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    <Identifier>mbi000336</Identifier>
    <IdentifierDoi>10.3205/mbi000336</IdentifierDoi>
    <IdentifierUrn>urn:nbn:de:0183-mbi0003368</IdentifierUrn>
    <ArticleType>Fachbeitrag</ArticleType>
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      <Title language="de">Analyse zur&#252;ckgezogener Publikationen in der bibliografischen Datenbank Web of Science von 2004 bis 2014</Title>
      <TitleTranslated language="en">Analysis of retracted publications in the bibliographic database Web of Science between 2004 and 2014</TitleTranslated>
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      <Creator>
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          <Lastname>Dollfu&#223;</Lastname>
          <LastnameHeading>Dollfu&#223;</LastnameHeading>
          <Firstname>Helmut</Firstname>
          <Initials>H</Initials>
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        <Address>Universit&#228;tsbibliothek der Medizinischen Universit&#228;t Wien, W&#228;hringer G&#252;rtel 18&#8211;20, 1090 Wien, &#214;sterreich<Affiliation>Universit&#228;tsbibliothek der Medizinischen Universit&#228;t Wien, &#214;sterreich</Affiliation></Address>
        <Email>helmut.dollfuss&#64;meduniwien.ac.at</Email>
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          <Corporatename>German Medical Science GMS Publishing House</Corporatename>
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        <Address>D&#252;sseldorf</Address>
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    <SubjectGroup>
      <SubjectheadingDDB>610</SubjectheadingDDB>
      <Keyword language="en">retraction of papers</Keyword>
      <Keyword language="en">Web of Science</Keyword>
      <Keyword language="en">scientific misconduct</Keyword>
      <Keyword language="en">academic publishing</Keyword>
      <Keyword language="de">R&#252;cknahme von Forschungsliteratur</Keyword>
      <Keyword language="de">Web of Science</Keyword>
      <Keyword language="de">wissenschaftliches Fehlverhalten</Keyword>
      <Keyword language="de">wissenschaftliches Publikationswesen</Keyword>
      <SectionHeading language="de">Plagiate und Plagiatsvermeidung</SectionHeading>
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    <DatePublished>20150812</DatePublished></DatePublishedList>
    <Language>germ</Language>
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      <AltText language="en">This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 License.</AltText>
      <AltText language="de">Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung).</AltText>
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    <SourceGroup>
      <Journal>
        <ISSN>1865-066X</ISSN>
        <Volume>15</Volume>
        <Issue>1-2</Issue>
        <JournalTitle>GMS Medizin - Bibliothek - Information</JournalTitle>
        <JournalTitleAbbr>GMS Med Bibl Inf</JournalTitleAbbr>
        <IssueTitle>Plagiate und Plagiatsvermeidung</IssueTitle>
      </Journal>
    </SourceGroup>
    <ArticleNo>09</ArticleNo>
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  <OrigData>
    <Abstract language="de" linked="yes"><Pgraph>In der vorliegenden Arbeit wurden im Zeitraum 2004 bis 2014 zur&#252;ckgezogene Publikationen, die in der bibliografischen Datenbank Web of Science (WoS) erfasst sind, analysiert. Nur Daten aus dem Science Citation Index (SCI) fanden Ber&#252;cksichtigung, da die Anzahl der betroffenen Artikel im Social Sciences Citation Index (SSCI) und im <TextGroup><PlainText>Arts&#38;Humanities</PlainText></TextGroup> Citation Index (A&#38;HCI) sehr niedrig ist. Die aufgefundenen 2.590 Eintr&#228;ge aus den SCI wurden mit dem Analysemodul der Datenbank WoS nach dem Publikationsjahr, Fachbereich, Journal und Land aufgeschl&#252;sselt. Weiters wurde untersucht, wie viele Jahre durchschnittlich vergehen zwischen Ver&#246;ffentlichung und Zur&#252;cknahme eines Papers und wie h&#228;ufig &#228;ltere Artikel davon betroffen sind. Der Trend zur Steigerung bei R&#252;cknahmen von Ver&#246;ffentlichungen war im Untersuchungszeitraum deutlich zu erkennen und betrifft seit etwa 2009 auch zunehmend &#228;ltere Literatur.</Pgraph></Abstract>
    <Abstract language="en" linked="yes"><Pgraph>This paper analyses literature indexed in the Web of Science (WoS) and retracted between 2004 and 2014. Number of retractions was low for Social Sciences Citation Index (SSCI) and Arts&#38;Humanities Citation Index (A&#38;HCI) so only data from the Science Citation Index (SCI) were considered for further investigations. A total of 2,590 retractions were found in the SCI. The WoS&#8217; in-built analyse tool was used to sort these records by year, research field, journal title and country. Furthermore the mean time between publication date and retraction was calculated. The results show a distinct increase of retractions over the years with a growing proportion of older publications since 2009.</Pgraph></Abstract>
    <TextBlock linked="yes" name="Einleitung">
      <MainHeadline>Einleitung</MainHeadline><Pgraph>Plagiatsf&#228;lle bei Dissertationen prominenter Politikerinnen und Politiker sorgten in den letzten Jahren f&#252;r medienwirksame Schlagzeilen und f&#252;hrten zur Zur&#252;cknahme einiger akademischer Titel. Weniger bekannt sind die &#228;hnlich gelagerten F&#228;lle aus der Welt der Wissenschaft, die neben den pers&#246;nlichen Konsequenzen auch die allseits unangenehme Zur&#252;cknahme von bereits publizierten Forschungsartikeln nach sich zieht <TextLink reference="1"></TextLink>. Aber nicht nur wissenschaftliches Fehlverhalten begr&#252;ndet diese Korrekturen. Zahlenm&#228;&#223;ig deutlich st&#228;rker fallen die Zur&#252;cknahmen auf Grund experimenteller und unbeabsichtigter Fehler aus <TextLink reference="2"></TextLink>. Waren diese Berichtigungen im Printzeitalter eher eine Seltenheit, so scheint es in der Zeit der Online-Ver&#246;ffentlichung einen Wandel in der wissenschaftlichen Publikationskultur zu geben. F&#252;hrende Fachjournale berichten laufend &#252;ber sogenannte &#8222;Retractions&#8220; durch F&#228;lschungen und Fehler, und Institutionen, wie zum Beispiel &#8222;Retraction Watch&#8220; <TextLink reference="1"></TextLink>, sorgen f&#252;r Aufmerksamkeit und &#246;ffentlichen Druck. Diese Entwicklung muss sich auch in den bibliografischen Datenbanken spiegeln, in denen ja Forschungsliteratur erfasst und indexiert wird. Im Web of Science (WoS) hat man dazu einen eigenen Dokumententyp namens &#8222;Correction&#8220; festgelegt. Das sind Meldungen &#252;ber die R&#252;cknahme einer Ver&#246;ffentlichung, erg&#228;nzt mit dem Hinweis auf den originalen Artikel in Form einer Quellenangabe. Das WoS beinhaltet mehrere bibliografische Datenbanken. F&#252;r die folgenden Untersuchungen wurden anf&#228;nglich der SCI, der SSCI und der A&#38;HCI nach &#8222;Corrections&#8220; durchsucht. Die weitere Analyse beschr&#228;nkte sich dann aber auf die Ergebnisse aus dem SCI f&#252;r die Jahre 2004 bis 2014. Die Trefferliste soll nach dem Jahr der Zur&#252;cknahme, nach Fachgebiet, Journal und Land aufgeteilt werden. Weiters soll die Zeit zwischen Publikationsdatum und Zur&#252;cknahme errechnet und analysiert werden. </Pgraph></TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Datenerhebung und Datenanalyse">
      <MainHeadline>Datenerhebung und Datenanalyse</MainHeadline><Pgraph>Die Daten f&#252;r den vorliegenden Artikel stammen aus der Literaturdatenbank &#8222;Web of Science&#8220; (WoS), aus dem SCI der Jahre 2004 bis 2014. Es wurde auch der SSCI und der A&#38;HCI abgefragt, aber aufgrund der sehr geringen Treffermengen wurde die weitere Analyse auf den SCI beschr&#228;nkt. Die Suche nach Literaturhinweisen auf zur&#252;ckgezogene Artikel erfolgte mit der Phrasensuche <TextGroup><PlainText>&#8222;retraction of vol&#8220;</PlainText></TextGroup> im Titelfeld. Mit dieser Standardwortfolge, inklusive Band-, Seiten und Jahresangabe, werden im WoS Literatureintr&#228;ge gekennzeichnet, die einen bereits ver&#246;ffentlichten Artikel zur&#252;ckziehen. Dar&#252;ber hinaus wurde der Dokumententyp auf &#8222;Correction&#8220; eingeschr&#228;nkt, um Artikel auszuschlie&#223;en, die zuf&#228;lliger Weise diese Wortfolge im Titel enthalten, aber keine Zur&#252;cknahme eines Beitrages sind. Mit dieser Suchstrategie enthielt die Treffermenge dann nur noch die ver&#246;ffentlichten Zur&#252;cknahmen von Artikeln, nicht aber die urspr&#252;nglichen, zur&#252;ckgezogenen Beitr&#228;ge. Da f&#252;r fr&#252;here Jahre nur eine wenig relevante Treffermenge erhoben werden konnte, wurde die Suche auf die Jahre 2004 bis 2014 beschr&#228;nkt.</Pgraph><Pgraph>Die so erzielte Treffermenge wurde zum Teil direkt im WoS, mit der Funktion &#8222;Analyze Results&#8220; ausgewertet. Es wurden damit die jeweiligen &#8222;Top10&#8220; der Kategorien Journale, L&#228;nder, und Forschungsgebiete ermittelt. Die gesamte Treffermenge wurde f&#252;r weitere Analysen aus WoS in Excel exportiert. Aus dem oben erw&#228;hnten Standardzusatz im Titelfeld, konnte das Publikationsjahr des zur&#252;ckgezogenen Artikels extrahiert werden, womit sich die Zeitdifferenz zwischen der Publikation und der Zur&#252;cknahme in Jahren errechnen lie&#223;. Diese Datens&#228;tze wurden mit der freien Statistik-Software GNU-PSPP <TextGroup><PlainText>(Version 0.8.4)</PlainText></TextGroup> analysiert und auf Normalverteilung untersucht. Weiters wurde die in Excel importierte Treffermenge nach Jahren aufgeteilt, um Ver&#228;nderungen im Laufe der Zeit ersichtlich zu machen.</Pgraph><Pgraph>Methodenkritik: Leider sind nicht alle Literaturhinweise, die sich auf zur&#252;ckgezogene Artikel beziehen, im WoS zuverl&#228;ssig und korrekt mit der Standardwortfolge &#8222;retraction of vol&#8220; im Titel und mit &#8222;Correction&#8220; als Dokumententyp markiert. Bei erweiterten Recherchen fanden sich auch einige Eintr&#228;ge mit &#228;hnlicher, oder auch mit falscher Schreibweise, die damit aus der Treffermenge fielen und nicht f&#252;r die weitere Analyse verwendet wurden. Auch in der verwendeten Treffermenge gab es noch einige, offensichtlich fehlerbehaftete Eintr&#228;ge, die aber durch genaues Nach-Recherchieren korrigiert werden konnten.</Pgraph></TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Ergebnisse">
      <MainHeadline>Ergebnisse</MainHeadline><Pgraph>Die Ergebnisse der getrennten Abfrage der drei Indizes der Literaturdatenbank WoS mit der beschriebenen Suchstrategie sind in Tabelle 1 <ImgLink imgNo="1" imgType="table"/> dargestellt. Auff&#228;llig ist die relativ geringe Anzahl an zur&#252;ckgezogenen Artikeln in Zeitschriften, die im A&#38;HCI und SSCI indexiert sind, im Vergleich mit dem Abfrageergebnis aus dem SCI. Die weitere Analyse ber&#252;cksichtigt daher nur noch Daten aus dem SCI.</Pgraph><Pgraph>Mit der im WoS eingebauten Funktion &#8222;Analyse Results&#8220; wurde die Treffermenge aus dem SCI in mehrere Richtungen hin aufgeschl&#252;sselt. Tabelle 2 <ImgLink imgNo="2" imgType="table"/> zeigt die Anzahl der zur&#252;ckgezogenen Artikel (Records) &#252;ber die Jahre des Untersuchungszeitraumes und die jeweils 10 meistgenannten der Kategorien Fachgebiet, Zeitschriften und L&#228;nder.</Pgraph><Pgraph>Das Suchergebnis aus dem SCI wurde von WoS in MS-Excel importiert und so aufbereitet, dass sich die Jahre zwischen Ver&#246;ffentlichung und Zur&#252;cknahme des Artikels errechnen lie&#223;en. Die so gewonnenen Datens&#228;tze wurden mit der freien Statistik-Software GNU-PSPP (Version 0.8.4) analysiert und das Ergebnis wieder zur&#252;ck in Excel importiert. Tabelle 3 <ImgLink imgNo="3" imgType="table"/> zeigt die Anzahl der F&#228;lle zur&#252;ckgezogener Artikel, aufgeteilt nach der Anzahl von Jahren zwischen Publikation und Zur&#252;cknahme, sowie den kumulierten Prozentanteil an der Gesamttreffermenge von 2.590 Records aus dem SCI.</Pgraph><Pgraph>Die grafische Umsetzung der Tabelle 3 <ImgLink imgNo="3" imgType="table"/> sieht man in der Abbildung 1 <ImgLink imgNo="1" imgType="figure"/>. Die Grafik zeigt einen starken Anstieg der zur&#252;ckgezogenen Artikel bis zum 1. Jahr und danach eine rasche Abnahme mit einem flachen Auslauf nach etwa 2 Jahrzehnten. Die Kurve folgt nicht einer Normalverteilung sondern zeigt eine linkssteile Verteilung, das Maximum ist also stark nach links verschoben. Entsprechend verl&#228;uft auch die Kurve f&#252;r den kumulierten Prozentanteil anfangs steil und dann nur mehr flach und wenig ansteigend.</Pgraph><Pgraph>Um Ver&#228;nderungen &#252;ber den Untersuchungszeitraum 2004 bis 2014 sehen zu k&#246;nnen, wurde die Zeitdauer zwischen der Publikation und der R&#252;cknahme der Artikel in die einzelnen Jahre der Zur&#252;cknahme aufgeteilt. Da diese Zeitdifferenz keiner Normalverteilung folgt (<TextGroup><PlainText>Abbildung 1 </PlainText></TextGroup><ImgLink imgNo="1" imgType="figure"/>), wurden f&#252;r die Analyse nur der Median ermittelt, sowie die minimale und maximale Zeitdauer in ganzen Jahren. Tabelle 4 <ImgLink imgNo="4" imgType="table"/> zeigt die Daten im &#220;berblick f&#252;r die einzelnen Jahre, in denen die betroffenen Artikel zur&#252;ckgenommen wurden, und die Werte f&#252;r den gesamten Untersuchungszeitraum. Der Median der Zeitdifferenz zwischen Ver&#246;ffentlichung und Zur&#252;cknahme steigt &#252;ber die Jahre leicht an, sowie die Anzahl von Publikationen, die erst nach 10 oder mehr Jahren zur&#252;ckgenommen wurden. Der Artikel mit der gr&#246;&#223;ten Zeitdifferenz von <TextGroup><PlainText>35 Jahren</PlainText></TextGroup> wurde 2009 zur&#252;ckgezogen und stammt aus dem Jahre 1974.</Pgraph></TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Diskussion">
      <MainHeadline>Diskussion</MainHeadline><Pgraph>Die Mengen der zur&#252;ckgezogenen Artikel (Tabelle 1 <ImgLink imgNo="1" imgType="table"/>) in Zeitschriften, die im SSCI (194 Records) und A&#38;HCI (<TextGroup><PlainText>11 Records</PlainText></TextGroup>) indexiert sind, sind relativ gering bis verschwindend gering, im Vergleich mit der gefundenen Anzahl zur&#252;ckgenommener Artikel im SCI (2590 Records). Letzterer enth&#228;lt f&#252;r den Untersuchungszeitraum aber auch eine sehr viel gr&#246;&#223;ere Zahl an Artikeln insgesamt. Ber&#252;cksichtigt man das unterschiedliche Publikationsvolumen, so verringert sich dadurch der scheinbar so gro&#223;e Abstand zwischen SSCI (0,00807&#37; Retractions) und SCI (0,01603&#37; Retractions) auf nur noch rund die H&#228;lfte. Weit abgeschlagen in diesem Feld aber immer noch der A&#38;HCI, in absoluten Zahlen und Prozenten. Aufgrund der geringen Treffermengen an zur&#252;ckgezogenen Artikeln in A&#38;HCI und SSCI wurde f&#252;r die weitere statistische Auswertung nur das Ergebnis aus des Abfrage des SCI herangezogen.</Pgraph><Pgraph>Die wohl auff&#228;lligste Steigerung f&#252;r den Untersuchungszeitraum 2004 bis 2014 im SCI betrifft die Zahl der zur&#252;ckgezogenen Artikel (Tabelle 2 <ImgLink imgNo="2" imgType="table"/> und Tabelle 4 <ImgLink imgNo="4" imgType="table"/>). Von anf&#228;nglich 52 Treffern stetig bergauf bis 2010, und mit einigem auf und ab zu den 316 Treffern aus 2014. Das deckt sich sehr gut mit Untersuchungsergebnissen von Wager&#38;Williams (<TextLink reference="2"></TextLink>, Fig. 1) f&#252;r Medline f&#252;r die Jahre 1988 bis 2008, Lu et al. (<TextLink reference="3"></TextLink>, Fig. 1c) f&#252;r das WoS f&#252;r die Jahre 2000 bis 2011 und Fang et al. (<TextLink reference="4"></TextLink>, Fig. 1A) f&#252;r PubMed bis Mai 2012. Alle Publikationen weisen auf einen markanten Anstieg dieser sogenannten &#8222;Retractions&#8220; hin, speziell seit dem Beginn des neuen Jahrtausends. Unbeabsichtigte Fehler und vors&#228;tzliche T&#228;uschung sind aber keine Erfindungen des 21. Jahrhunderts in der Wissenschaft. Vielmehr weist diese vermehrte Zur&#252;cknahme von Artikeln auf einen neuen Trend hin, der sich bei Autoren und Editoren langsam durchsetzt. Das k&#246;nnte ein Zug zu verst&#228;rkter Ehrlichkeit sein, wie eine positive Stimme vermerkte <TextLink reference="5"></TextLink>. Oder ist es doch ein Spiegel des zunehmenden Zeit-, Geld- und Leistungsdrucks in den Wissenschaften, besonders in der biomedizinischen Grundlagenforschung, wie die Aufschl&#252;sselung nach Fachgebieten in Tabelle 2 <ImgLink imgNo="2" imgType="table"/> zeigt&#63; Biochemie &#38; Molekularbiologie, Zellbiologie und Onkologie f&#252;hren das Feld der zur&#252;ckgenommen Artikeln an. Dazu passt die Beobachtung, dass Journale mit sehr hohem Impact ebenfalls in den vordersten Reihen (Tabelle 2 <ImgLink imgNo="2" imgType="table"/> und <TextLink reference="4"></TextLink>) bei den Retractions zu finden sind. Wager&#38;Williams <TextLink reference="2"></TextLink> machen f&#252;r 28&#37; der zur&#252;ckgezogenen Artikel wissenschaftliches Fehlverhalten verantwortlich und f&#252;r 40&#37; unbeabsichtigte Fehler. Die Zur&#252;cknahme geht zu 21&#37; von Editoren aus und zu 63&#37; von den Autoren. Demnach sind es in erster Linie die Autoren, die zumeist wegen nachtr&#228;glich aufgedeckter, unbeabsichtigter Fehler ihre Publikationen zur&#252;ckziehen. &#8222;De-Publishing&#8220;, &#8222;Correction&#8220; und &#8222;Re-Publication&#8220; sind dazu passende Schlagworte aus der ebenfalls stark anwachsenden Forschungsliteratur, die sich diesem &#252;beraus komplexen Thema der Retractions widmet. Der mehrfach belegte Trend in der Zunahme von Retractions deckt sich aber auch sehr gut mit der Entwicklung im Publikationsmarkt des Bereiches Science-Medicine-Technology (STM). An der medizinischen Bibliothek des Autors gab es seit Beginn der 2000er Jahre einen unumkehrbaren Schwenk zum E-Journal, der dann 2012 zum Ende der gedruckten Zeitschriftenabonnements f&#252;hrte. Die Verlage entwickelten in diesem Zeitraum immer ausgefeiltere und schnellere EDV-Werkzeuge f&#252;r das Einreichen, Begutachten, Ver&#246;ffentlichen und Archivieren der eingeschickten Artikel. Fr&#252;her war es aufw&#228;ndig bis unm&#246;glich einmal gedruckte und &#252;ber die ganze Welt verteilte Fachbeitr&#228;ge zur&#252;ckzuziehen. Kaum jemand nahm Notiz von einem kleinen gedruckten Hinweis auf eine Korrektur, der noch dazu Jahre sp&#228;ter in der Printzeitschrift als lose Beilage erschien. Jetzt ist es relativ einfach, elektronisch publizierte Papers mit dem Stempel &#8222;Retraction&#8220; zu vermerken, da diese ja zentral auf dem Verlagsserver verbleiben und der Verlag somit mehr Kontrolle aus&#252;ben kann. &#220;berdies nehmen wichtige bibliografische Datenbanken diese Information rasch auf und verlinken den zur&#252;ckgezogenen markierten Artikel mit dem Korrekturhinweis des Verlages. Der Trend zu mehr Ehrlichkeit <TextLink reference="5"></TextLink> wird durch diesen technologischen Fortschritt sicherlich unterst&#252;tzt, wenn nicht gar erst erm&#246;glicht. Sind Forschungsdaten, Tabellen, Grafiken und das Paper online einsehbar, so ist es f&#252;r Fachkollegen um ein Vielfaches leichter geworden, nach der Publikation zu &#252;berpr&#252;fen, ob eine Arbeit wissenschaftliches Fehlverhalten oder Irrt&#252;mer enth&#228;lt, die dem Peer-Review entgangen sind. Um diesen wichtigen Bereich der Artikelbegutachtung vor der Ver&#246;ffentlichung zu st&#228;rken, entwickeln Verlage nun weitere EDV-Unterst&#252;tzung und pr&#252;fen eingereichte Arbeiten bereits im Vorfeld auf Plagiarismus und Hoaxes. Springer stellte erst k&#252;rzlich eine erfolgreich eingesetzte Software namens SciDetect vor <TextLink reference="6"></TextLink>, die automatisch erkennen soll, ob das eingereichte Paper &#8222;aus der Feder&#8220; von SCIgen stammt, einem Programm, das unsinnigen, aber wissenschaftlich klingenden Wortsalat erzeugt.</Pgraph><Pgraph>Der Trend zu mehr Ehrlichkeit, unterst&#252;tzt durch technologische L&#246;sungen, mag auch eine Ver&#228;nderung erkl&#228;ren, die in Tabelle 4 <ImgLink imgNo="4" imgType="table"/> zu sehen ist. Die Zeitdifferenz zwischen Publikation und Zur&#252;cknahme der Artikel (RY-PY) liegt f&#252;r den gesamten Untersuchungszeitraum gerechnet bei <TextGroup><PlainText>2 Jahren</PlainText></TextGroup> (Medianwert), zeigt aber eine Erh&#246;hung von ein auf zwei Jahren, wenn man die einzelnen Jahrg&#228;nge getrennt berechnet. Die Zunahme dieses Wertes findet man auch bei Fang et al. (<TextLink reference="4"></TextLink>, Fig. 4A). Dies k&#246;nnte bedeuten, dass es jetzt l&#228;nger dauert als fr&#252;her, bis fehlerhafte oder gef&#228;lschte Artikel entdeckt werden. Das ist aber auf Grund der oben genannten, technologischen Entwicklung gerade nicht der Fall. Vielmehr zeigt Tabelle 4 <ImgLink imgNo="4" imgType="table"/> als Erkl&#228;rung eine deutliche Zunahme der Anzahl von Retractions von &#228;lteren Artikeln, die bereits seit zehn oder mehr Jahren ver&#246;ffentlicht sind (RY-PY&#8805;10 Jahre). Durch Retrodigitalisierung gelangt nun anscheinend auch weiter zur&#252;ckliegende Forschungsliteratur leichter auf den Pr&#252;fstand. Andererseits mussten in letzter Zeit einige Forscher gestehen, schon seit Jahren Forschungsdaten frisiert zu haben, nachdem der Druck durch die mediale Anprangerung zu stark wurde <TextLink reference="1"></TextLink>, sodass auch deren fr&#252;here Publikationen oft obsolet wurden. Der Besen f&#252;r den wissenschaftlichen Kehraus gewinnt also an zeitlicher Breite. Ein Artikel <TextLink reference="7"></TextLink> sticht hier besonders heraus, da er erst nach sage und schreibe 35 Jahren zur&#252;ckgezogen wurde, obwohl man schon fr&#252;her wusste, dass es sich dabei um einen Hoax handelt <TextLink reference="8"></TextLink>.</Pgraph></TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Fazit">
      <MainHeadline>Fazit</MainHeadline><Pgraph>Die Anzahl der zur&#252;ckgezogenen Artikel steigt im Bereich der Naturwissenschaften an und betrifft auch zunehmend &#228;ltere Ver&#246;ffentlichungen. Dieser Trend wurde durch den Schwenk zum E-Journal und die technologischen Weiterentwicklungen im Publikationsbereich STM erm&#246;glicht, bzw. wird dieser durch die mediale Anprangerung von wissenschaftlichem Fehlverhalten auch noch verst&#228;rkt.</Pgraph></TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Anmerkung">
      <MainHeadline>Anmerkung</MainHeadline><SubHeadline>Interessenkonflikte</SubHeadline><Pgraph>Der Autor erkl&#228;rt, dass er keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel hat.</Pgraph></TextBlock>
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      <Tables>
        <Table format="png">
          <MediaNo>1</MediaNo>
          <MediaID>1</MediaID>
          <Caption><Pgraph><Mark1>Tabelle 1: Anzahl und Anteil der zur&#252;ckgezogenen Artikel in den drei Indizes der Datenbank WoS f&#252;r den Recherchezeitraum 2004 bis 2014.</Mark1><LineBreak></LineBreak>A&#38;HCI und SSCI ergaben sehr wenige Treffer gegen&#252;ber dem SCI. F&#252;r die weiteren Analysen wurde daher nur noch das Abfrageergebnis aus dem SCI ber&#252;cksichtigt.</Pgraph></Caption>
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          <MediaNo>2</MediaNo>
          <MediaID>2</MediaID>
          <Caption><Pgraph><Mark1>Tabelle 2: Aufteilung der zur&#252;ckgezogenen Artikel (Records) aus dem SCI auf die Jahre des Untersuchungszeitraumes und auf die jeweils 10 meistgenannten der WoS-Analyse nach Fachgebieten, Zeitschriften und L&#228;ndern.</Mark1> <LineBreak></LineBreak>Die Aufschl&#252;sselung wurde mit der im WoS angebotenen Funktion &#8222;Analyse Results&#8220; vorgenommen.</Pgraph></Caption>
        </Table>
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          <MediaNo>3</MediaNo>
          <MediaID>3</MediaID>
          <Caption><Pgraph><Mark1>Tabelle 3: Anzahl zur&#252;ckgezogener Artikel, aufgeteilt nach der Differenz in Jahren zwischen Publikation und Zur&#252;cknahme, sowie kumulierter, gerundeter Prozentanteil an der Gesamttreffermenge.</Mark1> <LineBreak></LineBreak>Mehr als die H&#228;lfte der Artikel wurde innerhalb von 2 Jahren zur&#252;ckgezogen, ein Artikel aber erst nach 35 Jahren.</Pgraph></Caption>
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          <MediaID>4</MediaID>
          <Caption><Pgraph><Mark1>Tabelle 4: Mediane Zeitdifferenz zwischen Publikation und R&#252;cknahme der Artikel, aufgeteilt auf die jeweiligen Jahre der Zur&#252;cknahme.</Mark1> <LineBreak></LineBreak>F&#252;r den gesamten Untersuchungszeitraum ist die mediane Zeitdifferenz 2 Jahre. &#220;ber die Jahre verteilt, kann man einen Anstieg des Medianwertes von ein auf zwei Jahre beobachten, gleichzeitig steigt auch die Anzahl der Artikel, die erst nach 10 oder mehr Jahren zur&#252;ckgenommen wurden. Der Artikel mit der gr&#246;&#223;ten Zeitdifferenz von 35 Jahren stammt aus dem Jahre 1974 und wurde 2009 zur&#252;ckgezogen. RY&#61; Retraction Year, das Jahr, in dem der Artikel zur&#252;ckgezogen wurde. PY&#61; Publication Year, das Jahr, in dem der Artikel publiziert wurde.</Pgraph></Caption>
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          <Caption><Pgraph><Mark1>Abbildung 1: Anzahl zur&#252;ckgezogener Artikel und kumulierter Prozentanteil an der Gesamttreffermenge, aufgeteilt nach der Anzahl von Jahren, die zwischen Publikation und Zur&#252;cknahme liegen. </Mark1><LineBreak></LineBreak>Beide Kurven weisen auf eine Zur&#252;cknahme eines gro&#223;en Teiles der betroffenen Artikel innerhalb der ersten Jahre hin.</Pgraph></Caption>
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