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      <Title language="de">E-Mail-Support in Bibliotheken &#8211; Lernen von den Profis. 99 Tipps, wie Sie sich Arbeit, Verantwortung und Nutzer&#42;innen vom Leib halten</Title>
      <TitleTranslated language="en">E-mail support in libraries &#8211; learning from the professionals. 99 tips to avoid work, responsibilities and users</TitleTranslated>
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      <SectionHeading language="de">Online-Jahrestagung der AGMB 2021</SectionHeading>
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    <DatePublished>20211220</DatePublished></DatePublishedList>
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      <AltText language="en">This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 License.</AltText>
      <AltText language="de">Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung).</AltText>
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        <ISSN>1865-066X</ISSN>
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        <JournalTitle>GMS Medizin - Bibliothek - Information</JournalTitle>
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    <TextBlock linked="yes" name="E-Mail-Support in Bibliotheken &#8211; Lernen von den Profis">
      <MainHeadline>E-Mail-Support in Bibliotheken &#8211; Lernen von den Profis</MainHeadline><Pgraph>Dank Corona ist E-Mail-Support gefragt wie nie &#8211; nachfolgend habe ich in einem Crashkurs exklusiv f&#252;r Medizinbi<TextGroup><PlainText>b</PlainText></TextGroup>liothekar&#42;innen der AGMB die wichtigsten Regeln f&#252;r ein erfolgreiches Serviceangebot zusammengestellt. Die Inhalte basieren auf der superquantencloudcomputerischen Auswertung von 20.000 Customer-Support-Nachrichten gro&#223;er Verlage und Wissensanbieter, mit denen wir alle tagt&#228;glich zu tun haben. Lernen Sie von den Profis&#33;</Pgraph><SubHeadline>Kein Mail ist das beste Mail</SubHeadline><Pgraph>Wenn Sie keine Arbeit mit der Beantwortung von Mails haben wollen, ist die wichtigste Regel, dass Sie von vornherein vermeiden, &#252;berhaupt Mails zu bekommen. Schlimm genug, dass ihre Chefin schon wieder schreibt oder LinkedIn die Gesch&#228;ftsbedingungen aktualisiert &#8211; es ist v&#246;llig klar, dass Sie da nicht auch noch Zeit f&#252;r Nachrichten von Nutzer&#42;innen haben.</Pgraph><Pgraph>Fangen Sie mit der Mailvermeidung am besten gleich auf Ihrer Webseite an: Halten Sie sich bedeckt, geben Sie keine Namen, Mailadressen oder telefonischen Kontaktm&#246;glichkeiten an, die den Eindruck erwecken k&#246;nnten, dass sich tats&#228;chlich ein Mensch  um das Problem ihrer Nutzer&#42;innen k&#252;mmern k&#246;nnte. So halten Sie Erwartungen gering, dass eine Anfrage eine Reaktion hervorrufen k&#246;nnte und tats&#228;chlich schlie&#223;en viele Nutzer&#42;innen das Browserfenster in so einer Situation wieder und erkennen, dass der Grund f&#252;r Ihre Supportanfrage doch nicht so wichtig gewesen ist.</Pgraph><Pgraph>Verwenden Sie Anfrageformulare, so dass jede&#42;r gezwungen ist, seine Absenderdaten bei jeder Anfrage erneut h&#228;ndisch einzugeben &#8211; so schrecken Sie Nutzer&#42;innen ab, die ohnehin nicht genug Leidensf&#228;higkeit f&#252;r Ihren Service haben. Je mehr Felder Sie dabei verwenden, desto besser. Sie k&#246;nnen damit den Eindruck von individueller und spezifischer Betreuung der Anfrage erwecken (Geben Sie Namen und die 15-stellige Versionsnummer Ihres Browsers ein &#8230;) und gleichzeitig ohne eigenen Mehraufwand die zeitlichen Kosten f&#252;r die Nutzer&#42;innen in die H&#246;he treiben.</Pgraph><Pgraph>Geben Sie Nutzer&#42;innen m&#246;glichst vielf&#228;ltige und demoralisierende Aufgaben, die sie bew&#228;ltigen m&#252;ssen, bevor sie tats&#228;chlich die M&#246;glichkeit haben, Sie mit einer Anfrage zu bel&#228;stigen: Etwa das Lesen von langen Listen von FAQ &#8211; das ist nicht nur zeitaufw&#228;ndig, sondern suggeriert Nutzer&#42;innen auch, dass ihre eigene Frage vermutlich auch nur eine von den &#8222;h&#228;ufigen&#8220;, gew&#246;hnlichen, unwichtigen, nat&#252;rlich bereits beantworteten Fragen ist, mit denen Sie sich eben herumschlagen m&#252;ssen. Oder das L&#246;sen von &#8222;I&#8217;m not a robot&#8220;-Captchas im Anschluss an l&#228;ngere Eingaben &#8211; wenn hier etwas schiefgeht, versuchen Nutzer&#42;innen es bestimmt kein zweites Mal. Oder fordern Sie r&#228;tselhafte Selbstzuordnungen der Nutzer&#42;innen (bin ich &#8222;Institutionskunde&#8220; oder &#8222;Wissenschaftler&#8220; oder &#8222;Autor&#8220; oder &#8222;Bibliothekar&#8220; oder &#8222;Abonnent&#8220;, bin ich in der Support-Region &#8222;Eastern Europe and Middle Asia&#8220; oder &#8222;USA, UK, Western Europe&#8220;) oder, oder, oder &#8211; seien Sie kreativ&#33;</Pgraph><SubHeadline>Wenn sich Arbeit nicht mehr vermeiden l&#228;sst</SubHeadline><Pgraph>Sollte doch mal ein E-Mail Ihre Abwehrma&#223;nahmen durchdringen &#8211; reagieren Sie schnell&#33; Oder besser gesagt, lassen Sie Ihr System schnell reagieren, Sie selbst sind ja mit wichtigeren Dingen besch&#228;ftigt, das d&#252;rfen Nutzer&#42;innen ruhig merken. Eine automatische Antwort an Absender&#42;innen von Support-Anfragen kann auf vielf&#228;ltige Weise helfen: Mit der automatischen Antwort haben Sie die Erwartung an eine schnelle Reaktion bereits erf&#252;llt, jetzt k&#246;nnen Sie bequem selbst entscheiden, wann und ob Sie reagieren. Versprechen Sie in der automatischen Antwort am besten eine konkrete Frist, binnen der Sie reagieren werden &#8211; und lassen Sie diese nat&#252;rlich verstreichen. Nutzer&#42;innen machen so gleich am Anfang des Support-Prozesses die pr&#228;gende Erfahrung von gro&#223;er Hoffnung und Entt&#228;uschung. Da sie bei weiteren Mails ja immer wieder die gleiche automatische E-Mail bekommen, entsteht ein Zustand tiefer Hilflosigkeit &#8211; ideale Voraussetzung zur Abwehr von Anliegen.</Pgraph><Pgraph>Ganz wichtig: Verwenden Sie eine &#8222;no-reply&#8220;-Mailadresse&#33; Dass Sie &#252;berhaupt f&#252;r andere Menschen erreichbar sein m&#252;ssen, ist eine berufliche B&#252;rde, deren Er&#246;rterung den Rahmen dieses Texts sprengen w&#252;rde, dass Sie aber f&#252;r Nutzer&#42;innen direkt erreichbar sein sollen, m&#252;ssen Sie unbedingt vermeiden. Sie bestimmen die Regeln, wer Ihnen schreibt und zu welchem Thema (siehe oben zu Anfrageformularen) &#8211; und was gibt es da besseres als eine &#8222;no-reply&#8220;-Mailadresse&#63; Sie wirkt f&#252;r naive Nutzer&#42;innen wie eine rein technische Notwendigkeit, ist aber doch wirksames Machtinstrument. </Pgraph><Pgraph>Antworten Sie nie auf die gestellten Fragen, verwenden Sie stattdessen Standardtexte oder schreiben Sie einfach, was Ihnen durch den Kopf geht, solange es zumindest klingt wie eine Antwort. Die Besch&#228;ftigung mit den Problemen der Nutzer&#42;innen ist eine anstrengende und schwierige T&#228;tigkeit, nochzumal mit der oft &#252;berh&#246;hten Erwartung der Anfragenden, ein Problem k&#246;nnte tats&#228;chlich gel&#246;st werden. Dabei ist die Grundsituation doch sehr einfach: Ihr System und Ihre Services sind perfekt und funktionieren fehlerfrei &#8211; daher liegt die Ursache und Schuld f&#252;r ein Problem sicher bei den Nutzer&#42;innen und kann vielf&#228;ltige Ursachen haben, vors&#228;tzliche Dummheit beispielsweise oder nicht optimal konfigurierte technische Ausstattung. Versuchen Sie auf keinen Fall, sich hier einzumischen&#33;</Pgraph><Pgraph>Achtung Notfall: Sollte rein theoretisch &#8211; etwa durch einen Dritten &#8211; mal tats&#228;chlich ein Fehler in Ihrem Produkt oder Ihrer Kommunikation auftreten, den Sie nicht dem oder der Nutzer&#42;in zuschieben k&#246;nnen, so ist ein sensibles Wording von h&#246;chster Wichtigkeit, um dennoch den Eindruck zu vermeiden, Sie seien f&#252;r diesen Zustand verantwortlich. Das Zauberwort hei&#223;t &#8222;Missverst&#228;ndnis&#8220;&#33; &#8222;Missverst&#228;ndnisse&#8220; k&#246;nnen ja jedem passieren und einem &#8222;Missverst&#228;ndnis&#8220; zu widersprechen, hie&#223;e ja, als streitlustig dazustehen. Wenn Sie von einem &#8222;Missverst&#228;ndnis&#8220; sprechen, haben Sie es doch noch mal geschafft, Verantwortung zu vermeiden&#33;</Pgraph><SubHeadline>Wie man Nutzer&#42;innen wieder los wird</SubHeadline><Pgraph>Manche verstehen leider auch die deutlichsten Hinweise nicht und werden hartn&#228;ckig versuchen, durch weitere E-Mails eine L&#246;sung f&#252;r ihr Problem zu ertrotzen. Lassen Sie sich dadurch nicht beunruhigen oder gar zu Bem&#252;hungen n&#246;tigen, es gibt erprobte Mittel und Wege, um Nutzer&#42;innen auch in diesem Stadium noch loszuwerden.</Pgraph><Pgraph>Eine klassische Methode, die bereits in Zeiten des gedruckten Briefs funktioniert hat, ist das Nichtanworten. Am besten, Sie lesen eingehende Mails gar nicht erst (Sie haben ja eh eine automatisierte Antwort), in jedem Falle antworten Sie einfach nicht. Irgendwann verstehen die meisten, dass hier nicht mehr mit einer Reaktion zu rechnen ist. Laut internationalen Studien greifen dann nur etwa 8&#37; zu anderen Methoden der Supportn&#246;tigung, wie etwa dem Telefon (geben Sie daher NIEMALS Ihre Telefonnummer in Ihrer Kommunikation an).</Pgraph><Pgraph>Etwas trickreicher ist die Methode der Arbeitsumkehr: Statt das Problem des&#47;der Nutzer&#42;in zu l&#246;sen, drehen Sie den Spie&#223; um und fordern Anfragende auf, ihrerseits aufw&#228;ndige Tasks zu erledigen, die f&#252;r die L&#246;sung des Problems notwendig seien, etwa das Zur&#252;cksetzen des Passworts, das Update auf eine aktuelle Browserversion oder gleich einen neuen Browser (auf diese Weise werfen Sie viele Nutzer&#42;innen aus Firmennetzwerken gleich mal aus dem Rennen &#8211; Gratulation&#33;) Mit der Neuinstallation von Programmen oder Windows sind dann auch erfahrene Nutzer&#42;innen erst mal f&#252;r eine Weile besch&#228;ftigt, gerade bei diesen wirkt hier die Kombination aus dem Bewusstsein f&#252;r die Sinnlosigkeit der Aufgabe und dem moralischen Dilemma, kein Anrecht auf weitere Supportbem&#252;hungen Ihrerseits zu haben, ohne die &#8222;notwendigen&#8220; Schritte ausgef&#252;hrt zu haben, besonders frustrierend und damit kommunikationsverk&#252;rzend.</Pgraph><Pgraph>Eine weitere, subtile Methode, Nutzer&#42;innen loszuwerden, ist, Ihre Antwortmails in englischer Sprache zu verfassen. Das wirkt professionell und weltm&#228;nnisch und f&#252;hrt die Nutzer&#42;innen bei einem Antwortversuch regelm&#228;&#223;ig in einen Strudel aus eigenen Minderwertigkeitsgef&#252;hlen &#252;ber mangelhafte Fremdsprachenkenntnisse, endlosen Zeitaufwand beim Nachschlagen von Begriffen im Lexikon und &#196;rger und Hilflosigkeit &#252;ber die Zumutung, gegen die man sich aber nicht wehren kann &#8211; denn wer kann heute kein Englisch&#63;</Pgraph><Pgraph>Unterzeichen Sie dann auch immer mit &#8211; wechselnden &#8211; Vornamen (Kind Regards, Denise, Chantal, Daniel, George, Ezra, Charlotte etc.). Die ungewohnte Vertrautheit und suggerierte Jugendlichkeit des Duzens (muss ich jetzt auch mit Sieglinde unterschreiben&#63; Vielleicht mit Sigi&#63;) in Verbindung mit dem Gef&#252;hl einer gesichtslosen Masse von sicher unglaublich netten und smarten Customer-Service-Agents mit Caff&#232; Latte in einem New Yorker Loft gegen&#252;berzustehen, l&#228;sst viele Nutzer&#42;innen geradezu kollabieren. Sie f&#252;hlen sich provinziell, bieder und alt, der Grund der Anfrage scheint pl&#246;tzlich trivial und unw&#252;rdig, vielleicht gehen sie auch nach Hause und weinen ein bisschen. Vor allem aber: Sie schreiben nicht mehr zur&#252;ck&#33; </Pgraph></TextBlock>
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