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<GmsArticle>
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    <Identifier>mbi000126</Identifier>
    <ArticleType>Fachbeitrag</ArticleType>
    <TitleGroup>
      <Title language="de">Bibliothekarischer Service f&#252;r Patienten im Krankenhaus: Patientenbibliotheken im Spannungsfeld von Gesundheitspolitik und Informationsgesellschaft</Title>
      <TitleTranslated language="en">Library Service for hospital patients: Patients&#39; libraries between the conflicting priorities of health care policy and information society</TitleTranslated>
    </TitleGroup>
    <CreatorList>
      <Creator>
        <PersonNames>
          <Lastname>Thiede</Lastname>
          <LastnameHeading>Thiede</LastnameHeading>
          <Firstname>Doreen</Firstname>
          <Initials>D</Initials>
        </PersonNames>
        <Address>(geb. Lutze), Hasselwerderstr. 34, 12439 Berlin<Affiliation>Patientenbibliothek des Christiane-Herzog-Zentrums im Benjamin-Franklin-Klinikum Berlin-Steglitz, Berlin, Deutschland</Affiliation></Address>
        <Email>DoreenLutze&#64;gmx.de</Email>
        <Creatorrole corresponding="yes" presenting="no">author</Creatorrole>
      </Creator>
    </CreatorList>
    <PublisherList>
      <Publisher>
        <Corporation>
          <Corporatename>German Medical Science GMS Publishing House</Corporatename>
        </Corporation>
        <Address>D&#252;sseldorf</Address>
      </Publisher>
    </PublisherList>
    <SubjectGroup>
      <SubjectheadingDDB>610</SubjectheadingDDB>
      <Keyword language="en">patients&#39; library</Keyword>
      <Keyword language="en">hospital library</Keyword>
      <Keyword language="en">health care policy</Keyword>
      <Keyword language="en">communication</Keyword>
      <Keyword language="en">information society</Keyword>
      <Keyword language="en">audio book</Keyword>
      <Keyword language="de">Patientenbibliothek</Keyword>
      <Keyword language="de">Krankenhausbibliothek</Keyword>
      <Keyword language="de">Gesundheitspolitik</Keyword>
      <Keyword language="de">Kommunikation</Keyword>
      <Keyword language="de">Informationsgesellschaft</Keyword>
      <Keyword language="de">H&#246;rbuch</Keyword>
    </SubjectGroup>
    <DatePublishedList>
      <DatePublished>20081218</DatePublished>
    </DatePublishedList>
    <Language>germ</Language>
    <SourceGroup>
      <Journal>
        <ISSN>1865-066X</ISSN>
        <Volume>8</Volume>
        <Issue>3</Issue>
        <JournalTitle>GMS Medizin - Bibliothek - Information</JournalTitle>
        <JournalTitleAbbr>GMS Med Bibl Inf</JournalTitleAbbr>
        <IssueTitle>AGMB-Jahrestagung in Magdeburg 2008: "AGMB: weiter bilden - Netze  kn&#252;pfen - Zukunft sichern"</IssueTitle>
      </Journal>
    </SourceGroup>
    <ArticleNo>29</ArticleNo>
  </MetaData>
  <OrigData>
    <Abstract language="de" linked="yes">
      <Pgraph>Die Idee der Versorgung von kranken Menschen mit Literatur, die zur Genesung beitr&#228;gt, hat eine lange Tradition. Die Grundlagen einer benutzerfreundlichen Arbeit in einer Patientenbibliothek bilden dabei eine hohe Kommunikationskompetenz und ein ausgepr&#228;gter Service-Gedanke. Wie steht es um diesen Service zu Beginn des 21. Jahrhunderts&#63; Sparzw&#228;nge auf Seiten der Krankenh&#228;user durch die j&#252;ngste Gesundheitsreform einerseits und die ver&#228;nderten Anspr&#252;che der Menschen im Informationszeitalter andererseits stellen heutige Patientenbibliotheken vor gro&#223;e Herausforderungen. Nur wenn es den Patientenbibliotheken jedoch gelingt, durch engagierte &#214;ffentlichkeitsarbeit und ein attraktives Medienangebot (z.B. H&#246;rb&#252;cher) ihren besonderen Mehrwert f&#252;r die Klinik herauszustellen, k&#246;nnen sie die Genesung der Patienten im Sinne ganzheitlicher Versorgung f&#246;rdern.</Pgraph>
    </Abstract>
    <Abstract language="en" linked="yes">
      <Pgraph>The idea of supplying sick people with literature in order to support their recovery has a long tradition. The basics for a user centered work in a patients&#8217; library are well-trained communication skills and distinct service awareness. Under which circumstances is this service provided at the beginning of the 21<Superscript>st</Superscript> century&#63; </Pgraph>
      <Pgraph>Today patients&#8217; libraries are faced with two main challenges: on the one hand there is the need to operate economically the hospital&#39;s budget due to the latest health care reform, on the other there are the altered requirements of people in the information age. To achieve the patients&#39; recovery in the sense of a holistic medicine patients&#39; libraries have to emphasise their additional benefits to the hospital&#39;s environment by improving and encouraging their public relations and by offering a broad and attractive range of media products (i.e. audio books).</Pgraph>
    </Abstract>
    <TextBlock linked="yes" name="Einleitung">
      <MainHeadline>Einleitung</MainHeadline>
      <Pgraph>Die Verbindung von Bibliothek und Krankenhaus reicht weit in die Geschichte der menschlichen Zivilisation zur&#252;ck und mit ihr der Wunsch der Bibliothekare, durch ihre Angebote den Genesungsprozess des Patienten zu unterst&#252;tzen. Wie steht es um diesen Service zu Beginn des 21. Jahrhunderts&#63; Welche Grundlagen gelten bei der bibliothekarischen Arbeit f&#252;r den Patienten im Krankenhaus nach wie vor und welchen neuen Herausforderungen m&#252;ssen sich die Patientenbibliotheken stellen&#63; Ausgangspunkt f&#252;r die folgenden &#220;berlegungen ist die besondere Situation, in der sich der Patient w&#228;hrend seines Krankenhausaufenthaltes psychisch und physisch befindet. Aus dieser resultiert f&#252;r die vermittelnde Arbeit der Patientenbibliothekare die Notwendigkeit einer hohen Kommunikationskompetenz. Vor diesem Hintergrund werde ich die beiden Herausforderungen skizzieren, mit denen sich Patientenbibliotheken zu Beginn des 21. Jahrhunderts auseinandersetzen m&#252;ssen: Die einschneidenden &#196;nderungen durch die letzte Gesundheitsreform und die Ver&#228;nderungen, die durch Entwicklungen in der Kommunikationstechnologie in den letzten 10&#8211;20 Jahren entstanden sind.</Pgraph>
    </TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Die besondere Situation Krankenhaus f&#252;r den Patienten">
      <MainHeadline>Die besondere Situation Krankenhaus f&#252;r den Patienten</MainHeadline>
      <Pgraph>Ein Krankenhausaufenthalt &#8211; ob als akuter Notfall oder geplanter Eingriff &#8211; bedeutet f&#252;r den Patienten den Verlust des gewohnten sozialen Umfelds, vor allem der pers&#246;nlichen Kontakte, und einen vorgeschriebenen Tagesablauf, der auf individuelle Bed&#252;rfnisse oft nur wenig R&#252;cksicht nehmen kann.</Pgraph>
      <Pgraph>Grunds&#228;tzlich kann der Aufenthalt in 3 Phasen unterteilt werden: die Einlieferung, die Phase vor der Behandlung und die Phase nach der Behandlung. Phase 1 ist dominiert von Gef&#252;hlen der Angst, Unsicherheit, Verwirrung und Isolation. Auch bei einer geplanten Einweisung erzeugt die Tatsache, dass der Patient Meinungen und Entscheidungen der &#196;rzte akzeptieren muss, deren Tragweite und Kompetenz er nicht einsch&#228;tzen kann, Gef&#252;hle des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit. Er ist konfrontiert mit unzureichender Information, einer unpers&#246;nlichen Behandlung, sozialer Distanz und einer fremden Fachsprache. Hinzu kommt eine starke psychische Belastung durch das Miterleben von Krankheit oder gar Tod anderer Patienten.</Pgraph>
      <Pgraph>In Phase 2 besch&#228;ftigen den Patienten vor allem Fragen zu seiner bevorstehenden Behandlung, das hei&#223;t, die Umgebung und begleitende Leistungen stehen nicht im Vordergrund.</Pgraph>
      <Pgraph>Wenn keine Komplikationen bei der Behandlung auftreten, bekommen die Aspekte des Service in Phase 3 eine gr&#246;&#223;ere Bedeutung. Dies ist in der Regel die Phase, in der die Angebote einer Patientenbibliothek den gr&#246;&#223;ten Zuspruch erfahren.</Pgraph>
      <Pgraph>Eines darf allerdings nicht vergessen werden: W&#228;hrend aller Phasen steht der Erwartungshaltung des Patienten nach pers&#246;nlicher Zuwendung und angemessener Information die Erwartungshaltung des Krankenhauses nach passiver Erduldung der Behandlung diametral gegen&#252;ber, das hei&#223;t, das Konfliktpotential ist w&#228;hrend des gesamten Krankenhausaufenthaltes sehr hoch.</Pgraph>
      <Pgraph>Die skizzierten Umst&#228;nde stellen somit nicht nur f&#252;r den Patienten, sondern auch f&#252;r den Bibliothekar eine gro&#223;e Herausforderung dar. Deshalb ist es wichtig, grundlegende Kommunikationsregeln zu kennen und anwenden zu k&#246;nnen, denn die vermittelnde Arbeit am Krankenbett wird durch eine hohe Kommunikationskompetenz entscheidend erleichtert.</Pgraph>
      <Pgraph>Das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun <TextLink reference="1"></TextLink> hat sich als besonders gut &#252;bertragbar auf die bibliothekarische Praxis erwiesen. Schulz von Thun hat ein Nachrichtenquadrat entwickelt, das die 4 wichtigen Botschaften einer Nachricht (verbal und non-verbal) anschaulich darstellt. Er unterscheidet die Sach-, Appell-, Beziehungs- und Selbstoffenbarungsebene einer Nachricht. Die Sachebene, welche die reine sachliche Botschaft darstellt, steht f&#252;r das, was der Sender inhaltlich &#252;bermitteln m&#246;chte. Mit der Appellfunktion der Nachricht ist gemeint, dass der Sender einer Nachricht immer eine bestimmte Intention mit der Botschaft transportiert, unabh&#228;ngig davon, ob ihm das bewusst ist oder nicht. Die Beziehungsebene spielt eine besonders wichtige Rolle: hier offenbart der Sender, wie er zum Empf&#228;nger steht, in welcher &#8222;Beziehung&#8220; sie zueinander stehen; hier liegt gleichzeitig das gr&#246;&#223;te Konfliktpotential, weil auf dieser Ebene Dinge wie Unterlegenheit&#47;&#220;berlegenheit oder Statusfragen eine Rolle spielen. Zuletzt ist die Selbstoffenbarungsebene nicht zu untersch&#228;tzen, denn hier gibt der Sender etwas &#252;ber sich selbst preis, zumeist auch ohne sich dar&#252;ber bewusst zu sein.</Pgraph>
      <Pgraph>Ebenso, wie der Sender einer Nachricht auf vier Seiten Botschaften &#252;bermittelt, kann der Empf&#228;nger die Nachricht mit vier Ohren h&#246;ren: Den Sachinhalt m&#246;chte er verstehen, auf der Selbstoffenbarungsseite wird er &#8222;personaldiagnostisch&#8220; t&#228;tig, auf der Beziehungsseite ist der Empf&#228;nger pers&#246;nlich betroffen und auf der Appellseite versucht er herauszufinden, wie er mit der gegebenen Information umgehen soll. Das Problem dabei ist, dass er sich prinzipiell aussuchen kann, mit welchem Ohr er die Nachricht empf&#228;ngt. Die freie Auswahl des Empf&#228;ngers f&#252;hrt vor allem dann zu Konflikten, wenn er auf eine Seite Bezug nimmt, auf die der Sender das Gewicht nicht legen wollte oder wenn der Empf&#228;nger &#252;berwiegend auf einem Ohr h&#246;rt und damit quasi f&#252;r die anderen Seiten der Nachricht taub ist.</Pgraph>
      <Pgraph>Beim Betreten eines Patientenzimmers entstehen Schwellen- und Ber&#252;hrungs&#228;ngste, denn immerhin bildet dieses in der &#214;ffentlichkeit des Krankenhauses den einzigen individuellen R&#252;ckzugsraum, in dem eingeschr&#228;nkt Privatsph&#228;re m&#246;glich ist. Der Patient muss den Bibliothekar an sich erst einmal einordnen, denn dieser ist nur eine von vielen Personen, die das Krankenzimmer betreten. Die Konfliktsituationen, die bei einer Kommunikation zwischen Patient und Bibliothekar auftreten k&#246;nnen, sind also von vornherein vielf&#228;ltig, denn die Erwartungshaltungen des jeweiligen Gegen&#252;bers sind f&#252;r die Patienten ebenso schwer einzusch&#228;tzen wie f&#252;r den Bibliothekar.</Pgraph>
      <Pgraph>Wenn beispielsweise eine Bibliothekarin mit dem Satz &#8222;M&#246;chten Sie etwas zu lesen aus der Bibliothek&#63;&#8220; das Krankenzimmer betritt, kann man diese Nachricht wie folgt aufschl&#252;sseln: besonderes Augenmerk gilt der Appell- und der Beziehungsseite. Die Bibliothekarin hat die Intention, den Patienten zum Lesen zu animieren (&#8218;Lesen ist gut f&#252;r Sie&#8216;). Diesen &#8222;Appell&#8220; transportiert sie also mit. Ebenso m&#246;chte sie dem Patienten behilflich sein, eine Auswahl zu treffen (&#8218;Sie ben&#246;tigen meine Hilfestellung&#8216;), vermittelt also auf der Beziehungsseite ihre Position als &#8222;Helferin&#8220;.</Pgraph>
      <Pgraph>Der Patient hat nun aber, wie oben erl&#228;utert, als Empf&#228;nger die freie Auswahl, welche dieser Botschaften er empf&#228;ngt. Da er sich im Krankenhaus in einer besonderen Ausnahmesituation befindet, wird es ihm schwer fallen, die Nachricht auf der reinen Sachebene zu empfangen, weil sein Appell- und sein Beziehungsohr besonders &#8218;gespitzt&#8217; sind. Daher k&#246;nnte er den Appell der oben erl&#228;uterten Nachricht ablehnen, weil er sich ertappt f&#252;hlt (&#8218;Ich lese kaum&#8217; bzw. &#8218;Ich lese nur bestimmte Unterhaltungsliteratur&#8217;). Genauso k&#246;nnte er sich auf der Beziehungsebene bevormundet f&#252;hlen und deshalb ablehnend reagieren, weil er der Meinung ist, keine Hilfe zu ben&#246;tigen. Wichtig ist jetzt, auf diese Reaktionen vorbereitet zu sein, ablehnende Antworten nicht als pers&#246;nlichen Angriff zu werten, Nachfragen zum besseren Verst&#228;ndnis zu stellen und auf &#220;berredung zu verzichten.</Pgraph>
      <Pgraph>Ziel all dieser Kommunikationsregeln sollte am Ende die Erkenntnis sein, dass &#8222;das Ausleihen von B&#252;chern nicht mehr der einzige Schwerpunkt sein kann, sondern da&#223; auf gleichwertiger Ebene das Gespr&#228;ch mit dem Patienten steht&#8220; <TextLink reference="2"></TextLink>.</Pgraph>
    </TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Auswirkungen der j&#252;ngsten Gesundheitsreform auf Patientenbibliotheken">
      <MainHeadline>Auswirkungen der j&#252;ngsten Gesundheitsreform auf Patientenbibliotheken</MainHeadline>
      <Pgraph>Interessanterweise werden bibliothekarische Angebote in ihrer Bedeutung desto eher erkannt und genutzt, je mehr man sich Zeit f&#252;r eine positive Grundstimmung und Kontaktanbahnung nimmt. Gerade diese Bedeutung des Gespr&#228;chs wird nun aber durch die j&#252;ngste Gesundheitsreform torpediert, denn die Zeit f&#252;r eine nicht-funktionale (zwischenmenschliche) Kommunikation ist bei der Abrechnung nach Fallpauschalen nicht vorgesehen.</Pgraph>
      <Pgraph>Bis zum Jahr 2004 existierten f&#252;r die Krankenhausleistungen, die am individuellen Patienten erbracht wurden, als Hauptformen der Verg&#252;tung die Fallpauschale und der tagesgleiche Pflegesatz, in Ausnahmef&#228;llen auch Sonderentgelte. Die Fallpauschale verg&#252;tete Krankenhausleistungen nach der Zahl der Behandlungsf&#228;lle, der tagesgleiche Pflegesatz nach der Zahl der Pflegetage. Er beinhaltete einen Basispflegesatz f&#252;r die nicht unmittelbar der Krankenbehandlung zuzuordnenden Kosten, worunter z.B. auch Aufwendungen f&#252;r die Kosten einer Patientenbibliothek fielen. Seit 2004 rechnen allerdings nur noch Psychiatrien und Psychosomatische Kliniken sowie entsprechende psychiatrische Abteilungen ausschlie&#223;lich nach diesen Pfleges&#228;tzen ab. Alle anderen Krankenh&#228;user werden auf die DRGs (Diagnosis Related Groups) umgestellt. Nicht die Verweildauer in Tagen wird bezahlt, sondern ein Fall. Damit werden k&#252;rzere Liegezeiten f&#252;r die Krankenh&#228;user attraktiver. Ziel dieser Ma&#223;nahmen ist ein st&#228;rkerer Wettbewerb zwischen den Kliniken und eine wirtschaftlichere Behandlung. Der Service einer Patientenbibliothek l&#228;sst sich jedoch nicht &#252;ber eine Fallpauschale abrechnen. Durch die Straffung der Behandlung entf&#228;llt oft die wichtige 3. Phase des Krankenhausaufenthalts, das hei&#223;t, die Patienten haben weniger Zeit zum Lesen zur Verf&#252;gung. Die Effizienzsteigerung bei der Behandlung steht im Vordergrund, der Patient wird zum Kunden, die Krankenh&#228;user entwickeln sich von Versorgungseinrichtungen zu Gesundheitsunternehmen.</Pgraph>
      <Pgraph>Es gibt aber auch Chancen f&#252;r die Patientenbibliotheken in der neuen Gesundheitspolitik. Das Fallpauschalengesetz sieht die Einf&#252;hrung eines Qualit&#228;tsmanagements durch das Krankenhaus vor, falls ein solches noch nicht besteht. Die Zertifizierungsverfahren, die dieses Qualit&#228;tsmanagement beurteilen, legen auch auf das Informationswesen und die sogenannten weichen Faktoren wert, wie etwa Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit. Die Qualit&#228;t der Patientenbibliotheken wird als Unterscheidungsmerkmal zwischen den Krankenh&#228;usern wichtig, denn sie k&#246;nnen mit ihrem Service einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Patientenzufriedenheit leisten und einen positiven Einfluss auf das Betriebsklima haben, da sie auch von Mitarbeitern genutzt werden.</Pgraph>
    </TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Informations- gesellschaft">
      <MainHeadline>Informationsgesellschaft</MainHeadline>
      <Pgraph>Doch nicht nur die Gesundheitspolitik stellt eine Herausforderung f&#252;r die Patientenbibliotheken dar, sondern auch die neuen M&#246;glichkeiten der Kommunikationstechnologien in der so genannten Informationsgesellschaft. Sie sind mittlerweile bis in die Privathaushalte vorgedrungen und wirken sich damit massiv auf die Rezeption und den Umgang mit digitalen Medien durch die allgemeine Bev&#246;lkerung aus.</Pgraph>
      <Pgraph>Dadurch ver&#228;ndern sich auch die Erwartungen an den Service einer &#214;ffentlichen Bibliothek. Patientenbibliotheken kommt neben der gesundheitsspezifischen therapiebegleitenden beziehungsweise genesungsf&#246;rdernden noch eine weitere wichtige Funktion zu: sie haben als &#214;ffentliche Bibliotheken auch einen gesellschaftlichen Auftrag. Sie m&#252;ssen auf die Herausforderungen reagieren, die an sie durch die gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen der letzten Jahre gestellt werden, denn sie k&#246;nnen durch entsprechende Angebote einen wichtigen Beitrag zur &#220;berwindung der subjektiven und demographischen Ungleichheiten beim Zugang zu Information leisten. Immerhin stellen die Patienten in einem Krankenhaus einen Querschnitt der Gesellschaft dar, zu dem Patientenbibliotheken Zugang haben, und so k&#246;nnen auch Menschen erreicht werden, die eine Bibliothek vorher noch nie oder sehr lange nicht mehr genutzt haben.</Pgraph>
      <Pgraph>Ein Internetanschluss kann f&#252;r die Patienten ein Tor zur Au&#223;enwelt &#246;ffnen: einerseits kann auf zuverl&#228;ssige Gesundheitsinformationen beispielsweise im Intranet der Klinik und auf Angebote zu diesen Themen im Internet zugriffen werden, andererseits bietet gerade das Internet mit seinen neuen, vielgestaltigen Kommunikationsformen den Patienten auch die M&#246;glichkeit, die sozialen Kontakte au&#223;erhalb der Klinik zu pflegen und somit das Gef&#252;hl der Isolation zu &#252;berwinden.</Pgraph>
      <Pgraph>Aber auch an den Bestand werden neue Anforderungen gestellt. H&#246;rb&#252;cher beispielsweise bieten f&#252;r Krankenhauspatienten gleich mehrere Vorteile: zum Einen sind sie leichter rezipierbar, weil man sich weniger stark konzentrieren muss und die Augen mal eine Pause haben, zum anderen bekommt der Zuh&#246;rer beim H&#246;ren der gesprochenen Version eines Werkes praktischerweise durch die Betonung und Modulation der Sprecherstimme gleich eine Interpretation mitgeliefert.</Pgraph>
      <Pgraph>H&#246;rb&#252;cher sollten jedoch bestimmte Kriterien erf&#252;llen. Sie sollten eine angemessene L&#228;nge haben, die es dem Patienten erm&#246;glicht, das gesamte H&#246;rbuch w&#228;hrend seines Aufenthalts zu h&#246;ren, weil nicht am St&#252;ck, sondern in der Regel in Abschnitten von 30 bis 60 Minuten geh&#246;rt wird. Auch die L&#228;nge der einzelnen Titel im H&#246;rbuch ist wichtig, denn kurze Titel erleichtern den Wiedereinstieg nach einer H&#246;rpause. Ein weiteres nicht zu untersch&#228;tzendes Kriterium ist eine angenehme Sprecherstimme, weil sie die Grundvoraussetzung f&#252;r ein konzentriertes Zuh&#246;ren ist. </Pgraph>
      <Pgraph>Der boomende H&#246;rbuchmarkt bietet mittlerweile ein breites Spektrum an H&#246;rb&#252;chern und auch die Aktualit&#228;t der Titel wird immer gr&#246;&#223;er, weil zum Teil Buch und H&#246;rbuch mit nur sehr geringer Verz&#246;gerung auf den Markt kommen.</Pgraph>
    </TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Fazit">
      <MainHeadline>Fazit</MainHeadline>
      <Pgraph>Bei all diesen &#220;berlegungen wird deutlich, dass die Bibliothekare in Patientenbibliotheken vor allem eines sein m&#252;ssen: flexibel. Sie m&#252;ssen individuelle L&#246;sungen finden in einer Zeit, in der jahrzehntelang gewachsene Strukturen im Gesundheitsbereich aufgebrochen werden und &#214;ffentliche Bibliotheken ihre Position in der Informationsgesellschaft erst noch endg&#252;ltig definieren m&#252;ssen.</Pgraph>
      <Pgraph>Die Grundlagen der Arbeit in Patientenbibliotheken haben sich in sofern ge&#228;ndert, als dass durch die &#214;konomisierung des Krankenhausaufenthalts das Konfliktpotential bei der Kommunikation zwischen Bibliothekar und Nutzer durch die psychischen und physischen Belastungen, denen der Patient w&#228;hrend seines Aufenthalts ausgesetzt ist, zus&#228;tzlich verst&#228;rkt wird. Deshalb ist eine hohe  Kommunikationskompetenz die Grundlage einer erfolgreichen, benutzerfreundlichen Arbeit in einer Patientenbibliothek.</Pgraph>
      <Pgraph>Der Patientenbibliothek kommt als Teil des Krankenhauses nicht nur eine gesundheitsspezifische Funktion zu, sondern sie stellt mit ihren Angeboten eine Chance dar, einerseits die Buch- und Lesekultur zu f&#246;rdern und andererseits den Patienten auch ganz individuell M&#246;glichkeiten im Umgang mit Information aufzuzeigen, damit sie an der Informationsgesellschaft teilhaben k&#246;nnen. Vor allem die besondere Situation eines Klinikaufenthalts bedingt den hohen Stellenwert &#8222;eines optimalen Informationsangebotes und professioneller Beratung&#8220; <TextLink reference="3"></TextLink>. </Pgraph>
    </TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Ausblick">
      <MainHeadline>Ausblick</MainHeadline>
      <Pgraph>Die derzeitigen Ver&#228;nderungen im Gesundheitswesen werden vermutlich zu st&#228;rkeren Spezialisierungen der Krankenh&#228;user f&#252;hren, da nach dem Prinzip der DRGs bestimmte Krankheiten beziehungsweise Behandlungen finanziell attraktiver sind als andere. Dar&#252;ber hinaus wird sich die Verweildauer in den Allgemeinen Krankenh&#228;usern weiter verk&#252;rzen.</Pgraph>
      <Pgraph>Die Patientenbibliotheken m&#252;ssen ihr Angebot so strukturieren, dass der Patient auch bei einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus davon profitiert. Patienten sollen zunehmend eine aktivere Rolle in ihrer eigenen Gesundheitsversorgung spielen. Das k&#246;nnen sie aber nur durch gezielte (Gesundheits-) Information. Hier k&#246;nnen Patientenbibliotheken sich neue Aufgabenfelder erschlie&#223;en. Zentrale Aufgabe der Patientenbibliotheken muss es daher heute sein, auf ihre Leistungen hinzuweisen und ihr Angebot stets an den ver&#228;nderten gesellschaftlichen Anforderungen zu orientieren.</Pgraph>
    </TextBlock>
    <References linked="yes">
      <Reference refNo="1">
        <RefAuthor>Schulz von Thun F</RefAuthor>
        <RefTitle></RefTitle>
        <RefYear>2006</RefYear>
        <RefBookTitle>Miteinander reden 1. St&#246;rungen und Kl&#228;rungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation</RefBookTitle>
        <RefPage></RefPage>
        <RefTotal>Schulz von Thun F. Miteinander reden 1. St&#246;rungen und Kl&#228;rungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. 43rd ed. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt; 2006.</RefTotal>
      </Reference>
      <Reference refNo="2">
        <RefAuthor>Gassner B</RefAuthor>
        <RefTitle></RefTitle>
        <RefYear>1988</RefYear>
        <RefBookTitle>Krankenhauspatienten als Bibliotheksbenutzer. Psychologische Hilfen f&#252;r die bibliothekarische Arbeit in Krankenh&#228;usern. Kommunikation, Rollenverhalten, Handeln</RefBookTitle>
        <RefPage>46</RefPage>
        <RefTotal>Gassner B. Krankenhauspatienten als Bibliotheksbenutzer. Psychologische Hilfen f&#252;r die bibliothekarische Arbeit in Krankenh&#228;usern. Kommunikation, Rollenverhalten, Handeln. Berlin: Deutsches Bibliotheksinstitut; 1988. S. 46.</RefTotal>
      </Reference>
      <Reference refNo="3">
        <RefAuthor>Deutsches Bibliotheksinstitut</RefAuthor>
        <RefTitle></RefTitle>
        <RefYear>1995</RefYear>
        <RefBookTitle>Richtlinien f&#252;r Patientenbibliotheken</RefBookTitle>
        <RefPage>8</RefPage>
        <RefTotal>Deutsches Bibliotheksinstitut. Richtlinien f&#252;r Patientenbibliotheken. Berlin: Deutsches Bibliotheksinstitut; 1995. S. 8.</RefTotal>
      </Reference>
    </References>
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