den Studenten Gelegenheit am Ende des Studiums  die gesamte Medizin, auch die weniger im eigenen Fokus stehenden F&#228;cher, noch einmal, sozusagen epikritisch, zu &#252;berarbeiten und so mit einer breit angelegten Kenntnis in den Beruf zu starten. </Pgraph><Pgraph>Von wenig sachkundiger Seite wurde seinerzeit bem&#228;ngelt, dass das System zu wenig &#8222;praxisbezogen&#8220; sei. Zun&#228;chst versuchten die Universit&#228;ten mehr Patientenkontakte im Rahmen sog. praktisch-klinischer Unterrichtseinheiten ins Studium zu integrieren.  Mit der Fassung der Approbationsordnung von 1970, welche die jahrzehntelang ge&#252;bte Staatsexamenspr&#252;fung abschaffte und durch eine Kollegialpr&#252;fung  ersetzte, nahm der praktische Unterricht eine zunehmende Bedeutung ein, bis hin zur  jetzigen Approbationsordnung, die den Schwerpunkt der Ausbildung ganz auf die praktischen Kurse am Krankenbett legt und auf eine systematische Wissensvermittlung durch Vorlesungen z. T. ganz verzichtet, diese jedenfalls aus den Pflichtveranstaltungen entfernt. Ein Blick in die Studienordnungen der Medizinischen Fakult&#228;ten in der Bundesrepublik zeigt, dass bei einem Viertel der Fakult&#228;ten keine systematischen Ausbildungsinhalte mehr angeboten werden, sondern der zeitliche und thematische Schwerpunkt im Kleingruppenunterricht am Krankenbett liegt, durchgef&#252;hrt zumeist von Assistenten, und dass lediglich &#8222;begleitende&#8220; oder &#8222; symptombezogene&#8220; Vorlesungen gehalten werden. </Pgraph><Pgraph>Die nur kurzen Patientenkontakte, die ein solches System w&#228;hrend des praktischen Unterrichts nur erlaubt, machen es den Studenten mindestens sehr schwer wenn nicht unm&#246;glich, den Patienten und dessen Probleme wirklich umfassend zu begreifen. Es ist didaktisch wertlos, wenn Studenten in der klinischen Ausbildung einmal pro Woche in der Inneren Medizin einen Patienten f&#252;r 45 Minuten untersuchen k&#246;nnen, noch dazu ohne die entsprechende Untersuchungs- und Anamnesetechnik zu beherrschen; es ist auch ein &#8222;Missbrauch&#8220; der Patienten.  Der Eindruck bleibt im besten Fall &#8222;kasuistisch&#8220;, zumeist aber ohne weitere Konsequenzen, weil die gedankliche Vorbereitung darauf nicht stattgefunden hat. Es ist ein grundlegender Irrtum, wenn man annimmt, dass man einem Medizinstudenten w&#228;hrend der 5 Jahre des Studiums, auf dem jetzt gepflogenen Weg im klinischen Studium irgend etwas Grunds&#228;tzliches beibringen kann, was &#252;ber sein ganzes Berufsleben hinweg praktisch anwendbar und verwertbar sein k&#246;nnte. Das aber ist der Sinn eines akademischen Studiums, die F&#228;higkeit zur kritischen und selbstst&#228;ndigen Beurteilung des Fachs zu vermitteln und in der Lage zu sein, k&#252;nftige Befunde kritisch in den eigenen Wissensbestand zu integrieren. </Pgraph><Pgraph>Selbstverst&#228;ndlich m&#252;ssen die Studierenden praktische Kenntnisse, z.B. in Anamnese- und Untersuchungstechnik vermittelt bekommen, hief&#252;r gibt es erprobte Ausbildungsverfahren, die allerdings derzeit nur selten eingesetzt werden. Viel wichtiger f&#252;r die Entwicklung eines Verst&#228;ndnisses eines Fachs ist aber die Einweisung in die Systematik des Fachs, bzw. der einzelnen medizinischen F&#228;cher. Anders kann auf &#196;nderungen im wissenschaftlichen und praktischen Umfeld, die sich in der Zukunft mit Sicherheit ergeben werden, nicht kritisch reagiert werden. In einer Zeit rasanter Neuentwicklungen in der Medizin und der Erneuerung unseres Wissens in immer k&#252;rzeren Abst&#228;nden kommt es in der Ausbildung vor allem darauf an, ein prinzipielles Verst&#228;ndnis der F&#228;cher der Medizin und ihrer Basis zu vermitteln um gerade eine kritische Anpassungsf&#228;higkeit, und nicht eine durch einfache Werbung getriebene Hinwendung an Neuentwicklungen zu erm&#246;glichen. Viel weniger wichtig ist es, bestimmte praktische Techniken zu erlernen, die sowieso einem st&#228;ndigen Wechsel ausgesetzt und zudem Gegenstand der Weiterbildungsordnung sind. </Pgraph><Pgraph>In einer systematischen klinischen Ausbildung wird das Denkschema und das wissenschaftliche System, in welchem der betreffende Patient zu sehen ist vermittelt, und das klinische Fallproblem in einen gr&#246;&#223;eren Zusammenhang eingeordnet, was beim Kleingruppenunterricht mit wechselndem Lehrpersonal unm&#246;glich ist. Erschwerend kommt beim verordneten Kleingruppenunterricht hinzu, dass die Qualit&#228;t der Lehrenden naturgem&#228;&#223; h&#246;chst unterschiedlich ist, weil viele junge, noch unerfahrene Kollegen die Lehre abhalten, sodass selbst an einer Fakult&#228;t das Ergebnis der Ausbildung sehr unterschiedlich ausfallen kann, in Abh&#228;ngigkeit von der Zuf&#228;lligkeit des Lehrpersonals. Eine Garantie f&#252;r ein gutes Ausbildungsergebnis, fr&#252;her gew&#228;hrleistet durch die Berufungspolitik der Fakult&#228;t, kann diese heute nicht mehr  geben. Schon gar nicht l&#228;sst sich eine nur ann&#228;hernd gleichm&#228;&#223;ige Ausbildung &#252;ber die Bundesrepublik auf diesem Wege erreichen.</Pgraph><Pgraph>Am bedeutsamsten ist aber die Einschr&#228;nkung bzw. der Verlust der Systematik in der Ausbildung. Wenn die wissenschaftlichen Grundlagen der F&#228;cher nicht vermittelt werden, kann in den Studierenden auch kein Interesse f&#252;r die medizinische Wissenschaft  an sich wachsen, was an dem nachlassenden Interesse f&#252;r eine sp&#228;tere wissenschaftliche Besch&#228;ftigung abzulesen ist, und schon jetzt den medizinisch-theoretischen F&#228;chern Nachwuchssorgen bereitet. Die nicht unwesentlichste Konsequenz daraus ist, dass den Studierenden auch die Bedeutung des wissenschaftlichen Denkansatzes f&#252;r das Fach Medizin nicht mehr klar wird und sich das Bewusstsein nicht entwickeln kann, durch eigene wissenschaftliche Arbeit zur Vermehrung der allgemeinen Kenntnisse beizutragen. Die abnehmende Zahl an Doktoranden ist hierf&#252;r ein beunruhigendes Signal, wobei auch die erschwerten Zeithorizonte durch die &#196;AppO zu ber&#252;cksichtigen sind. Hier ergeben sich erhebliche Konsequenzen f&#252;r die Zukunft der Medizin, aber auch f&#252;r den Wissenschaftsstandort Deutschland insgesamt. </Pgraph><Pgraph>Interesse f&#252;r Wissenschaft entsteht nur in einem wissenschaftsbezogenen Studium, dort wo auf die Bedeutung von Wissenschaft f&#252;r die Realisierung t&#228;glicher Probleme hingewiesen wird und offene Fragen des Gebietes dargestellt werden k&#246;nnen, sodass sich beim Lernenden eigene Fragen bilden k&#246;nnen und das Interesse f&#252;r deren L&#246;sungen erwacht. Wenn ein Fach nur noch in fraktionierten Einzelerfahrungen erlebt werden kann, die sich dank ggf. vorhandener Leitlinien auch ohne eine Beachtung von fachspezifischen, wissenschaftlichen Prinzipien bearbeiten lassen, erlahmt die f&#252;r die Wissenschaft notwendige Neugier, weil der Eindruck einer vollst&#228;ndig gel&#246;sten Problematik entsteht. Vor allem aber leidet die Sicherheit f&#252;r die Patienten, weil diese nur noch als Schema-Fall begriffen werden k&#246;nnen, und eine Abweichung vom Schema vom Studierenden, aber auch sp&#228;ter vom Arzt, nicht erkannt werden kann, da die Grundlageprinzipien nicht gewusst werden. Da die Einsicht in die Grunds&#228;tze der Medizin fehlt, wird eine ggf. vorhandene Unsicherheit nicht erkannt, und differentialdiagnostische oder differentialtherapeutische &#220;berlegungen unterbleiben, weil die Ausbildung sich nur auf einige Symptomenkomplexe bezog. F&#252;r die sog. Lotsenfunktion von Allgemein&#228;rzten, bzw. f&#252;r deren Patienten w&#228;re diese Situation delet&#228;r. </Pgraph><Pgraph>Die medizinische Ausbildung ist an vielen Stellen in der Bundesrepublik Deutschland in diese &#8222; Praxisfalle&#8220; geraten. Keinem w&#252;rde einfallen einem Physiker nur beizubringen, Werte von einem Voltmeter abzulesen ohne zu wissen oder zu begreifen, welche physikalischen Prozesse sich hinter diesem Vorgang verbergen. Das ist aber das Ergebnis der an sog. &#8222;praktischen&#8220; Gesichtspunkten ausgerichteten Ausbildungsordnung. Es ist eine &#8222;kasuistische&#8220;, keine wissenschaftsbezogene, mithin eine Fachschul- Ausbildung. Dass ein derartiges System nur wenig Positives zu leisten imstande ist, ist aus dem Ausbildungssystem der ehemaligen Sowjetunion zur Gen&#252;ge bekannt. Die ehemalige DDR hat ein solches System nie akzeptiert. Diese &#8222;Entakademisierung&#8220; der Ausbildung zum Arzt ist deswegen ein sehr problematischer Weg, weil die  Schulung zur  Kritikf&#228;higkeit unterbunden wird, die eines der wichtigsten Merkmale eines verantwortungsvollen Umganges mit den Patienten und der medizinischen Wissenschaft ganz allgemein ist.</Pgraph><Pgraph>Auf dem Hintergrund der nicht zuletzt durch den Sachverst&#228;ndigenrat gef&#246;rderten Diskussion um eine Neuverteilung der Aufgaben im Gesundheitswesen ist ein Verlust der Wissenschaftlichkeit des Medizinstudium und seiner Hinwendung zu mehr &#8222;Praxisn&#228;he&#8220; aus weiteren Gr&#252;nden nachhaltig zu hinterfragen <TextLink reference="1"></TextLink>. Wenn sich die &#8222;Akademisierung&#8220; der Ausbildung der &#228;rztlichen Hilfsberufe weiter fortsetzt, wird eine m&#246;gliche Angleichung der Ausbildungsg&#228;nge die Situation schaffen, dass  durch die &#8222;Entakademisierung&#8220; der Ausbildung zum Arzt, Medizin als Wissenschaft in der regul&#228;ren Ausbildung der Studierenden nicht mehr vorkommt. Dann werden ggf. nur noch Naturwissenschaftler den wissenschaftlichen Part in der Medizin &#252;bernehmen k&#246;nnen, die &#196;rzte aber nur einen Part im allgemeinen Pflegespektrum. Ein Fachschulniveau kann im Interesse der Patienten aber nicht gew&#252;nscht sein, weil die Kritikf&#228;higkeit des Arztes eines der wichtigsten Merkmale eines verantwortungsvollen Umgangs mit den Patienten und die Hauptgarantie f&#252;r deren Sicherheit ist, und diese wird nur in einem wissenschaftsorientierten Studium vermittelt. Ebenso wie die Rechtspflege nicht in die Hand von Rechtsberatern, sondern in die von Juristen geh&#246;rt, geh&#246;rt die Betreuung und Behandlung von Patienten in die Hand eines wissenschaftlich ausgebildeten Arztes. Die Universit&#228;ten bzw. Fakult&#228;ten sollten sich im eigenen Interesse intensiv mit diesen Problemen besch&#228;ftigen, um das Abgleiten der Ausbildung zum Arzt in ein zweitrangiges Niveau zu vermeiden.</Pgraph><Pgraph>Ein erhebliches Problem der gegenw&#228;rtigen Approbationsordnung ist, ebenso wie bei der vorherigen, die Art der Staatsexamenpr&#252;fungen. Durch die Organisation der Kollegialpr&#252;fung wissen die Kandidaten bereits vor der Pr&#252;fung, in welchen F&#228;chern sie gepr&#252;ft werden. Alles andere wird dann ausgeklammert, was bewirkt, dass Medizin nur noch segmental beherrscht wird. Daran kann auch der schriftliche Teil der Pr&#252;fung, ggf. mit Fallbeispielen nichts &#228;ndern, die notgedrungen statischen Charakter haben und dem dynamischen Anspruch der medizinischen Wissenschaft nicht gerecht werden k&#246;nnen. In der DDR ist bis zur Wende das Examen in Einzelpr&#252;fungen in den F&#228;chern der Medizin durchgef&#252;hrt worden, in der wohl&#252;berlegten Auffassung, damit eine bessere Wissenskontrolle zu erm&#246;glichen. </Pgraph><Pgraph>Die Einf&#252;hrung von neuen Studieng&#228;ngen oder Modellstudieng&#228;ngen an einzelnen Universit&#228;ten ist zudem problematisch, da &#252;ber ihren &#8222;Wert&#8220; keine Aussage gemacht werden kann, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit. Berechnungen, wie sie zur leistungsorientierten Mittelvergabe in der Lehre angegeben werden <TextLink reference="2"></TextLink>, sind daf&#252;r ebenso  ungeeignet wie eventuell daf&#252;r heranzuziehende Staatsexamensergebnisse. Sie eignen sich deswegen nicht f&#252;r eine Beurteilung der Qualit&#228;t der Ausbildung, weil das Studium eines wissenschaftlichen Faches sein Ziel nicht im Examen hat, sondern in der F&#228;higkeit im Fach sp&#228;ter entsprechende Leistungen zu erbringen. Das bedeutet, dass nur das Resultat der Berufst&#228;tigkeit derjenigen, die in einem &#8222;Reformstudiengang&#8220; oder in jedem anderen Studiengang ausgebildet worden sind, geeignet sein k&#246;nnte, den Wert dieses Ausbildungssystems zu erkennen. Da es Jahrzehnte f&#252;r diese Erkenntnisse br&#228;uchte und diese wahrscheinlich nie gehoben werden d&#252;rften, ergibt sich die Situation, dass diejenigen, die in neue Studieng&#228;nge eingeschlossen werden, sozusagen ohne Netz unter dem Seil ihr Studium absolvieren. Das ist eine im Grunde unverantwortliche Situation, auch den zuk&#252;nftigen Patienten gegen&#252;ber, insbesondere deswegen, weil es sich beim Studium der Medizin nicht um ein neues Fach handelt. Im Gegenteil, Medizin ist an den europ&#228;ischen Universit&#228;ten seit Jahrhunderten  gelehrt worden. Es zeugt von einer gewissen administrativen Arroganz, diese Erfahrungen komplett zu ignorieren und Ausbildungsordnungen zu verordnen, deren &#8222;Wert&#8220; nicht beurteilt werden kann und deren Resultate erst nach Jahrzehnten offen liegen werden.</Pgraph><Pgraph>W&#228;hrend mindestens bis Mitte der 70er Jahre die Ausbildungsg&#228;nge in Deutschland ( &#252;brigens einschlie&#223;lich der Situation in der damaligen DDR ) und nat&#252;rlich ebenfalls einschlie&#223;lich &#214;sterreichs und der Schweiz  weitgehend einheitlich waren, hat heute jede Medizinische Fakult&#228;t eigene Ordnungen, die eine generelle Vergleichbarkeit der Ausbildung nicht mehr zulassen. Durch diese Uneinheitlichkeit der Studienordnungen  wird einem Studienplatzwechsel ein fast vollst&#228;ndiger Riegel vorgeschoben. Ein Studienplatzwechsel war in die Struktur der Bestallungsordnung von 1953 noch ausdr&#252;cklich als wichtig eingearbeitet worden. Bedeutsamer ist aber, dass bei der Uneinheitlichkeit der Studienordnungen zu fordern w&#228;re, dass im Titel des Arztes erkennbar sein sollte, wo das Studium absolviert wurde, wie es z.T. auch im Ausland &#252;blich ist, da auch die Examensleistung jetzt nicht mehr ohne weiteres als &#252;berall gleichwertig angesehen werden kann.</Pgraph><Pgraph>Es wird nicht m&#246;glich sein, die &#196;AppO 2002, die noch keinesfalls &#252;berall vollst&#228;ndig umgesetzt ist. sofort und radikal zu &#228;ndern. Die Fakult&#228;ten m&#252;ssen sich aber der Probleme bewusst sein, die sich aus  dem Curriculum ergeben. Sie m&#252;ssen versuchen, m&#246;glichst viel wissenschaftlichen und akademischen Ansatz in ihren Studienordnungen zu retten, um das Abrutschen in ein Fachschulniveau zu vermeiden. Das wird an einigen Fakult&#228;ten auch, ausweislich ihrer Studienordnungen, sehr engagiert gemacht, w&#228;hrend andere mit sog. Reformstudieng&#228;ngen nach Meinung des Autors dieser Zeilen das gew&#252;nschte Ziel weitr&#228;umig verfehlen. Wie sich zeigt, ist es auch in Rahmen des jetzigen Curriculums durchaus m&#246;glich, einen anspruchsvollen Unterricht anzubieten. Einige Fakult&#228;ten, zumal aus den neuen Bundesl&#228;ndern, k&#246;nnen als Beispiel dienen, wie auch unter den Bedingungen einer eigentlich verfehlten Approbationsordnung ein wissenschaftlich ausgerichtetes Studium angelegt werden kann und soll. </Pgraph><Pgraph>Von gleicher Bedeutung f&#252;r die Fortentwicklung des Studiums w&#228;re eine Aufwertung des Staatsexamens. Die jetzige Struktur erlaubt nicht, den Kenntnisstand der Kandidaten einigerma&#223;en objektiv festzustellen, wenn z.B. im Rahmen der Kollegialpr&#252;fung f&#252;r das Fach Innere Medizin nur 15 min pro Kandidat zur Verf&#252;gung stehen. Von den in  &#167; 28 der &#196;AppO genannten Kriterien und Forderungen f&#252;r die Pr&#252;fung sind die meisten in dieser Form vom Examenskandidaten nicht zu leisten, da sie &#228;rztliche Erfahrung voraussetzen, die der Student trotz der sog. praktischen Ausbildung w&#228;hrend des Studiums nicht erworben haben kann. Die in  &#167;28 niedergelegten Pr&#252;fungsinhalte entsprechen zudem nicht einer akademischen Qualifikationspr&#252;fung, sondern sind eher an einem Fachschulniveau orientiert. Wissenschaftlich-akademische Kenntnisse, die den angehenden Arzt bef&#228;higen k&#246;nnten, in einer sich rasant wandelnden Medizinlandschaft kritisch zu &#252;berleben, werden nicht abverlangt.</Pgraph><Pgraph>Die nachfolgenden Vorschl&#228;ge sollen den Blick auf Notwendigkeiten lenken, die sich aus der kritischen Betrachtung bzw. der Durchf&#252;hrung der gegenw&#228;rtigen Approbationsordnung ergeben.</Pgraph><Pgraph><OrderedList><ListItem level="1" levelPosition="1" numString="1.">Es ist unbedingt notwendig, die Relation zwischen  sog.  praktischem und theoretischem Unterricht dergestalt zu ver&#228;ndern, dass eine Unterweisung der Studenten in der Systematik der F&#228;cher der Medizin m&#246;glich wird.  Der praktische Unterricht sollte ausschlie&#223;lich in l&#228;ngeren Zeiteinheiten angeboten werden, wie z.B. in Famulaturen, oder ggf. auch w&#228;hrend des Semesters in entsprechenden Ausbildungsphasen.</ListItem><ListItem level="1" levelPosition="2" numString="2.">Die Staatsexamenspr&#252;fung muss ge&#228;ndert werden. Es m&#252;ssen alle, bzw. die wichtigsten  F&#228;cher der Medizin, im Examen jedes f&#252;r sich abgepr&#252;ft werden, um ein ausreichend breites Wissen am &#220;bergang in den Beruf zu garantieren, wobei Kollegialpr&#252;fungen &#252;berfl&#252;ssig sind. Das Argument mancher Hochschullehrer, dass sie dann zuviel pr&#252;fen m&#252;ssten, ist irrelevant, denn, a. h&#228;tten sie dann keine  Kollegialpr&#252;fungen mehr, die ebenfalls viel Zeit kosten, und  b. ist es ihre Dienstaufgabe als Hochschullehrer  die Studenten, die sie ausgebildet haben, auch zu pr&#252;fen, wobei </ListItem><ListItem level="1" levelPosition="3" numString="3.">durch die Einbeziehung der habilitierten Hochschullehrer  und Ober&#228;rzte in die Pr&#252;fungslast, diese durchaus &#252;berschaubar bleiben d&#252;rfte.</ListItem></OrderedList></Pgraph><Pgraph>Von einem Medizinstudenten im Staatsexamen darf ein Facharztwissen nicht verlangt werden, aber die Denkweisen des Faches Medizin, bzw. seiner Spezialit&#228;ten, muss ein Examenskandidat  verstanden haben. Wegen der v&#246;llig unzureichenden Pr&#252;fungsqualit&#228;t im Staatsexamen wird das heute nicht mehr durchgehend erreicht.</Pgraph><Pgraph>Diese Vorschl&#228;ge enthalten keine grunds&#228;tzlich neuen Vorgehensweisen, sondern orientieren sich an den gegenw&#228;rtigen Verh&#228;ltnissen, die von niemandem als erfreulich angesehen werden k&#246;nnen. Sie versuchen, durch geringe &#196;nderungen, die im bestehenden System realisiert werden k&#246;nnten, zu erreichen, dass die Ausbildung der Medizinstudenten wieder in einen Zustand versetzt wird, in der sie die Studierenden instand setzt, zuk&#252;nftige Herausforderungen der Medizin mit wissenschaftlichem Hintergrund zu bew&#228;ltigen.</Pgraph><Pgraph>Die derzeitige Ausbildungs- und Pr&#252;fungssituation ist f&#252;r ein akademisches Studium nicht mehr ad&#228;quat. Sie w&#228;re auch, und das sei abschlie&#223;end noch angef&#252;gt,  nicht geeignet, in ein wie immer zu ordnendes Bachelor- und Mastersystem zu passen, wenn das Ziel eine wissenschaftliche Ausbildung in Medizin sein soll. Eine Ausbildung zum Arzt, die den wissenschaftlichen Anspr&#252;chen der Medizin nicht gen&#252;gt ist, das sei nochmals gesagt, f&#252;r die Patienten ein nicht zu untersch&#228;tzendes Sicherheitsrisiko. Es ist dringend geboten, dass sich die entsprechend Verantwortlichen mit der Ausbildungsordnung f&#252;r Medizin unter Zukunftsaspekten besch&#228;ftigen.</Pgraph></TextBlock>
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        <RefJournal>GMS Z Med Ausbild</RefJournal>
        <RefArticleNo>Doc109</RefArticleNo>
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