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    <IdentifierUrn>urn:nbn:de:0183-mibe0003021</IdentifierUrn>
    <ArticleType>Kurzbeitrag</ArticleType>
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      <Title language="de">Der Tod in Venedig: Epidemiologie in Prosa</Title>
      <TitleTranslated language="en">Death in Venice: Epidemiology in prose</TitleTranslated>
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          <LastnameHeading>Gianicolo</LastnameHeading>
          <Firstname>Emilio</Firstname>
          <Initials>E</Initials>
          <AcademicTitle>Dr.</AcademicTitle>
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        <Address>Universit&#228;tsmedizin Mainz, Institut f&#252;r Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik, 55101 Mainz, Deutschland<Affiliation>Institut f&#252;r Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universit&#228;tsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universit&#228;t Mainz, Abteilung Epidemiologie und Versorgungsforschung, Mainz, Deutschland</Affiliation></Address>
        <Email>emilio.gianicolo&#64;uni-mainz.de</Email>
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          <Corporatename>German Medical Science GMS Publishing House</Corporatename>
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        <Address>D&#252;sseldorf</Address>
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      <DatePublished>20260218</DatePublished>
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      <AltText language="en">This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 License.</AltText>
      <AltText language="de">Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung).</AltText>
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        <ISSN>1860-9171</ISSN>
        <Volume>22</Volume>
        <JournalTitle>GMS Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie</JournalTitle>
        <JournalTitleAbbr>GMS Med Inform Biom Epidemiol</JournalTitleAbbr>
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    <TextBlock name="Der Tod in Venedig: Epidemiologie in Prosa" linked="yes">
      <MainHeadline>Der Tod in Venedig: Epidemiologie in Prosa</MainHeadline><Pgraph>Thomas Manns Novelle &#8222;Der Tod in Venedig&#8220; stellt eine Quelle der Inspiration f&#252;r alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und insbesondere Epidemiologen und Epidemiologinnen dar.</Pgraph><Pgraph>Nein, es geht hier nicht um das Hauptthema der Novelle, die homoerotische Liebe eines alternden und kr&#228;nkelnden Schriftstellers in einer Lebenskrise f&#252;r einen Knaben. Eine Liebe f&#252;r den Entbehrten <Mark2>Tadzio</Mark2>, die sowohl Thomas Mann als auch Luchino Visconti in zwei Meisterwerken des 20. Jahrhunderts gemalt haben. </Pgraph><Pgraph>Es geht auch nicht um die <Mark2>K&#252;nstlerfurcht</Mark2> des Schriftstellers, <Mark2>nicht fertig zu werden, diese Besorgnis, die Uhr m&#246;chte abgelaufen sein, bevor er das Seine getan und v&#246;llig sich selbst gegeben &#91;, nicht mehr als blo&#223;e Grille von der Hand zu weisen war, hatte sein &#228;u&#223;eres Dasein sich fast ausschlie&#223;lich auf die sch&#246;ne Stadt, die ihm zur Heimat geworden, und auf den rauhen Landsitz beschr&#228;nkt, den er sich im Gebirge errichtet und wo er die regnerischen Sommer verbrachte.&#93;</Mark2> (<TextLink reference="1"></TextLink>, S. 11), die auch eine Furcht von Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sein k&#246;nnte.</Pgraph><Pgraph>Hier geht es um den Tod in Venedig, die Cholera, und die Glaubw&#252;rdigkeit der historischen Angaben, die in der Novelle Thomas Manns erw&#228;hnt werden. Es geht also um das Was, das Wann, das Wie viel und das Wo <TextLink reference="2"></TextLink>. </Pgraph><Pgraph><Mark1>Was.</Mark1> In der Novelle befasst sich Thomas Mann mit der Reise Gustav von Aschenbachs nach Venedig und die Verbreitung der Cholera in der Stadt. F&#252;r Epidemiologinnen und Epidemiologen ist die Untersuchung der Cholera ein Meilenstein, da darauf eine ganze Disziplin gebaut wurde. John Snow, der als An&#228;sthesist arbeitete, erbrachte durch epidemiologische Untersuchungen den Nachweis, dass die Ausbreitung der Cholera nicht auf Miasmen, d. h. auf schlechte Luftqualit&#228;t zur&#252;ckzuf&#252;hren war, wie viele seiner Zeitgenossen damals dachten, sondern auf die Qualit&#228;t des Trinkwassers <TextLink reference="3"></TextLink>.</Pgraph><Pgraph><Mark1>Wann.</Mark1> Thomas Mann lie&#223; sich zur Novelle durch eine Reise mit seiner Frau Katja an die Schaupl&#228;tze des Textes im Mai 1911 inspirieren und begann sie zu verfassen. Ende Mai 1911 berichteten (nur) deutschsprachige Zeitungen &#252;ber einen &#214;sterreicher, der an Cholera nach einer Reise in die Lagunenstadt, gestorben war <TextLink reference="4"></TextLink>, <TextLink reference="5"></TextLink>. Historiker bestimmten, dass die italienische Regierung unter Giovanni Giolitti, wie ein moderner Bolsonaro oder Trumps Regierung bei der COVID-19-Pandemie, das Problem unter den Teppich kehrte, um wirtschaftliche Folgen zu vermeiden. Dagegen konnten die Societ&#224; Veneta di Medicina (Deutsch: Medizinische Gesellschaft Venetos) und deren Vertreter, Professor Davide Giordano nichts ausrichten. Durch die Arbeit des Historikers Frank Snow(den) (nomen est omen) wissen wir, dass die Societ&#224; Veneta di Medicina, um die Bev&#246;lkerung &#252;ber die Verbreitung der Cholera und die pr&#228;ventiven Ma&#223;nahmen zu informieren, eine Brosch&#252;re schrieb, um diese unter der Bev&#246;lkerung zu verteilen. Eine solche edle Initiative wurde jedoch von der Prefettura (deutsch: Pr&#228;fektur) energisch unterbunden und kostete Professor Giordano sein Amt <TextLink reference="5"></TextLink>, <TextLink reference="6"></TextLink>. Er trat zur&#252;ck. </Pgraph><Pgraph><Mark1>Wie viel.</Mark1> Bei Thomas Manns ist zu lesen: <Mark2>&#8222;Die Zahl der Erkrankungs-, der Todesf&#228;lle sollte sich auf zwanzig, auf vierzig, ja hundert und mehr belaufen &#91;, und gleich darauf wurde jedes Auftreten der Seuche wenn nicht rundweg in Abrede gestellt, so doch auf v&#246;llig vereinzelte, von au&#223;en eingeschleppte F&#228;lle zur&#252;ckgef&#252;hrt. Warnende Bedenken, Proteste gegen das gef&#228;hrliche Spiel der welschen Beh&#246;rden waren eingestreut. Gewissheit war nicht zu erlangen.&#93;&#8220;</Mark2> (<TextLink reference="1"></TextLink>, S. 67).</Pgraph><Pgraph>Professor Giordano referierte in einem umfassenden Bericht &#252;ber die F&#228;lle, die in Venedig vom 22. Mai bis 2.11.1911 auftraten. Es gab 778 F&#228;lle von Cholera, 605 davon wurden bakteriologisch best&#228;tigt. 262 davon endeten t&#246;dlich <TextLink reference="6"></TextLink>, <TextLink reference="7"></TextLink>.</Pgraph><Pgraph><Mark1>Wo.</Mark1> Obwohl auch andere italienische St&#228;dte, wie z.B. Neapel und Palermo, gleichzeitig genauso stark, wenn nicht sogar schwerer von der <Mark2>Seuche</Mark2> betroffen waren, war die Stadt Venedig, mit der ber&#252;hmten Maske &#8222;Il medico della peste&#8220; <TextLink reference="8"></TextLink>, der ideale Schauplatz f&#252;r die Novelle. Es bleibt unklar, worauf sich die Zahlen, die in der Novelle von Thomas Mann und in dem Bericht von Professor Giordano aufgef&#252;hrt werden, beziehen. Ob, z.B. in dem Bericht von Professor Giordano nur Einwohner Venedigs ber&#252;cksichtigt wurden oder auch Touristen, wie der fiktive Schriftsteller von Aschenbach, der zur Erholung in die Stadt kam und dann Liebe und den Tod zugleich in Venedig fand, ist nicht bekannt.</Pgraph><Pgraph>Aus epidemiologischer Sicht bleiben noch weitere Fragestellungen, die nicht beantwortet wurden. Es w&#228;re z.B. m&#246;glich mit aktuellen epidemiologischen Studiendesigns und statistischen Verfahren zu untersuchen, wie viele Todesf&#228;lle die Prefettura der Landstadt h&#228;tte vermeiden k&#246;nnen, in einem kontrafaktischen und idealen Gegenszenario, bei dem die Empfehlungen der Societ&#224; Veneta di Medicina befolgt und unterst&#252;tzt und nicht behindert worden w&#228;ren. Noch mehr m&#246;ge dieser Beitrag Epidemiologinnen und Epidemiologen anregen, andere literarische Meisterwerke in den Kontext epidemiologischer und medizinhistorischer Fakten zu stellen.</Pgraph></TextBlock>
    <TextBlock name="Anmerkungen" linked="yes">
      <MainHeadline>Anmerkungen</MainHeadline><SubHeadline>Danksagungen</SubHeadline><Pgraph>Ich bedanke mich bei Frau Silke Hennemann und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Literaturkurses der Volkshochschule Mainz f&#252;r die inspirierenden Gespr&#228;che. Ich danke zudem Herrn G&#252;nter Schenk, Experte f&#252;r das Thema Fastnacht und Karneval in Europa, f&#252;r die B&#252;cher zum Karneval in Venedig sowie f&#252;r die Hinweise zur Herkunft der Maske &#8222;Il Medico della peste&#8220;. Schlie&#223;lich bedanke ich mich bei der unbekannten Begutachterin f&#252;r die Anregungen und Literaturhinweise. </Pgraph><SubHeadline>Interessenkonflikte</SubHeadline><Pgraph>Der Autor erkl&#228;rt, dass er keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel hat.</Pgraph></TextBlock>
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