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<GmsArticle>
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    <Identifier>mbi000080</Identifier>
    <ArticleType>Fallbericht</ArticleType>
    <TitleGroup>
      <Title language="de">Fernleihe schneller als Subito</Title>
    </TitleGroup>
    <CreatorList>
      <Creator>
        <PersonNames>
          <Lastname>Obst</Lastname>
          <LastnameHeading>Obst</LastnameHeading>
          <Firstname>Oliver</Firstname>
          <Initials>O</Initials>
          <AcademicTitle>Dr.</AcademicTitle>
        </PersonNames>
        <Address>Zweigbibliothek Medizin, Universit&#228;ts- &#38; Landesbibliothek, Domagkstrasse 9, 48149 M&#252;nster, Deutschland, Tel: &#43;49&#47;251.83-58550, Fax: &#43;49&#47;251.83-52583<Affiliation>Zweigbibliothek Medizin, Universit&#228;ts- &#38; Landesbibliothek, M&#252;nster, Deutschland</Affiliation></Address>
        <Email>obsto&#64;uni-muenster.de</Email>
        <Creatorrole corresponding="yes" presenting="no">author</Creatorrole>
      </Creator>
    </CreatorList>
    <PublisherList>
      <Publisher>
        <Corporation>
          <Corporatename>German Medical Science GMS Publishing House</Corporatename>
        </Corporation>
        <Address>D&#252;sseldorf</Address>
      </Publisher>
    </PublisherList>
    <SubjectGroup>
      <SubjectheadingDDB>610</SubjectheadingDDB>
    </SubjectGroup>
    <DatePublishedList>
      <DatePublished>20070921</DatePublished>
    </DatePublishedList>
    <Language>germ</Language>
    <SourceGroup>
      <Journal>
        <ISSN>1865-066X</ISSN>
        <Volume>7</Volume>
        <Issue>2</Issue>
        <JournalTitle>GMS Medizin - Bibliothek - Information</JournalTitle>
        <JournalTitleAbbr>GMS Med Bibl Inf</JournalTitleAbbr>
        <IssueTitle>Nationallizenzen</IssueTitle>
      </Journal>
    </SourceGroup>
    <ArticleNo>28</ArticleNo>
  </MetaData>
  <OrigData>
    <Abstract language="de" linked="yes">
      <Pgraph>In diesem Fallbericht wird vordergr&#252;ndig beschrieben, welche verschlungenen Wege eine Artikelanfrage nehmen kann, bevor sie letztendlich positiv beantwortet wird. Im Eigentlichen geht es a) um die Beschreibung der dabei gemachten Fehler, die zu teils langwierigen Umwegen in der Beschaffung f&#252;hren, b) um die jederzeit m&#246;glichen und offen stehenden Abk&#252;rzungen und c) um die Verbesserung der internen und externen Abl&#228;ufe. </Pgraph>
    </Abstract>
    <Abstract language="en" linked="yes">
      <Pgraph>On the first glimpse, this case report described the devoured way of an article request, before it is finally processed. However, the main goal is actually the description of a) the errors made as the article was processed (which lead to partly lengthy detours in the delivery), b) the possible short-cuts, and c) the improvement of the internal and external operational sequences.</Pgraph>
    </Abstract>
    <TextBlock linked="yes" name="Fernleihe schneller als Subito">
      <MainHeadline>Fernleihe schneller als Subito</MainHeadline>
      <SubHeadline>Setting</SubHeadline>
      <Pgraph>Dipl.Ing. Horst L. - Angeh&#246;riger der Universit&#228;t M&#252;nster und Benutzer der Zweigbibliothek Medizin - ist ein gefragter Experte f&#252;r Digitale Radiographie. Auf dem 88. Deutschen R&#246;ntgenkongress in Berlin, 16. - 19. Mai 2007 (<Hyperlink href="http:&#47;&#47;www.roentgenkongress.de&#47;">http:&#47;&#47;www.roentgenkongress.de&#47;</Hyperlink>), soll er mehrere Vortr&#228;ge halten, darunter einen &#252;ber die Qualit&#228;tssicherung am Referenzzentrum Mammographie in M&#252;nster. Dieses vor 1&#189; Jahren angelaufene Projekt dient als Steuerungsinstrument f&#252;r das gesamte Mammographiescreening in Nordrhein-Westfalen. Mit 6850 Teilnehmern ist der R&#246;ntgenkongress die zentrale Plattform f&#252;r den wissenschaftlichen Austausch von Radiologen aus Deutschland und den Nachbarl&#228;ndern. F&#252;r Herrn L. und das Mammographiezentrum ist es der wichtigste Tag im Jahr. Hier k&#246;nnen sie ihre Ergebnisse vor der gesamten wissenschaftlichen &#214;ffentlichkeit pr&#228;sentieren. Am Donnerstag &#8211; knapp 2 Tage vor seinem Vortrag - erf&#228;hrt Herr L. von einer gerade frisch erschienenen Schweizer Studie: &#8222;Sie hatten verschiedene Detektoren miteinander verglichen, und ein ganz klares Plus f&#252;r einen herausgefunden, das h&#228;tte sehr sch&#246;n in meinen Vortrag gepasst.&#8220; Doch wie nur an den vollst&#228;ndigen Artikel herankommen&#63; Die Uhr f&#228;ngt an zu ticken &#8211; es ist Donnerstag Nachmittag, in 40 Stunden soll er seinen Vortrag halten, und ihm fehlt diese wichtige Literaturstelle. </Pgraph>
      <SubHeadline>Ablauf</SubHeadline>
      <SubHeadline2>1. M&#252;nster: Ein Anruf</SubHeadline2>
      <Pgraph>Donnerstag: Der erste Anruf gilt Frau B., Dokumentationsassistentin am Mammographiezentrum. Sie kennt sich gut mit PubMed aus und hat bereits so manche Literaturstelle ausfindig gemacht: &#8222;Herr L. konnte mir nur grobe Angaben zu der Literaturstelle machen: In der M&#228;rzausgabe von Medical Physics g&#228;be es einen Artikel &#252;ber Detective Quantum Efficiency.&#8220; Frau B. gelingt es zwar, den Artikel in PubMed aufzusp&#252;ren, kann aber nicht auf ihn zugreifen: Ihr wird eine Login-Seite angezeigt (1). Offensichtlich steht der Artikel weder frei zur Verf&#252;gung (Open Access) noch besitzt die Universit&#228;t ein Abonnement dieser Zeitschrift: &#8222;Ich stand vor einer Wand. Das war grausam.&#8220; (2) Frau B. schickt die Ergebnisse ihrer Suche nach Berlin, vielleicht hat ja Herr L. einen Zugangscode f&#252;r Medical Physics&#63; </Pgraph>
      <Pgraph>
        <Mark1>Kommentar:</Mark1>
        <Mark2> (1) Auf dieser Seite h&#228;tte Frau B. den Artikel via Commerce-AIP-Store f&#252;r 23 US-Dollar per Kreditkarte kaufen k&#246;nnen. Dazu ist sie jedoch vom Institut nicht autorisiert. Eine private Kreditkarte hat sie auch nicht, noch eine institutionelle. </Mark2>
      </Pgraph>
      <Pgraph>
        <Mark2>(2) Frau B. hat nat&#252;rlich weder die EZB noch die ZDB geschweige denn die lokale Zeitschriftensuche auf der Homepage der Bibliothek bem&#252;ht. Der Login-Screen auf der Seite der Zeitschrift reicht ihr f&#252;r eine Negativaussage. Nun gibt es zwar eine gewisse Wahrscheinlichkeit, aber absolut keine Regel: Login-Fenster &#61; Kein Zugang. Ausnahmen existieren durchaus wie z.B. andere Zugangsseiten (OVID-Titel), passwortgesch&#252;tzte Zeitschriften, usw.</Mark2>
      </Pgraph>
      <SubHeadline2>2. Berlin: WLAN und VPN</SubHeadline2>
      <Pgraph>Herr L. geht im Hotelzimmer mit seinem Laptop per WLAN ins Internet und loggt sich erfolgreich &#252;ber eine VPN-Verbindung ins Hochschulnetz M&#252;nster ein. Eine normale Internetverbindung &#252;ber die Telekom oder deren Mitbewerber reicht nicht, da der Zugang zu dieser kostenpflichtigen Zeitschrift &#252;ber die IP-Adresse der jeweiligen Hochschule authentifiziert wird. Auch er bekommt keinen Zugang zu Medical Physics. (3)</Pgraph>
      <Pgraph>
        <Mark1>Kommentar:</Mark1>
        <Mark2> (3) Herr L. h&#228;tte zu diesem Zeitpunkt noch eine subito-Eilbestellung machen k&#246;nnen. Aber er hat keinen subito-Account und wei&#223; auch nicht um diese M&#246;glichkeit &#8211; im Gegensatz zu zahlreichen seiner Institutskollegen, die regelm&#228;&#223;ig bei subito bestellen.</Mark2>
      </Pgraph>
      <SubHeadline2>3. Geht nicht - gibt&#8217;s nicht</SubHeadline2>
      <Pgraph>Freitag, 7:30 Uhr: Als Frau B. am n&#228;chsten Morgen ihre E-Mails abruft, ist ein dringender Notruf von Herrn L. dabei: &#8222;Ich brauche den Artikel heute bis sp&#228;testens 15 Uhr, sonst ist Holland in Not. Geht nicht, gibt&#8217;s nicht&#33;&#8220; Frau B. erinnert sich: &#8222;Ich war schlagartig hellwach und habe nur noch gedacht: Jetzt ist Alarm angesagt&#33;&#8220; </Pgraph>
      <SubHeadline2>4. Die Bibliothek kommt ins Spiel</SubHeadline2>
      <Pgraph>Freitag, 8:00 Uhr: Frau B. sucht und findet auf der Seite der ZB Med K&#246;ln die Super-Eillieferung von Artikeln. Doch 25,50 Euro m&#246;chte sie nicht ausgeben, dazu f&#252;hlt sie sich auch nicht autorisiert. So surft sie zur Seite der Zweigbibliothek Medizin M&#252;nster und findet dort den kostenfreien subito-Dienst (die Bibliothek &#252;bernimmt seit 1999 die Kosten f&#252;r dienstliche Bestellungen). Sie schreibt eine Email an die Auskunft und wird auf das subito-Anmeldeformular hingewiesen. (4) Sie meldet sich per Fax bei diesem Service an. (5) Um sofort freigeschaltet zu werden, telefoniert sie mit Herrn F., dem subito-Beauftragten der Zweigbibliothek. (6)</Pgraph>
      <Pgraph>
        <Mark1>Kommentar:</Mark1>
        <Mark2> (4) Frau B. benutzt eine alte Emailadresse, die schon ein Jahr nicht mehr g&#252;ltig ist. Durch Zufall erreicht die Mail aber trotzdem den richtigen Ansprechpartner. Es ist nicht klar, ob die Mail noch irgendwo auf der Webseite stand oder eine alte Email von der Bibliothek als Reply benutzt wurde.</Mark2>
      </Pgraph>
      <Pgraph>
        <Mark2>(5) Das vom Uniklinikum betriebene Referenzzentrum hat nat&#252;rlich eine eigene Homepage und eigene Email-Adressen (xyz&#64;referenzzentrum-ms.de), die keine Zugeh&#246;rigkeit zur Universit&#228;t erkennen lassen. Frau B. wird darum von der subito-Anmeldung zun&#228;chst abgewiesen. Sie gibt dann die Uni-M&#252;nster-Emailadresse einer Kollegin ein. Nun wird die Anmeldung abgewiesen, weil Name und Email nicht &#252;bereinstimmen. Endlich &#8211; nach einigen Telefonaten &#8211; klappt es.</Mark2>
      </Pgraph>
      <Pgraph>
        <Mark2>(6) Angesichts der Deadline k&#228;me eine subito-Bestellung theoretisch nicht mehr rechtzeitig. Selbst eine Eilbestellung w&#252;rde 24 Stunden ben&#246;tigen. Au&#223;erdem ist morgen Samstag. Ein Freitags bestellter Artikel w&#252;rde also &#8211; de jure - fr&#252;hestens am Montag ausgeliefert. De facto k&#246;nnen subito-Eilbestellung &#8211; abh&#228;ngig von der Lieferbibliothek - auch schon mal innerhalb weniger Stunden erledigt werden. Ein Versuch w&#228;re es also wert &#8211; unter telefonischer R&#252;cksprache mit der Lieferbibliothek.</Mark2>
      </Pgraph>
      <SubHeadline2>5. subito</SubHeadline2>
      <Pgraph>Frau B. schafft es nicht, den Artikel &#252;ber subito zu bestellen. Sie telefoniert wieder mit dem subito-Beauftragten. Dieser versucht den Artikel ebenfalls zu bestellen und scheitert. Er gibt Frau B. daraufhin zur Auskunft, dass subito den gew&#252;nschten Artikel nicht liefern k&#246;nnte, da es ein &#8222;epub ahead of print&#8220;-Artikel sei, der vorab Online ver&#246;ffentlicht wurde (7). Er verweist sie auf den Leiter der Bibliothek, Herrn O. </Pgraph>
      <Pgraph>
        <Mark1>Kommentar:</Mark1>
        <Mark2> (7) Die Ursache dieses Missverst&#228;ndnisses ist unklar. Es handelt sich um einen Standard-Artikel, der bereits in der M&#228;rz-Ausgabe 2007 erschienen war. Die resultierende Aussage ist dann allerdings wieder richtig: subito kann den Artikel nicht (rechtzeitig) liefern.</Mark2>
      </Pgraph>
      <SubHeadline2>6. Der direkte Weg</SubHeadline2>
      <Pgraph>Frau B. ruft Herrn O. an und schickt ihm die bibliographischen Angaben, es ist 9:00 Uhr. Herr O. checkt als erstes den Bestand vor Ort, Medical Physics scheint tats&#228;chlich weder an der Zweigbibliothek Medizin in M&#252;nster noch an einem Institut vorhanden zu sein. (8) Subito scheidet aus, da der Dienst zu langsam f&#252;r die kurze Deadline ist. (9) In der ZDB sind nur eine Handvoll von Bibliotheken in Deutschland mit einem Abonnement zu dieser Zeitschrift nachgewiesen, darunter H. Er ruft eine Bekannte in der Bibliothek H. an und schildert den Fall. Keine halbe Stunde sp&#228;ter liegt der Artikel auf seinem Schreibtisch. (10) Er leitet ihn sofort an Frau B. weiter. Sie ist ziemlich erleichtert: &#8222;Vielen Dank f&#252;r die super schnelle Hilfe, Sie haben mein Leben gerettet&#33;&#8220; </Pgraph>
      <Pgraph>
        <Mark1>Kommentar:</Mark1>
        <Mark2> (8) Keiner hat ihn informiert, was vorher gelaufen ist. So muss er wieder bei Null anfangen. Aber nach der Devise: &#8222;Sicher ist sicher&#8220; ist das sowieso besser.</Mark2>
      </Pgraph>
      <Pgraph>
        <Mark2>(9) Selbst jetzt k&#246;nnte eine subito-Eilbestellung noch Erfolg haben (Kommentar 6). Aber unter Zeitdruck w&#228;hlt Herr O. lieber den direkten Weg.</Mark2>
      </Pgraph>
      <Pgraph>
        <Mark2>(10) Einfacher w&#228;re die Lieferung der PDF-Datei, wenn die Zeitschrift elektronisch abonniert wird. Doch manche Lizenzvertr&#228;ge untersagen explizit die Nutzung von PDFs f&#252;r die Fernleihe. Andere Verlage wiederum erlauben die Versendung von PDFs, aber nur durch die Autoren selber. Die Regelungen sind heterogen und un&#252;bersichtlich; das Einscannen und elektronische Verschicken des Artikels ist bis zur Ver&#246;ffentlichung des neuen Urheberrechts im Bundesblatt in jedem Fall legal.</Mark2>
      </Pgraph>
      <SubHeadline2>7. Wieder in Berlin</SubHeadline2>
      <Pgraph>In Berlin ist es gerade 10 Uhr, als die Email mit dem Artikel im Postfach von Herrn L. eintrifft. Nun kann er den Artikel in Ruhe lesen und die Abbildungen in seinen Vortrag einbauen: &#8222;Durch diese rasanten M&#246;glichkeiten hat man keine Ausreden mehr, nicht top-aktuell zu sein. Dann kann allerdings auch jede Frage kommen und man ist immer gut vorbereitet.&#8220; Samstag Morgen um 8:36 Uhr ist er definitiv gut vorbereitet. 250 Zuh&#246;rer profitieren von dem hochaktuellen Vortrag - auch wenn sie nicht wissen, wer alles daran mitgewirkt hat.</Pgraph>
      <SubHeadline>Lehren</SubHeadline>
      <Pgraph>Je weiter die Zeit fortschreitet, umso geringer werden die Alternativen, bis man zum Schluss fast keine hat, au&#223;er spektakul&#228;re (und zeitaufwendige) Wege zu beschreiten. Das Manko ist wie immer die fehlende Informationskompetenz, das fehlende Wissen um bibliothekarische Dienstleistungen, die zum Standardrepertoire geh&#246;ren. Die Bibliothek muss offensiver werden, der Nutzer muss besser informiert und geschult werden. Als Konsequenz hat die Bibliothek ihre Aktivit&#228;ten in der Klinik sowie die formelle Informationspolitik intensiviert, um das Wissen &#252;ber die Dienste, Ansprechpartner und Emailadressen zu verbessern. Die Zugangskontrolle zu den Diensten muss weiter vereinfacht und verdeutlicht werden, sonst scheitert man bereits bei der Anmeldung an einer dummen Emailadresse.</Pgraph>
      <Pgraph>Dieser Fall demonstriert eindr&#252;cklich die Wichtigkeit der Emaillieferung von Artikel. Auf Post oder Fax angewiesen, h&#228;tte Herrn L. bei dieser Stillen Post zum Schluss nur etwas h&#246;chst Unleserliches in den H&#228;nden gehalten.</Pgraph>
    </TextBlock>
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