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<GmsArticle>
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    <Identifier>mbi000107</Identifier>
    <ArticleType>Fachbeitrag</ArticleType>
    <TitleGroup>
      <Title language="de">Gesch&#228;ftsmodelle f&#252;r wissenschaftliche Zeitschriften</Title>
      <TitleTranslated language="en">Business models for scholarly journals</TitleTranslated>
    </TitleGroup>
    <CreatorList>
      <Creator>
        <PersonNames>
          <Lastname>Kirchg&#228;&#223;ner</Lastname>
          <LastnameHeading>Kirchg&#228;&#223;ner</LastnameHeading>
          <Firstname>Adalbert</Firstname>
          <Initials>A</Initials>
        </PersonNames>
        <Address>Universit&#228;tsbibliothek Konstanz, Universit&#228;tsstr. 10, 78464 Konstanz<Affiliation>Universit&#228;tsbibliothek Konstanz, Deutschland</Affiliation></Address>
        <Email>adalbert.kirchgaessner&#64;uni-konstanz.de</Email>
        <Creatorrole corresponding="yes" presenting="no">author</Creatorrole>
      </Creator>
    </CreatorList>
    <PublisherList>
      <Publisher>
        <Corporation>
          <Corporatename>German Medical Science GMS Publishing House</Corporatename>
        </Corporation>
        <Address>D&#252;sseldorf</Address>
      </Publisher>
    </PublisherList>
    <SubjectGroup>
      <SubjectheadingDDB>610</SubjectheadingDDB>
      <Keyword language="en">journal market</Keyword>
      <Keyword language="en">information market</Keyword>
      <Keyword language="en">financing journal acquisition</Keyword>
      <Keyword language="en">scholarly journals</Keyword>
      <Keyword language="de">Zeitschriftenmarkt</Keyword>
      <Keyword language="de">Informationsmarkt</Keyword>
      <Keyword language="de">Zeitschriftenfinanzierung</Keyword>
      <Keyword language="de">Wissenschaftliche Zeitschriften</Keyword>
    </SubjectGroup>
    <DatePublishedList>
      <DatePublished>20080626</DatePublished>
    </DatePublishedList>
    <Language>germ</Language>
    <SourceGroup>
      <Journal>
        <ISSN>1865-066X</ISSN>
        <Volume>8</Volume>
        <Issue>1</Issue>
        <JournalTitle>GMS Medizin - Bibliothek - Information</JournalTitle>
        <JournalTitleAbbr>GMS Med Bibl Inf</JournalTitleAbbr>
        <IssueTitle>Statistik</IssueTitle>
      </Journal>
    </SourceGroup>
    <ArticleNo>10</ArticleNo>
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  <OrigData>
    <Abstract language="de" linked="yes">
      <Pgraph>In diesem Beitrag wird die Entwicklung der Gesch&#228;ftsmodelle f&#252;r wissenschaftliche Zeitschriftenliteratur diskutiert. Ausgangspunkt ist das Abonnementmodell, wie es sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet hat. Auf diesem aufbauend wurden die Paket- und Konsortialmodelle entwickelt. Parallel dazu wurden f&#252;r Datenbanken Gesch&#228;ftsmodelle entwickelt, die die Preise an der Gr&#246;&#223;e und den Zugriffsm&#246;glichkeiten ganzer Institutionen orientierten. Diese Modelle wurden auf die Lizenzvertr&#228;ge f&#252;r Zeitschriften &#252;bertragen, um den Wegfall der Mehrfachexemplare in den gro&#223;en Bibliotheken zu kompensieren. Alle diese Gesch&#228;ftsmodelle ber&#252;cksichtigen nicht die unterschiedliche Nutzung von Zeitschriften. Um zu vermeiden, dass die Bibliotheken k&#252;nftig nur noch &#8222;rentable&#8220; Zeitschriften lizenzieren, deren Kosten pro genutztem Artikel nicht zu hoch liegen, sind neue Gesch&#228;ftsmodelle zu entwickeln. </Pgraph>
    </Abstract>
    <Abstract language="en" linked="yes">
      <Pgraph>The paper discusses progression of business models for the acquisition of scholarly journals. It starts with the subscription model which established oneself over the last decades. Based on this, package models and consortia models were developed. At the same time a business model was developed for databases calculating prices on size and access possibilities of whole institutes. Licences for e-journals took over this type of business model in order to compensate for cancelled print doublets. However, all these models do not account for the unequal usage of journals. In the future new business models have to be developed or libraries will only subscribe to cost-efficient journals in order to avoid high costs per article download.</Pgraph>
    </Abstract>
    <TextBlock linked="yes" name="Gesch&#228;ftsmodelle f&#252;r wissenschaftliche Zeitschriften">
      <MainHeadline>Gesch&#228;ftsmodelle f&#252;r wissenschaftliche Zeitschriften</MainHeadline>
      <SubHeadline>Einleitung</SubHeadline>
      <Pgraph>Gedruckte Zeitschriften wurden gekauft und verkauft, es fand ein ganz regul&#228;rer Handel statt. Und die Nutzung der von den Bibliotheken gekauften Exemplare durch die Bibliotheksbenutzer war durch das Urheberrecht kaum beschr&#228;nkt, sofern die Inhalte nicht plagiiert wurden. Mit dem Wechsel der Zeitschriften in die elektronische Welt wurde alles, was mit diesen Zeitschriften zu tun hat, in Frage gestellt. Die leichte Kopierbarkeit und die vielf&#228;ltigen Verwendungsm&#246;glichkeiten elektronischer Materialien f&#252;hrten dazu, dass die bisherigen Gesch&#228;ftsmodelle immer fragw&#252;rdiger werden.</Pgraph>
      <SubHeadline>Das Abonnementmodell</SubHeadline>
      <Pgraph>Das Abonnementmodell beinhaltet, dass die Kosten der Zeitschrift &#252;ber die Erl&#246;se aus dem Verkauf der gedruckten Exemplare zu decken sind. Bereits in diesem Modell gibt es gro&#223;e Unterschiede. Publikumszeitschriften werden so kalkuliert, dass alle Abnehmer den gleichen Preis bezahlen, der Umsatz resultiert dann aus dem einheitlichen Preis mal der Summe der verkauften Exemplare. Da die Einzelpreise f&#252;r die gro&#223;en naturwissenschaftlichen Zeitschriften schon seit Jahren so angestiegen sind, dass Privatpersonen sie kaum mehr bezahlen konnten, wurden diese (zum vollen Preis) fast ausschlie&#223;lich von wissenschaftlichen Institutionen bezogen. Die Verlage haben daraufhin gespaltene Preise eingef&#252;hrt: die Institutionen bezahlen die Kosten f&#252;r die Erstellung und Produktion der Zeitschriften und die Privatpersonen bezahlen nur noch die Druckkosten f&#252;r die zus&#228;tzlich zu druckenden Exemplare. Diese Politik der gespaltenen Preise gab (und gibt) es in sehr unterschiedlichen Formen, abh&#228;ngig davon wie gro&#223; der Anteil der an Privatpersonen verkauften Abonnements ist und welche Ziele der Verlag oder die Herausgeber verfolgen. Eine spezielle Form, Mittel zu privatisieren, die die &#214;ffentlichkeit f&#252;r die Forschung zur Verf&#252;gung gestellt hat, entwickelten einige Fachgesellschaften: Sie konnten durch die fachliche Monopolstellung ihrer Zeitschrift hohe Gewinne erwirtschaften, die f&#252;r Zwecke der Gesellschaft genutzt wurden und werden. Werden bei manchen Gesellschaften den Mitgliedern die von dieser herausgegebenen Zeitschriften kostenfrei oder f&#252;r eine geringe Geb&#252;hr &#252;berlassen, nutzen einige Gesellschaften diese Einnahmen, um auch weitere T&#228;tigkeiten dieser Gesellschaften weitgehend aus den Erl&#246;sen von Zeitschriften zu finanzieren.</Pgraph>
      <Pgraph>In der ersten Phase der Entwicklung der elektronischen Zeitschriften investierten die gro&#223;en Verlage erhebliche Summen in die Entwicklung ihrer elektronischen Publikationen. Die Kosten dieser Entwicklung holten sie in den neunziger Jahren wieder herein, indem sie Preiserh&#246;hungen f&#252;r die Zeitschriftenabonnements durchsetzten, die weit &#252;ber den Kostensteigerungen lagen. Dies war und ist weiterhin m&#246;glich, da jeder Zeitschriftentitel, der in der Fachwissenschaft als qualitativ hochwertig angesehen wird, eine monopolartige Stellung innerhalb ihrer Wissenschaftsdisziplin hat: Die Wissenschaftler sind darauf angewiesen, ihre Beitr&#228;ge in m&#246;glichst hochrangigen Zeitschriften zu ver&#246;ffentlichen, wenn sie beruflich vorw&#228;rts kommen wollen. Die gro&#223;en Wissenschaftsverlage haben diese Monopolstellung au&#223;erdem dazu genutzt, die Renditen der Zeitschriften auf &#252;ber 20  bis zu 35 Prozent am Umsatz zu erh&#246;hen.</Pgraph>
      <Pgraph>Die elektronischen Parallelausgaben wurden in den ersten Jahren &#8222;kostenfrei&#8220; zu den Papierausgaben mitgeliefert. Jeder Abonnent einer solchen Zeitschrift konnte einen Zugang zur elektronischen Version der Zeitschrift bekommen. Auch die abonnierenden Institutionen bekamen f&#252;r ihren Bereich den Zugang und konnten diesen meist allen ihren Angeh&#246;rigen und Nutzern zur Verf&#252;gung stellen. Wurden die Parallelausgaben nicht kostenfrei zur Verf&#252;gung gestellt, wurde ein geringer Aufschlag f&#252;r den Bezug der elektronischen Parallelausgabe berechnet, da die Zeitschrift &#252;ber die Abonnements bereits bezahlt war. Viele Verlage f&#252;hrten die Parallelausgaben erst kostenfrei ein und verlangten nach einigen Jahren f&#252;r die elektronischen Parallelausgaben Aufschl&#228;ge.</Pgraph>
      <Pgraph>Die hohen Kostensteigerungen und die gleichzeitig durch Sparma&#223;nahmen der Unterhaltstr&#228;ger stagnierenden Literaturetats in den neunziger Jahren zwangen die Bibliotheken, die die Abonnements f&#252;r ihre Institutionen beschafften, in gro&#223;en Einrichtungen &#8211; vor allem in den Universit&#228;ten - Mehrfachabonnements abzubestellen. Dies wurde auch dadurch erm&#246;glicht, dass bereits mit einem gedruckten Exemplar einer Zeitschrift der Zugriff auf die elektronische Parallelausgabe f&#252;r die ganze Einrichtung bereitgestellt werden konnte. Dadurch wurden die &#252;berproportionalen Einnahmesteigerungen der Verlage zum Teil wieder aufgefangen. Es entwickelte sich eine Spirale von Abbestellungen und Preissteigerungen: Stiegen die Preise, musste abbestellt werden, um die verbleibenden Zeitschriftentitel bezahlen zu k&#246;nnen. Wurde in gr&#246;&#223;erem Umfang abbestellt, kompensierten die Verlage die wegfallenden Abonnementseinnahmen durch erh&#246;hte Preissteigerungen, um die Kosten zu  decken und ihre Gewinnziele zu erreichen.</Pgraph>
      <SubHeadline>Paketl&#246;sungen und Konsortialmodelle</SubHeadline>
      <Pgraph>Bereits vor der Einf&#252;hrung elektronischer Parallelausgaben gab es Zeitschriftenpakete: In einigen Bereichen wurde angeboten, thematisch zusammengeh&#246;rende  Zeitschriften zu einem Gesamtpreis zu beziehen, der bis zur H&#228;lfte der Summe aller Einzelpreise reduziert sein konnte. Die Gesellschaften oder Verlage konnten damit die Existenz aller in einem solchen Paket zusammengefassten Zeitschriften sichern, da die Abnehmer bei Abbestellung einzelner Zeitschriften kaum etwas gespart h&#228;tten und die Verlage die weniger rentabeln Zeitschriften aus den Erl&#246;sen der hochrentablen Zeitschriften querfinanzieren konnten.</Pgraph>
      <Pgraph>Einzelne Zeitschriftentitel aus den Paketangeboten konnten dann nicht mehr abbestellt werden, Es konnte aber nicht verhindert werden, dass trotzdem ganze Pakete abbestellt (und dann h&#246;chstens noch eine oder zwei ganz wichtige Zeitschriften weitergef&#252;hrt) wurden. Auch bewirkte dies keine Verkaufsabsicherung f&#252;r die gro&#223;e Anzahl von Einzeltiteln, die in keinem Paket eingebunden waren.</Pgraph>
      <Pgraph>Infolge der hohen Preissteigerungen und der Schwierigkeit, dass elektronische Zeitschriften nicht mehr einfach eingekauft werden konnten sondern f&#252;r die elektronische Nutzung Lizenzvertr&#228;ge abgeschlossen werden m&#252;ssen, fanden sich die Bibliotheken in meist regional organisierten Gruppen zusammen, um durch gr&#246;&#223;ere Marktmacht die Preisentwicklung beeinflussen zu k&#246;nnen. Die Verlage gingen auf diese Verhandlungen ein, da auch f&#252;r sie die Verhandlungen mit wenigen Bibliotheksgruppen zweckm&#228;&#223;iger erschienen als mit jeder Bibliothek Vertr&#228;ge einzeln auszuhandeln. In diesen Verhandlungen wurde von den Verlagen angeboten:</Pgraph>
      <Pgraph>
        <UnorderedList>
          <ListItem level="1">gedeckelte Preissteigerungen f&#252;r jeweils das gesamte zu verhandelnde Paket und</ListItem>
          <ListItem level="1">der sogenannte Cross Access, das bedeutet, dass alle Teilnehmer an einer solchen &#8222;Konsortium&#8220; genannten Einkaufsgemeinschaft auf alle elektronischen Ausgaben zugreifen k&#246;nnen, die in einer der beteiligten Bibliotheken gehalten werden.</ListItem>
        </UnorderedList>
      </Pgraph>
      <Pgraph>Im Gegenzug mussten sich die Bibliotheken verpflichten, keine der im Vertrag enthaltenen Zeitschriften mehr abzubestellen. Zugelassen wurde h&#246;chstens eine Abbestellquote, die prozentual deutlich unter der vereinbarten Preissteigerung lag. Damit konnten die Verlage in diesen Vertr&#228;gen ein kontinuierliches Ansteigen der Umsatzerl&#246;se sicherstellen.</Pgraph>
      <SubHeadline>Kostenmodelle f&#252;r Datenbanken</SubHeadline>
      <Pgraph>In diesen Jahren wurden von verschiedenen Anbietern Datenbanken entwickelt. Dies sind Datensammlungen, die in besonderer Weise strukturiert und aufbereitet sind, damit sie nach unterschiedlichsten Kriterien maschinell durchsucht werden k&#246;nnen. Diese Datenbanken wurden zuerst auf Gro&#223;rechnern erstellt und konnten im Fernzugriff in der ersten Form &#252;ber Telefonleitungen mit speziellen Recherchesprachen genutzt werden. Im zweiten Schritt wurden sie auf CD-ROM zur Verf&#252;gung gestellt, so dass sie auf Einzelplatzrechnern, sp&#228;ter in lokalen Netzwerken bereitgestellt und genutzt werden konnten. Nachdem das Internet soweit entwickelt war, dass mit dem WWW ein universelles Werkzeug f&#252;r den Fernzugriff zur Verf&#252;gung stand, wurden die Datenbanken f&#252;r die Online-Nutzung im Web bereitgestellt. Die Bibliotheken erwarben f&#252;r ihre Institutionen Lizenzen, damit ihre Nutzer diese Datenbanken im Netz der jeweiligen Einrichtung direkt am eigenen Arbeitsplatz nutzen konnten.</Pgraph>
      <Pgraph>Die Kostenmodelle f&#252;r diese Datenbanken waren von vornherein darauf ausgelegt, dass jeweils f&#252;r eine ganze Institution ein Nutzungsvertrag abgeschlossen wurde. Damit waren Mehrfachverk&#228;ufe wie fr&#252;her die Mehrfachexemplare der Zeitschriften nicht mehr m&#246;glich. Um trotzdem f&#252;r unterschiedlich gro&#223;e Einrichtungen eine Preisdifferenzierung zu erreichen und anzubieten, wurden zwei Wege beschritten:</Pgraph>
      <Pgraph>
        <UnorderedList>
          <ListItem level="1">Die Anzahl der parallelen Zugriffe wurden beschr&#228;nkt und die Preise wurden in Abh&#228;ngigkeit von der Anzahl der zul&#228;ssigen parallelen Zugriffe festgesetzt.</ListItem>
          <ListItem level="1">Die Art  und die Gr&#246;&#223;e der vertragsschlie&#223;enden Einrichtung wurde in die Preisbildung einbezogen. F&#252;r Universit&#228;ten, Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen wurden unterschiedliche Preise festgelegt, und diese Preise wurden nach Gr&#246;&#223;e der vertragsschlie&#223;enden Einrichtungen gestaffelt. So kann zum Beispiel in einem Kostenmodell festgelegt sein, dass Universit&#228;ten mit bis zu 10.000 Angeh&#246;rigen der ersten Preiskategorie, die Universit&#228;ten mit 10.000 bis 20.000 Angeh&#246;rigen der zweiten Preiskategorie und die Universit&#228;ten mit mehr als 20.000 Angeh&#246;rigen der dritten (und teuersten) Preiskategorie zugeordnet werden.</ListItem>
        </UnorderedList>
      </Pgraph>
      <SubHeadline>Institutionenabh&#228;ngige Gesch&#228;ftsmodelle</SubHeadline>
      <Pgraph>In den Lizenzvertr&#228;gen, die heute zwischen den Bibliotheken und Verlagen abgeschlossen werden, werden vielfach noch die Abonnementspreise zugrunde gelegt, die vormals f&#252;r die gedruckten Zeitschriften bezahlt wurden. In den so aufgebauten Lizenzvertr&#228;gen bezahlen alle Bibliotheken die aus den Kalkulationen der Preise f&#252;r die Druckerzeugnisse abgeleiteten und in den Konsortialvereinbarungen festgeschriebenen Preise. F&#252;r die Verlage wie f&#252;r die Bibliotheken wurde dies zum Problem:</Pgraph>
      <Pgraph>
        <UnorderedList>
          <ListItem level="1">Die Verlage, die fr&#252;her an gro&#223;e Universit&#228;ten Mehrfachexemplare verkaufen konnten, erhalten von den gro&#223;en wie den kleinen Universit&#228;ten den gleichen Erl&#246;s. Dies hatte und hat bei hohen Kostensteigerungen die Folge, dass kleinere Universit&#228;ten jeweils ihr einziges Exemplar einer Zeitschrift abbestellen mussten, w&#228;hrend die gro&#223;en Universit&#228;ten ihre Mehrfachexemplare reduzierten. Haben die Verlage den Einnahmeverlust durch Abbestellung der Mehrfachexemplare nicht &#252;ber die Preiserh&#246;hungen kompensiert, stieg der Preisdruck und der Abbestellzwang bei den Bibliotheken nicht in dem Ausma&#223; wie bei h&#246;heren Preissteigerungen. Dann konnten zwar die kleineren Bibliotheken mehr Abonnements und damit eine gr&#246;&#223;ere Titelvielfalt erhalten, aber die Erl&#246;se aus den gro&#223;en Universit&#228;ten, die ihre Mehrfachexemplare gek&#252;ndigt hatten, trugen deutlich weniger zur Finanzierung der Zeitschriften bei als fr&#252;her.</ListItem>
          <ListItem level="1">Die kleineren Bibliotheken ihrerseits wehren sich dagegen, dass sie die hohen Zeitschriftenpreise bezahlen sollen, die aus den Preiserh&#246;hungen folgen, die die Verlage zur Kompensation f&#252;r den Wegfall der Einnahmen aus Mehrfachexemplaren in den gro&#223;en Universit&#228;ten festsetzen. </ListItem>
        </UnorderedList>
      </Pgraph>
      <Pgraph>Um dieser Entwicklung zu begegnen, &#252;bertrugen immer mehr Gesellschaften und Verlage das an der Gr&#246;&#223;e der Institutionen orientierte Kostenmodell, das zuerst f&#252;r die Datenbanken entwickelt wurde, auf ihre Zeitschriftenangebote. </Pgraph>
      <Pgraph>Die Universit&#228;ten werden &#8211; wie bereits fr&#252;her bei den Datenbankangeboten - in (meist drei bis f&#252;nf) Gr&#246;&#223;enklassen eingeteilt, f&#252;r die dann gestaffelte Preise festgelegt werden. Diese Gr&#246;&#223;enklassen k&#246;nnen f&#252;r die gesamte Universit&#228;t oder f&#252;r fachliche Teilbereiche gebildet werden. Handelt es sich um f&#228;cher&#252;bergreifende Verlagspakete, ist meist die Anzahl aller Universit&#228;tsangeh&#246;rigen die Berechnungsgrundlage. Wenn Zeitschriftenpakete Titel nur eines oder weniger F&#228;cher enthalten, k&#246;nnen diese Gr&#246;&#223;enklassen auch von der Anzahl der Wissenschaftler und&#47;oder der Studierenden in dem betroffenen Fach abh&#228;ngen.</Pgraph>
      <Pgraph>Dieses Gesch&#228;ftsmodell behebt das Problem, dass die Preise unabh&#228;ngig von der Gr&#246;&#223;e und Finanzierungsm&#246;glichkeit der beteiligten Bibliotheken festgelegt werden. Aber die Bibliotheken m&#252;ssen f&#252;r diese Angebote den gleichen Betrag bezahlen, unabh&#228;ngig davon, ob die Zeitschrifteninhalte f&#252;r die interessierten Wissenschaftler im Mittelpunkt ihres Interesses stehen und entsprechend intensiv genutzt werden, oder ob sie nur sporadisch genutzt werden, um die &#220;berschneidungen mit anderen Fachsegmenten zu &#252;berpr&#252;fen oder fach&#252;bergreifende Fragen zu untersuchen.</Pgraph>
      <SubHeadline>Die Sackgasse der derzeitigen Gesch&#228;ftsmodelle</SubHeadline>
      <Pgraph> </Pgraph>
      <Pgraph>Die technische Entwicklung, Zeitschriften elektronisch anzubieten, hat auch dazu gef&#252;hrt, dass heute die Nutzung der Zeitschriften viel besser gemessen werden kann als es fr&#252;her m&#246;glich war. In einer Freihandbibliothek konnte die Nutzung der ausgelegten Zeitschriftenhefte nur durch aufwendige Erhebungen erfasst werden. Und die Ausleihe von Zeitschriftenb&#228;nden war und ist ein unzureichendes Ma&#223; f&#252;r die Nutzung, da nicht festgestellt werden kann, ob nur das Inhaltsverzeichnis eingesehen oder wie viele Artikel gelesen und ausgewertet wurden. </Pgraph>
      <Pgraph>Auf den Plattformen, auf denen die elektronischen Zeitschriften heute aufliegen, kann genau gemessen werden, welche Artikel aus welchen Zeitschriften wie oft abgerufen werden. (Dies ist immer noch kein Ma&#223; daf&#252;r, dass die Artikel wirklich genutzt wurden. Dies k&#246;nnte allenfalls durch  aufwendige Zitationsanalysen ermittelt werden. Aber die Anzahl der Volltextabrufe entspricht den Artikelkopien und den zur Einsichtnahme bestellten Zeitschriftenartikeln zur Zeit der Nutzung gedruckter Zeitschriften und bietet somit ein f&#252;r die Nutzungsmessung brauchbares Ma&#223;.) </Pgraph>
      <Pgraph>Aus diesen Nutzungsmessungen l&#228;sst sich genau errechnen, ob sich eine Zeitschrift f&#252;r die Bibliothek und ihre Nutzer &#8222;rentiert&#8220;. Eine Zeitschrift ist in diesem Sinne &#8222;rentabel&#8220;, wenn die Anzahl der Volltextabrufe multipliziert mit den Kosten f&#252;r einen kostenpflichtigen einzelnen Volltextabruf von der Verlagsseite (Pay per View) h&#246;her ist als der Preis f&#252;r die Nutzung der elektronischen Zeitschrift im Vertragszeitraum. Immer dann, wenn die Kosten der Volltextabrufe direkt von der Verlagsseite (bei Einzelabrechnung) geringer sind als der Lizenzpreis f&#252;r die unbeschr&#228;nkte Nutzung der Zeitschrift, &#8222;lohnt&#8220; es sich f&#252;r die Bibliothek, die Zeitschrift nicht mehr zu lizenzieren sondern den Benutzern die M&#246;glichkeit des Erwerbs einzelner Artikel einzur&#228;umen und die Kosten daf&#252;r zu &#252;bernehmen. (Will man den Komfort mitberechnen, der dadurch gegeben ist, dass bei Lizenzierung der Zeitschriften die Nutzer die Artikel unkomplizierter &#8222;herunterladen&#8220; k&#246;nnen als bei Einzelartikelerwerb von den Verlagsseiten, kann man die &#8222;Rentabiblit&#228;tsschwelle&#8220; niedriger ansetzen, indem man beispielsweise festlegt, dass eine Zeitschrift bereits dann &#8222;rentabel&#8220; ist, wenn die Kosten der Einzelartikelabrufe den halben Lizenzpreis der Zeitschrift erreichen.)</Pgraph>
      <Pgraph>Da die Verlage damit rechnen, dass die Bibliotheken die Zeitschriften nur dann lizenzieren, wenn diese ann&#228;hernd (im oben beschriebenen Sinne) &#8222;rentabel&#8220; sind, verweigern die meisten Verlage den Bibliotheken die Kenntnis der Nutzungszahlen, solange diese f&#252;r ihre Zeitschriften nicht mit Abbestellverbot und garantierter Umsatzsteigerung per anno bewehrte Mehrjahresvertr&#228;ge abgeschlossen haben. Ursache ist vermutlich, dass die Nutzung vieler Zeitschriften so gering ist, dass die Bibliotheken bei Kenntnis der Nutzung diese als &#8222;unrentabel&#8220; abbestellen w&#252;rden. Die Verlage verkaufen die Zeitschriften nach wie vor als Titelabonnement, da  sie bisher kein brauchbares Gesch&#228;ftsmodell f&#252;r den Vertrieb von Einzelartikeln entwickelt haben. Sie halten am Abonnementsmodell fest, das aus der Papierwelt kommt, obwohl die Entwicklung der Online-Welt dieser &#220;bertragung die Grundlage entzogen hat.</Pgraph>
      <Pgraph>Solange die Verlage darauf bestehen, dass die Erl&#246;se f&#252;r die Zeitschriften aus den Zeitschriftentiteln abgeleitet werden, die zum Teil nach der Gr&#246;&#223;enordnung der Universit&#228;t gestaffelt aber trotzdem am Zeitschriftentitel orientiert sind, werden sich die Bibliotheken nur dadurch gegen die laufenden Kostenerh&#246;hungen wehren k&#246;nnen, wenn sie von Zeit zu Zeit ihren Bestand an lizenzierten Titeln &#252;berpr&#252;fen und anhand der &#8222;Rentabilit&#228;tsrechnung&#8220; die &#8222;nicht rentablen&#8220; Titel abbestellen. Liegen Knebelvertr&#228;ge vor, die Abbestellungen aus Titelgesamtheiten nicht zulassen, wird dies zur Folge haben, dass die Bibliotheken diese Vertr&#228;ge von Zeit zu Zeit k&#252;ndigen und nach entsprechender Karenzzeit mit einem verringerten und ver&#228;nderten Titelbestand einen neuen Vertrag schlie&#223;en. Dies kann zur Folge haben, dass die einzelnen Titel, die im Folgevertrag weitergef&#252;hrt werden, teurer sind als im Vorg&#228;ngervertrag. Wenn der neue Vertrag weniger Titel umfasst, kann er wieder f&#252;r eine Weile eine Basis f&#252;r den Zeitschriftenbezug abgeben. Die Bibliotheken werden bei der derzeitigen Vertragsstruktur auf Dauer keine andere M&#246;glichkeit haben, als die Vertr&#228;ge von Zeit zu Zeit zu k&#252;ndigen und den Titelbestand auszud&#252;nnen. Dies ist nicht nur erforderlich, um die steigenden Kosten zu reduzieren und den M&#246;glichkeiten des Etats anzupassen, sondern auch um Ver&#228;nderungen im Titelbestand durchzuf&#252;hren, die durch Ver&#228;nderungen im Forschungsinteresse der Universit&#228;tsangeh&#246;rigen erforderlich werden.</Pgraph>
      <SubHeadline>Nutzenabh&#228;ngige Gesch&#228;ftsmodelle</SubHeadline>
      <Pgraph>Um den dargelegten Problemen begegnen zu k&#246;nnen, sollte gepr&#252;ft werden, ob nicht andere, f&#252;r die Bibliotheken wie f&#252;r die Verlage zweckm&#228;&#223;igere Gesch&#228;ftsmodelle entwickelt werden k&#246;nnen.</Pgraph>
      <Pgraph>Untersucht man die Nutzung elektronischer Zeitschriften, ist festzustellen, dass der gr&#246;&#223;te Anteil der Zeitschriftennutzung sich auf wenige Titel konzentriert. Die Mehrzahl der Zeitschriftentitel weisen nur eine geringe bis gar keine Nutzung auf. Wenn man unter diesen Bedingungen die &#8222;unrentablen&#8220; Zeitschriften abbestellt, bleiben nur wenige Zeitschriften im &#8222;Titelportfolio&#8220; &#252;brig. F&#252;r die Bibliothek ist es &#8222;rentabel&#8220;, den gr&#246;&#223;ten Teil der Zeitschriften abzubestellen und ihren Benutzern die Einzelartikelbeschaffung zu finanzieren, solange f&#252;r die Zeitschriftentitel unabh&#228;ngig von der Nutzung bezahlt werden muss. </Pgraph>
      <Pgraph>Um ein alternatives Gesch&#228;ftsmodell zu entwickeln, kann man davon ausgehen, dass die Kosten-Nutzen-Relation der intensiv genutzten Zeitschriften ein brauchbarer Ausgangspunkt ist. Die Kosten f&#252;r die Artikelabrufe dieser Zeitschriften liegen im unteren einstelligen Euro-Bereich und liegen damit in der Gr&#246;&#223;enordnung von 10 Prozent der Pay-per-View-Kosten der derzeitigen Verlagsangebote. Daraus abgeleitet k&#246;nnten Gesch&#228;ftsmodelle entwickelt werden, die ausgehend von einem Kern intensiv genutzter Zeitschriften wie bisher mit titelbezogenen Abonnementspreisen bezahlt werden. Wenn man nun in einem Vertrag diese &#8222;rentablen&#8220; Zeitschriften lizenziert und weitere Zeitschriften in die Lizenz einbezieht, f&#252;r die aber nur Preise festgesetzt werden, die der marginalen Nutzung entsprechen, h&#228;tten die Verlage den Vorteil, dass diese Zeitschriften in viel gr&#246;&#223;erem Umfang f&#252;r die Nutzung bereit gestellt werden w&#252;rden, als dies heute bei den titelbezogenen Gesch&#228;ftsmodellen m&#246;glich ist. Damit w&#252;rde die punktuelle Nutzung in vielen Einrichtungen m&#246;glicherweise insgesamt zu einer gr&#246;&#223;eren Nutzung f&#252;hren als dies beim bisherigen auf Zeitschriftentitel bezogenen Gesch&#228;ftsmodell m&#246;glich ist. Die Bibliotheken h&#228;tten den Vorteil, dass sie ihren Benutzern eine viel gr&#246;&#223;ere Titelvielfalt anbieten k&#246;nnten, unabh&#228;ngig, aus welcher der angebotenen Zeitschriften der eine oder andere Artikel von Interesse ist. Die Bibliotheksbenutzer k&#246;nnten die sie interessierenden Artikel direkt von ihrem Arbeitsplatz abrufen und m&#252;ssten sich auch bei Artikeln aus sonst nicht interessierenden Zeitschriften nicht mit &#8222;Pay-per-View&#8220; und &#228;hnlichen umst&#228;ndlichen Beschaffungswegen m&#252;hen.</Pgraph>
      <SubHeadline>Perspektive</SubHeadline>
      <Pgraph>Die bisher angebotenen Gesch&#228;ftsmodelle f&#252;hren dazu, dass die Bibliotheken einen immer geringeren Anteil des st&#228;ndig wachsenden Artikelangebotes aus Zeitschriften ihren Benutzern schnell und umkompliziert bereitstellen k&#246;nnen. Ein wachsender Anteil der Zeitschriftenliteratur wird mit den bisherigen Gesch&#228;ftsmodellen nicht im direkten Zugriff angeboten werden k&#246;nnen. Deshalb ist es erforderlich, neue Gesch&#228;ftsmodelle zu entwickeln, die es den Bibliotheken erm&#246;glichen, ihren Benutzern eine gro&#223;e Literaturvielfalt bei bezahlbaren Kosten anzubieten, und den Verlagen erm&#246;glichen, die Zeitschriften aus den Erl&#246;sen finanzieren zu k&#246;nnen. Je l&#228;nger die alten Gesch&#228;ftsmodelle beibehalten werden, desto schneller werden alternative Publikationsformen in der Wissenschaft an Bedeutung gewinnen.</Pgraph>
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