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    <IdentifierDoi>10.3205/mbi000467</IdentifierDoi>
    <IdentifierUrn>urn:nbn:de:0183-mbi0004671</IdentifierUrn>
    <ArticleType>Interview</ArticleType>
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      <Title language="de">Systematische Reviews aus epidemiologischer Sicht &#8211; Interview mit Dorle Hoffmann und Oliver Bayer</Title>
      <TitleTranslated language="en">Systematic reviews from an epidemiological perspective &#8211; interview with Dorle Hoffmann and Oliver Bayer</TitleTranslated>
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          <Affiliation>IMBEI, Institut f&#252;r Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik, Universit&#228;tsmedizin Mainz, Deutschland</Affiliation>
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          <AcademicTitle>Dr.</AcademicTitle>
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        <Address>Universit&#228;tsbibliothek Mainz, Bereichsbibliothek Universit&#228;tsmedizin, Langenbeckstr. 1, Geb&#228;ude 602, 55131 Mainz, Deutschland<Affiliation>Universit&#228;tsbibliothek Mainz, Bereichsbibliothek Universit&#228;tsmedizin, Mainz, Deutschland</Affiliation></Address>
        <Email>s.schweizer&#64;ub.uni-mainz.de</Email>
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      <SubjectheadingDDB>610</SubjectheadingDDB>
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      <Keyword language="de">Systematische Reviews</Keyword>
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      <Keyword language="de">Interview</Keyword>
      <SectionHeading language="de">Evidenzbasierte Medizin und Systematic Review</SectionHeading>
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    <DatePublished>20200901</DatePublished></DatePublishedList>
    <Language>germ</Language>
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      <AltText language="en">This is an Open Access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 License.</AltText>
      <AltText language="de">Dieser Artikel ist ein Open-Access-Artikel und steht unter den Lizenzbedingungen der Creative Commons Attribution 4.0 License (Namensnennung).</AltText>
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    <SourceGroup>
      <Journal>
        <ISSN>1865-066X</ISSN>
        <Volume>20</Volume>
        <Issue>1-2</Issue>
        <JournalTitle>GMS Medizin - Bibliothek - Information</JournalTitle>
        <JournalTitleAbbr>GMS Med Bibl Inf</JournalTitleAbbr>
        <IssueTitle>Evidenzbasierte Medizin und Systematic Review</IssueTitle>
      </Journal>
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    <ArticleNo>10</ArticleNo>
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  <OrigData>
    <Abstract language="de" linked="yes"><Pgraph>Im vorliegenden Interview geben die Epidemiolog&#42;innen Dorle Hoffmann und Oliver Bayer Einblick in ihre Erfahrungen mit systematischen Reviews bzw. damit verwandten Themen wie Metaanalysen. Sie beschreiben, wie sich die Aufgaben in den letzten Jahren Schritt f&#252;r Schritt erweitert haben und welchen Stellenwert die Vernetzung vor Ort spielt &#8211; insbesondere mit der medizinischen Bibliothek. Zuletzt wird im Interview dargestellt, welche Rolle Bibliothekar&#42;innen bei der Erstellung systematischer Reviews spielen k&#246;nnen und sie geben einen Einblick, wie sich die konkrete Zusammenarbeit in Mainz mit der Entwicklung eines Praxisleitfadens und gemeinsamer Schulungsangebote gestaltet.</Pgraph></Abstract>
    <Abstract language="en" linked="yes"><Pgraph>In this interview, epidemiologists Dorle Hoffmann and Oliver Bayer give an insight into their experience with systematic reviews and related topics such as meta-analyses. They describe how the tasks have expanded step by step in recent years and the importance of local networking &#8211; especially with the medical library staff. Finally, the interview describes the role librarians can play in the preparation of systematic reviews and gives an insight into how the cooperation in Mainz is progressing with the development of a practical guide and joint training courses.</Pgraph></Abstract>
    <TextBlock linked="yes" name="Interview">
      <MainHeadline>Interview</MainHeadline><Pgraph><Mark1>Wann und wie sind Sie das erste Mal mit dem Thema systematische Reviews in Ber&#252;hrung gekommen&#63; </Mark1></Pgraph><Pgraph><Mark3>O. Bayer:</Mark3> Das war 2013, ich hatte gerade meinen Master in Epidemiologie in Bordeaux abgeschlossen und sollte als frischgebackener wissenschaftlicher Mitarbeiter in Mainz zur Vorbereitung eines Projektes in kurzer Zeit ein systematisches Review inklusive Meta-Analyse zum Thema &#8222;Berufliche Expositionen und Larynxkarzinom&#8220; erstellen. Und das, obwohl ich w&#228;hrend meines Studiums das Thema systematische Literatur&#252;bersichten nur mal gestreift hatte&#33; Eine Meta-Analyse hatte ich damals noch nie gemacht. Das war eine gro&#223;e Baustelle und ich erinnere mich, dass ich  viele B&#252;cher und Artikel zur guten Methodik von Literaturrecherche gelesen und viele Kolleg&#42;innen aus der Statistik mit Fragen zu Meta-Analysen gel&#246;chert habe. </Pgraph><Pgraph><Mark3>D. Hoffmann:</Mark3> Kurz nach meinem Master in Epidemiologie kam ich im Rahmen meiner ersten T&#228;tigkeit in der Abteilung f&#252;r p&#228;diatrische Epidemiologie im Jahr 2018 zum ersten Mal mit systematischen Reviews in Kontakt. Ich erstellte im Zuge einer Auftragsforschung meine erste systematische Literaturrecherche. Dabei erhielt ich Unterst&#252;tzung von der Bibliothek der Universit&#228;tsmedizin Mannheim der Universit&#228;t Heidelberg. Die Unterst&#252;tzung reichte von der Erstellung der Suchstrategie mit bilateralen Absprachen und mehrfachen Testsuchen &#252;ber die finale Suche in Datenbanken bis hin zur &#220;bermittlung der identifizierten Treffer. Die Expertise eines Bibliothekars bei der Erstellung der Suchstrategie erleichterte den Prozess bis zur Suche enorm, r&#228;umte Fallstricke aus und war sehr wertvoll f&#252;r mich. Im weiteren Verlauf der systematischen Recherche konnte ich je nach Bed&#252;rfnis immer wieder auf die gut dokumentierte Suche zur&#252;ckgreifen. Ohne diese Unterst&#252;tzung w&#228;re ich nicht in der Lage gewesen, in einer so kurzen Zeit eine systematische Recherche durchzuf&#252;hren. </Pgraph><Pgraph><Mark1>Wie hat sich das Thema seither entwickelt&#63; </Mark1></Pgraph><Pgraph><Mark3>O. Bayer:</Mark3> In der Zwischenzeit habe ich mehrere Jahre bei der Evidenzaufbereitung f&#252;r eine S3-Leitlinie mitgewirkt. Dabei habe ich viel Erfahrung mit systematischer Literatursuche und Studienbewertung gesammelt. Au&#223;erdem bieten wir an unserem Institut (IMBEI) auch eine Fachberatung f&#252;r die Kliniker&#42;innen der Universit&#228;tsmedizin an. H&#228;ufig geht es da um statistische Beratung, aber es kommen auch immer wieder Anfragen zu systematischen Reviews rein. Diese landen oft bei mir. Das &#8222;Worst-Case-Szenario&#8220; sieht so aus: Ein narratives Review wurde im Peer-Review-Prozess abgelehnt und die Gutachter fordern f&#252;r eine Neueinreichung ein <Mark1>systematisches</Mark1> Review. Zu diesem Zeitpunkt ist das Kind leider schon in den Brunnen gefallen, aber dem&#47;den Kliniker&#42;innen ist die Dramatik der Forderung der Gutachter da oft noch nicht bewusst. Ich spreche dann Klartext und gemeinsam versuchen wir, das Kind aus dem Brunnen zu holen und zu &#8222;reanimieren&#8220;, indem wir den gesamten Prozess eines <Mark1>systematischen</Mark1> Reviews von A <TextGroup><PlainText>bis Z</PlainText></TextGroup> durcharbeiten. Nicht selten hadern die Kliniker&#42;innen, wenn ich ihnen sage, dass der Weg vom narrativen zum systematischen Review oft ein steiniger Weg von mehreren Wochen oder gar Monaten ist. Einige &#8222;Beratungsf&#228;lle&#8220; habe ich daraufhin nicht mehr wiedergesehen, wahrscheinlich, weil ihnen die Zeit f&#252;r eine ordentliche Methodik fehlte. </Pgraph><Pgraph><Mark1>Welche Themen stehen f&#252;r Sie im Rahmen der Beratung zu systematischen Reviews im Vordergrund&#63; Hat sich das im Laufe der Zeit ver&#228;ndert&#63;</Mark1></Pgraph><Pgraph><Mark3>O. Bayer:</Mark3> Bei Beratungsterminen bringen die Kliniker&#42;innen ihre fachspezifischen Themen f&#252;r ein systematisches Literaturreview mit. In der Regel gibt es bereits eine Hypothese oder eine Fragestellung, die zusammen noch gesch&#228;rft und ins PICO-Format &#252;bersetzt werden muss. Die meisten Mediziner-Kolleg&#42;innen haben zu diesem Zeitpunkt oft schon unstrukturiert in PubMed und Google (Scholar) gesucht und ben&#246;tigen dann Hilfe bei der Erstellung <Mark1>einer passenden Suchstrategie</Mark1>, die sensitiv aber auch hinreichend spezifisch ist (und damit nicht zu viele &#8222;falsch positive&#8220; Treffer liefert).<LineBreak></LineBreak>Wenn eine wissenschaftliche Publikation eines systematischen Reviews geplant ist &#8211; aber eigentlich gilt das f&#252;r JEDES systematische Review &#8211; kommt es auf eine saubere Methodik an: Erstellung der Suchstrategie, Peer-Review der Suchsyntax, begr&#252;ndete Auswahl der Datenbanken, korrekter Dubletten-Check, Abstract-Screening, Volltextsichtung und Anwendung der Ein- und Ausschlusskriterien bis hin zur Bewertung der Studienqualit&#228;t und ggf. die Durchf&#252;hrung einer Meta-Analyse. Dabei hat sich f&#252;r uns die verpflichtende Registrierung bei PROSPERO als hilfreiches Mittel erwiesen, um alle von uns betreuten systematischen Reviews auf ein methodisch solides Fundament zu stellen. Wer zu Beginn eines systematischen Reviews ein Protokoll auf der Grundlage des PRISMA-P Statements erstellt und dieses a priori ver&#246;ffentlicht, hat bereits alle wichtigen Elemente des Methodenteils einer Publikation beisammen. Ein Protokoll hilft auch die Arbeitsschritte chronologisch zu ordnen und allen Beteiligten ihre Aufgaben zuzuordnen. Heute halte ich es so: &#8222;Ohne Registrierung bei PROSPERO keine Beratung&#8220;.</Pgraph><Pgraph><Mark1>Sind Sie auch &#252;berregional vernetzt&#63;</Mark1></Pgraph><Pgraph><Mark3>O. Bayer:</Mark3> Aktuell ist das Thema systematische Reviews bei mir leider aus Zeitgr&#252;nden ein bisschen in den Hintergrund gerutscht, da ich einige Projekte im Bereich Epidemiologie &#38; Versorgungsforschung betreue. Dennoch bin ich bei diesem Thema weiterhin leidenschaftlich am Ball. Besonders die Zusammenarbeit mit den Kolleg&#42;innen aus der Bibliothek macht mir Spa&#223;. Zudem verfolge ich auch mit viel Interesse die Entwicklung neuer onkologischer S3-Leitlinien.</Pgraph><Pgraph><Mark3>D. Hoffmann&#47;O. Bayer:</Mark3> Ansonsten sind wir &#252;berregional bisher wenig vernetzt. Sicher noch zu wenig&#33; Seit einigen Monaten sind wir im E-Mail-Verteiler der &#8222;AG Evidenzba<TextGroup><PlainText>s</PlainText></TextGroup>ierte Medizin&#8220; der AGMB. Dort werden oft spannende Fragen, auch zum Thema systematische Reviews gestellt. Die Antworten und verschiedenen Perspektiven einzelner Mitglieder sind sehr bereichernd. Wir w&#252;rden uns &#252;ber neue Kooperationen zum Thema systematische Literaturrecherche und Entwicklung von kompakten, stark praxisorientierten Schulungen freuen. </Pgraph><Pgraph><Mark1>Mit welchen Berufsgruppen arbeiten Sie zusammen&#63;</Mark1> </Pgraph><Pgraph><Mark3>D. Hoffmann&#47;O. Bayer:</Mark3> In unserem Institut arbeiten viele Berufsgruppen unter einem Dach: Statistiker&#42;innen, Biometriker&#42;innen, Informatiker&#42;innen, medizinische Dokumentar&#42;innen, Gesundheitswissenschaftler&#42;innen, &#214;konom&#42;innen, Mediziner&#42;innen und sogar eine Apothekerin. Der Bereich systematische Reviews f&#228;llt vor allem in den T&#228;tigkeitsbereich der Epidemiolog&#42;innen und Statistiker&#42;innen. Besonders bereichernd finden wir die Zusammenarbeit mit den Bibliothekar&#42;innen der Bereichsbibliothek. </Pgraph><Pgraph><Mark1>Welche Rolle haben Bibliothekar&#42;innen in der Erstellung von systematischen Reviews&#63; Welche Unterst&#252;tzung w&#252;nschen Sie sich von den Bibliothekar&#42;innen&#63; </Mark1></Pgraph><Pgraph><Mark3>O. Bayer:</Mark3> Bibliothekar&#42;innen nehmen bei der Erstellung von systematischen Reviews eine ganz zentrale Rolle als Informationsspezialist&#42;innen ein. Die Erstellung von sensitiven Suchstrategien f&#252;r unterschiedlichste Datenbanken ist komplex und ben&#246;tigt Know-how, das wir als Epidemiolog&#42;innen nur in sehr begrenztem Umfang haben. Klinker&#42;innen haben noch weniger Zeit, um sich mit der Syntax einer Suche zu besch&#228;ftigen. Da sind Fehler und nicht-systematische Suchen&#47;Reviews vorprogrammiert. Gute systematische Reviews im Bereich Medizin entstehen aus meiner Sicht durch eine enge interdisziplin&#228;re Zusammenarbeit zwischen Kliniker&#42;innen, Bibliothekar&#42;innen und Methodiker&#42;innen. Epidemiolog&#42;innen kennen sich bestens mit Studiendesigns und der Bewertung von Bias (systematische Fehler&#47;Verzerrungen) aus, Statistiker&#42;innen k&#246;nnen bei einer Meta-Analyse weiterhelfen. Die Erstellung und Pr&#252;fung der Suchstrategien sind das Spezialgebiet unserer Kolleg&#42;innen der Bibliothek. Wir sehen da keine Konkurrenz, sondern eine wichtige Synergie hochspezialisierter Berufsgruppen. </Pgraph><Pgraph><Mark1>Wie kann Ihrer Meinung nach der Teilnahme einer Bibliothekarin oder eines Bibliothekars den Prozess der systematischen Reviews verbessern&#63; </Mark1></Pgraph><Pgraph><Mark3>O. Bayer:</Mark3> Ich kann die zentrale Rolle von Bibliothekar&#42;innen bei der Planung und Durchf&#252;hrung von systematischen Reviews nicht genug hervorheben. Informationsspezialist&#42;innen k&#246;nnen insbesondere zu Beginn dabei helfen, unn&#246;tige Arbeit zu vermeiden und so viel Zeit einzusparen. Ich sehe die Schnittstellen mit den Bibliothekar&#42;innen vor allem bei den folgenden Aufgaben: </Pgraph><Pgraph><UnorderedList><ListItem level="1">Hilfe bei der &#220;bersetzung der wissenschaftlichen Fragestellung ins PICO-Schema,</ListItem><ListItem level="1">Aufbau und Pilotierung der Suchstrategie auf Basis des PICO-Schemas,</ListItem><ListItem level="1">&#220;bersetzung der Suchstrategie in datenbankspezifische &#8222;advanced&#8220; Such-Syntaxen,</ListItem><ListItem level="1">Peer-Reviews von &#8222;fertigen&#8220; Such-Syntaxen (z.B. mit dem PRESS-Statement),</ListItem><ListItem level="1">Beratung bei der Auswahl von Datenbanken und Zugang zu professionellen Suchoberfl&#228;chen,</ListItem><ListItem level="1">Unterst&#252;tzung bei der Redaktion eines Protokolls zur Registrierung bei PROSPERO,</ListItem><ListItem level="1">Unterst&#252;tzung bei der Durchf&#252;hrung und detaillierten Protokollierung der Suchen (Datenbank, Suchdatum, Suchsyntax, Trefferzahlen),</ListItem><ListItem level="1">Export von Trefferlisten aus Datenbanken und Import in geeignete Literaturverwaltungssoftware (EndNote, Citavi, Zotero etc.),</ListItem><ListItem level="1">Unterst&#252;tzung oder Durchf&#252;hrung von Dubletten-Checks (z.B. Bramer-Methode <TextLink reference="1"></TextLink>),</ListItem><ListItem level="1">Beratung zur Suche von grauer Literatur (besonders bei Themen zu denen es wenig Literatur gibt),</ListItem><ListItem level="1">Beratung zu Software, die den Workflow des <TextGroup><PlainText>Titel-&#47;</PlainText></TextGroup>Abstract-Screenings und der Volltextsichtung unterst&#252;tzen kann (Covidence, Rayyan QCRI etc.), </ListItem><ListItem level="1">Schulung von Kliniker&#42;innen und anderen interessierten Berufsgruppen zum Thema Literatursuche und <TextGroup><PlainText>-v</PlainText></TextGroup>erwaltung (insbesondere Doktorand&#42;innen vor oder zu Beginn ihrer Promotion).</ListItem></UnorderedList></Pgraph><Pgraph><Mark1>Herr Bayer, Sie waren von Anfang an an der Entwicklung des Praxisleitfadens Systematische Literaturrecherche </Mark1><Mark1><TextLink reference="2"></TextLink></Mark1> <Mark1>der Universit&#228;tsmedizin Mainz beteiligt. Wie ist die Idee zum Leitfaden gekommen&#63;</Mark1></Pgraph><Pgraph><Mark3>O. Bayer:</Mark3> Die Idee dazu kam von Stefanus Schweizer, als wir bei gemeinsamen Beratungen von Kliniker&#42;innen immer wieder viel Zeit f&#252;r die Erkl&#228;rung der Basics ben&#246;tigt haben. Da ging es oft um die &#220;bersetzung von wissenschaftlichen Fragestellungen ins PICO-Schema und die Erstellung einer ersten Suche mit passendem Freitext und Schlagworten (MeSH etc.). Da war die Idee eines Praxisleitfadens geboren. Und wir hatten uns von Anfang an darauf verst&#228;ndigt, dass wir kein perfektes Lehrbuch zur Literatursuche, sondern ein &#8222;hand-on&#8220;, das hei&#223;t ein praxistaugliches Manual als Hilfe zur Selbsthilfe erstellen wollen. Die erste Version sollte keinen Anspruch auf Perfektion haben, sondern m&#246;glichst bald den Kliniker&#42;innen zur Verf&#252;gung stehen.<LineBreak></LineBreak>Sp&#228;ter kamen dann Dorle Hoffmann und Lorena Cascant dazu und haben f&#252;r die zweite Version viele Themen nochmal komplett &#252;berarbeitet. Lorena Cascant hat viel Text in aussagekr&#228;ftige Abbildungen &#252;bertragen. Dorle Hoffmann hat Ihre Erfahrungen aus dem Titel-&#47;Abstract-Screening mit Covidence eingebracht.</Pgraph><Pgraph><Mark1>Frau Hoffmann, mit welchem Ziel haben Sie den Leitfa</Mark1><TextGroup><Mark1>d</Mark1></TextGroup><Mark1>en zur systematischen Literaturrecherche mitentwi</Mark1><TextGroup><Mark1>ck</Mark1></TextGroup><Mark1>elt&#63; </Mark1></Pgraph><Pgraph><Mark3>D. Hoffmann:</Mark3> Der Leitfaden soll thematisch Unerfahrenen dabei helfen, sich dem Thema &#8222;Systematische Literaturrecherche&#8220; zu n&#228;hern. Es ging mir besonders darum, die H&#252;rden zu senken und den Einstieg zu erleichtern. Viele Literaturrecherchen haben die Anforderung systematisch zu sein, ohne es wirklich sp&#228;ter auch zu sein. Der Zusatz &#8222;systematische&#8220; Recherche erh&#246;ht &#8222;Publikationschan<TextGroup><PlainText>c</PlainText></TextGroup>en&#8220;. Es ging mir darum, den Zugang zu diesem Thema zu erleichtern und eine systematische und dennoch nicht auf exorbitantem Niveau angesiedelte Suche zu erm&#246;glichen, die nicht unbedingt den Anforderungen eines Cochrane-Reviews standhalten muss. </Pgraph><Pgraph><Mark1>Was w&#252;rden Sie aus den Erfahrungen der Zusammenarbeit mit der Bibliothek hervorheben&#63;</Mark1></Pgraph><Pgraph><Mark3>D. Hoffmann:</Mark3> Die Zusammenarbeit im Zuge eines systematischen Reviews sollte m&#246;glichst fr&#252;h im Prozess begonnen werden. Ich denke, die Scheu, Bibliothekar&#42;innen einzubeziehen, schadet dem Fortschritt eines systematischen Reviews enorm. Gerade zu Beginn kann die Zusammenarbeit besonders fruchtbar sein. Das Erarbeiten eines sinnvollen und realistischen PICO-Schemas erm&#246;glicht systematischeres und effizienteres Arbeiten im weiteren Verlauf.</Pgraph><Pgraph><Mark1>Wie wurde dieser Praxisleitfaden aufgenommen&#63;</Mark1></Pgraph><Pgraph><Mark3>D. Hoffmann:</Mark3> Von Kolleg&#42;innen bekam ich bisher zwar noch nicht viele R&#252;ckmeldungen, die, die kamen, waren aber alle positiv. Der Leitfaden kann auch die absoluten Beginner&#42;innen abholen und sie auf die komplexeren Vorg&#228;nge der sp&#228;teren Phasen eines Reviews vorbereiten. Mit sinnvollen Tools ausgestattet, starten die Kolleg&#42;innen dann mit mehr Sicherheit in den Prozess. Ich stelle mir vor, dass die Kolleg&#42;innen dann auch eher bereit f&#252;r sehr komplexe Richtlinien und Vorgaben sind. Wenn sie gleich mit diesen beginnen w&#252;rden, k&#246;nnte sich das negativ auf die Freude am Thema auswirken. </Pgraph><Pgraph><Mark3>O. Bayer:</Mark3> Ich habe ebenfalls einige positive R&#252;ckmeldungen bekommen. Es gab aber auch Hinweise auf Fehler und Ungenauigkeiten, die wir in der n&#228;chsten Version korrigieren werden. Ich freue mich, dass der Leitfaden in der Praxis gut angekommen ist, die Hemmschwelle f&#252;r systematische Literatursuchen sinkt und hoffe, dass auch die Qualit&#228;t und Zahl der ver&#246;ffentlichten Reviews in naher Zukunft steigt. Au&#223;erdem sind die Beratungen durch den Praxisleitfaden k&#252;rzer und effizienter geworden. Wir starten die Beratungen mit den klinischen Partner&#42;innen heute auf einem ganz anderen Niveau. </Pgraph><Pgraph><Mark1>Wie hat sich die Zusammenarbeit mit der Bereichsbibliothek seit der Erstellung des Praxisleitfadens entwickelt&#63;</Mark1></Pgraph><Pgraph><Mark3>D. Hoffmann:</Mark3> In Zusammenarbeit mit der Bereichsbibliothek der Unimedizin haben wir bereits zwei Mal einen Praxis-Workshop f&#252;r Neulinge im Themenbereich &#8222;Systematisches Review&#8220; durchgef&#252;hrt. Dieser Workshop thematisierte z.B. die Erstellung und &#220;bersetzung von Suchstrategien &#252;ber Dublettenchecks bis hin zur Qualit&#228;tsbewertung von Studien. Diese Workshops wurden umf&#228;nglich von Doktorand&#42;innen und Mediziner&#42;innen aus den verschiedensten Instituten der Universit&#228;tsmedizin genutzt. Wir planen, diesen Workshop um einen Methodik-Teil zu Meta-Analyse zu erweitern und dabei auch Biometriker&#42;innen mit einzubeziehen.</Pgraph><Pgraph><Mark3>O. Bayer:</Mark3> Wir bieten allen Teilnehmer&#42;innen des Workshops an, ihre Suchstrategien bei einem Kaffee einem kollegialen Peer-Review zu unterziehen. Wir versuchen es so zu organisieren, dass immer ein&#47;e Bibliothekar&#42;in und ein&#47;e Methodiker&#42;in bei diesen PRESS-Clubs dabei sind. <LineBreak></LineBreak>F&#252;r das n&#228;chste Semester sind gemeinsame Coffee-Lectures mit Kolleg&#42;innen der Bibliothek geplant. F&#252;r 2021 streben wir die Zusammenarbeit bei der S3-Leitlinie Pharynxkarzinom an. Wenn wir die Finanzierung daf&#252;r bekommen, werden wir gemeinsam mit den Kolleg&#42;innen der Bibliothek die Suchstrategien f&#252;r die Schl&#252;sselfragen erarbeiten und bei uns am Institut die Evidenzbewertung durchf&#252;hren. Wir freuen uns schon auf dieses gemeinsame neue Projekt.</Pgraph></TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Biografische Daten">
      <MainHeadline>Biografische Daten</MainHeadline><Pgraph><UnorderedList><ListItem level="1">Oliver Bayer ist Epidemiologe &#38; Krankenpfleger. Er hat &#252;ber 10 Jahre in Westafrika ein Gesundheitszentrum zur Versorgung von HIV- und Aidserkrankten in Benin geleitet. 2012 hat er sein berufsbegleitendes Studium &#8222;Public Health &#38; Epidemiologie&#8220; an der Universit&#228;t Bordeaux im Bereich Neuroepidemiologie abgeschlossen. Seit 2013 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Epidemiologie &#38; Versorgungsforschung insbesondere an Forschungsprojekten zu ambulanten Krebsberatungsstellen. Als Dozent des Fachs &#8222;Evidenzbasierte Medizin&#8220; und des Querschnittsfachs &#8222;Epidemiologie, Statistik und Informatik (Q1)&#8220; ist er au&#223;erdem in der Lehre der Medizinstudierenden engagiert.  </ListItem><ListItem level="1">Dorle Hoffmann ist Epidemiologin &#38; Ergotherapeutin. Seit dem abgeschlossenen Master f&#252;r Epidemiologie in Mainz arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung P&#228;diatrische Epidemiologie der Universit&#228;tsmedizin Mainz und besch&#228;ftigt sich aktuell mit der Versorgungsqualit&#228;t von Kindern mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen in sozialp&#228;<TextGroup><PlainText>di</PlainText></TextGroup>atrischen Zentren. Sie unterrichtet Medizinstudierende im Querschnittfach &#8222;Epidemiologie, Statistik und Informatik (Q1)&#8220;.</ListItem></UnorderedList></Pgraph></TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Abk&#252;rzungen">
      <MainHeadline>Abk&#252;rzungen</MainHeadline><Pgraph><UnorderedList><ListItem level="1">PROSPERO: International prospective register of systematic reviews</ListItem><ListItem level="1">PICO: Patient, Intervention, Comparison, Outcome</ListItem><ListItem level="1">IMBEI: Institut f&#252;r Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik</ListItem><ListItem level="1">PRISMA-P: Preferred reporting items for systematic review and meta-analysis protocols</ListItem><ListItem level="1">AGMB: Arbeitsgemeinschaft f&#252;r medizinisches Bibliothekswesen e.V.</ListItem><ListItem level="1">PRESS: Peer Review of Electronic Search Strategies</ListItem><ListItem level="1">QCRI: Qatar Computing Research Institute</ListItem><ListItem level="1">MeSH: Medical Subject Headings</ListItem></UnorderedList></Pgraph></TextBlock>
    <TextBlock linked="yes" name="Anmerkung">
      <MainHeadline>Anmerkung</MainHeadline><SubHeadline>Interessenkonflikte</SubHeadline><Pgraph>Die Autoren erkl&#228;ren, dass sie keine Interessenkonflikte in Zusammenhang mit diesem Artikel haben.</Pgraph></TextBlock>
    <References linked="yes">
      <Reference refNo="1">
        <RefAuthor>Bramer WM</RefAuthor>
        <RefAuthor>Giustini D</RefAuthor>
        <RefAuthor>de Jonge GB</RefAuthor>
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