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    <Identifier>dgkh000097</Identifier>
    <ArticleType>&#220;bersichtsarbeit</ArticleType>
    <TitleGroup>
      <Title language="de">Stellenwert und Vorgehensweise des chirurgischen Debridements</Title>
      <TitleTranslated language="en">Importance and technique of surgical wound debridement</TitleTranslated>
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          <Lastname>Eisenbei&#223;</Lastname>
          <LastnameHeading>Eisenbei&#223;</LastnameHeading>
          <Firstname>Werner</Firstname>
          <Initials>W</Initials>
          <AcademicTitle>Dr. med.</AcademicTitle>
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        <Address>Klinik f&#252;r Plastische Chirurgie, Universit&#228;tsklinikum Schleswig-Holstein, Ratzeburger Allee, 23564 L&#252;beck, Tel.: 0451-5003626, Fax: 0451-5002190<Affiliation>Klinik f&#252;r Plastische Chirurgie, Universit&#228;tsklinikum Schleswig-Holstein, L&#252;beck, Deutschland</Affiliation></Address>
        <Email>weisenbeiss&#64;gmx.de</Email>
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          <Corporatename>German Medical Science</Corporatename>
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        <Address>D&#252;sseldorf, K&#246;ln</Address>
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    <SubjectGroup>
      <SubjectheadingDDB>610</SubjectheadingDDB>
      <Keyword language="en">debridement</Keyword>
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      <Keyword language="en">indications</Keyword>
      <Keyword language="en">casuistics</Keyword>
      <Keyword language="de">Debridement</Keyword>
      <Keyword language="de">Zielstellung</Keyword>
      <Keyword language="de">Indikationen</Keyword>
      <Keyword language="de">Kasuistiken</Keyword>
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    <DatePublishedList>
      <DatePublished>20071228</DatePublished>
    </DatePublishedList>
    <Language>germ</Language>
    <SourceGroup>
      <Journal>
        <ISSN>1863-5245</ISSN>
        <Volume>2</Volume>
        <Issue>2</Issue>
        <JournalTitle>GMS Krankenhaushygiene Interdisziplin&#228;r</JournalTitle>
        <JournalTitleAbbr>GMS Krankenhaushyg Interdiszip</JournalTitleAbbr>
        <IssueTitle>Die infizierte Problemwunde 2007 - The infected problem wound 2007</IssueTitle>
      </Journal>
    </SourceGroup>
    <ArticleNo>64</ArticleNo>
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  <OrigData>
    <Abstract language="de" linked="yes">
      <Pgraph>Die Behandlung der akuten ebenso wie der chronischen Wunde beginnt unter ausreichender Analgesie bzw. An&#228;sthesie mit der chirurgischen Wundversorgung (Debridement), um abgestorbenes bzw. zerst&#246;rtes Gewebe und ggf. vorhandene Fremdk&#246;rper als Voraussetzung zur Wundheilung und Infektionspr&#228;vention zu entfernen. Das chirurgische Vorgehen hat grunds&#228;tzlich unter OP-Bedingungen zu erfolgen, die Methode der Wahl ist der Einsatz des Skalpells. </Pgraph>
      <Pgraph>Parallel zum Debridement m&#252;ssen die Ursachen der Wundheilungsst&#246;rung beseitigt werden. Die Verbandwechsel haben je nach Situation in Verbindung mit Wundantisepsis und ggf. gezielter Antibiose zu erfolgen. Systemisch m&#252;ssen der Fl&#252;ssigkeitshaushalt und eine ausbalancierte Ern&#228;hrung gesichert sowie ggf. eine An&#228;mie ausgeglichen werden. Mikrobiologische Kontrollen durch Probeexzisionen sind vom klinischen Bild abh&#228;ngig zu machen. Teilweise m&#252;ssen die operativ behandelten und transplantierten Regionen vor&#252;bergehend ruhiggestellt und ein belastungsf&#228;higer Wundverschluss durch freie oder gestielte Transplantate herbeigef&#252;hrt werden. </Pgraph>
      <Pgraph>Diese Vorgehensweisen werden anhand von zwei Fallbeispielen dargestellt. </Pgraph>
    </Abstract>
    <Abstract language="en" linked="yes">
      <Pgraph>Management of acute or chronic wounds begins with adequate analgesia and anesthesia, respectively and thorough wound debridement. The aim of debridement is to remove necrotic and destroyed tissue and foreign bodies, if present, which are the fundamental steps for wound healing and prevention of infections. The surgical debridement shall be performed by adhering to aseptic techniques; the instrument of first choice is the scalpel.</Pgraph>
      <Pgraph>Yet, before or next to debridement, it is imperative to identify and correct the underlying causes for wound healing disorders. Changing the wound dressing shall be performed based on the indication using antiseptics or additionally, with systemic antibiotics. Furthermore, the patient&#8217;s fluid balance, adequate nutrition and eventually present anemia must be controlled. Performing microbiological controls by obtaining tissue biopsies are dependant from the clinical picture. Also, surgically treated or transplantation regions have to be kept protected in order to augment a stabile wound closure. </Pgraph>
      <Pgraph>In the following article, the above methods will be further explained by presenting clinical cases. </Pgraph>
    </Abstract>
    <TextBlock linked="yes" name="Text">
      <MainHeadline>Text</MainHeadline>
      <SubHeadline>Einleitung</SubHeadline>
      <Pgraph>Das chirurgische Debridement wird immer erforderlich, wenn infizierte, nicht heilende und chronisch gewordene Wunden vorliegen. Eine absolute Indikation zum Debridement besteht grunds&#228;tzlich beim Vorliegen von Nekrosen <TextLink reference="1"></TextLink>. </Pgraph>
      <SubHeadline>Anforderungen an das Debridement und Ber&#252;cksichtigung der Gesamtsituation</SubHeadline>
      <Pgraph>Ziel des chirurgischen Debridements ist die Schaffung einer sauberen, nicht belegten Wunde durch vollst&#228;ndige Entfernung von avitalem nekrotischem Gewebe unter ausreichender Analgesie bzw. An&#228;sthesie. Hierdurch werden infizierte Gewebe oder Nekrosen beseitigt, die jeden physiologischen Reparaturprozess seitens des K&#246;rpers verhindern. Das chirurgische Vorgehen hat grunds&#228;tzlich unter OP-Bedingungen zu erfolgen, die Methode der Wahl ist der Einsatz des Skalpells. Nur in gesonderten F&#228;llen, wenn keine ausreichende An&#228;sthesie m&#246;glich ist oder andere medizinische Risiken einen chirurgischen Eingriff verbieten, kann eine autolytische Behandlung durchgef&#252;hrt werden, z.B. mit Hydrogel oder auch im Sinne einer enzymatischen Therapie. Dieses Vorgehen ist jedoch kosten- und zeitintensiv. Biochirurgische Ma&#223;nahmen, z.B. eine Madenanwendung, sollten nur in Ausnahmesituationen bei multimorbiden Patienten zum Einsatz kommen. </Pgraph>
      <Pgraph>Das Debridement bedarf selbstverst&#228;ndlich neben der operativen Vorgehensweise begleitender Ma&#223;nahmen. Als erstes m&#252;ssen die Ursachen der Wundheilungsst&#246;rung beseitigt werden. Die gesamten Verbandwechsel haben grunds&#228;tzlich unter lokaler Wundantisepsis mit geeigneten Antiseptika zu erfolgen. Systemisch muss der Fl&#252;ssigkeitshaushalt gesichert sein bzw. Fl&#252;ssigkeit auch ersetzt werden. Es m&#252;ssen gen&#252;gend Sauerstofftr&#228;ger vorliegen, die in Form von Erythrozytenkonzentraten auf einen Hb-Bereich von 9 bis 10 gebracht werden m&#252;ssen. Die Ern&#228;hrung muss komplex mit allen wesentlichen Spurenelementen und Vitaminen den Reparaturprozessen die n&#246;tigen Baumaterialien zur Verf&#252;gung stellen. Mikrobiologische Kontrollen durch Probeexzisionen und eine gezielte Antibiose im Rahmen der operativen Ma&#223;nahmen sind ebenfalls indiziert. Teilweise m&#252;ssen die operativ behandelten und transplantierten Regionen vor&#252;bergehend ruhiggestellt und ein definitiver belastungsf&#228;higer Wundverschluss durch freie oder gestielte Transplantate geplant und bei sicheren Wundbedingungen durchgef&#252;hrt werden.</Pgraph>
      <SubHeadline>Erl&#228;uterung der komplexe Anwendung des Debridements anhand von zwei Fallbeispielen</SubHeadline>
      <Pgraph>Bei einer 6 Jahre alten Afghanin waren ca. 25&#37; der K&#246;rperoberfl&#228;che durch eine explodierende Petroleumlampe verbrannt. Dieses Kind wurde ca. 2 Monate lang vor Ort in einem entlegenen Bergtal behandelt, dann mittels Esel nach Kabul &#252;ber 500 km weit transportiert und durch die Vermittlung einer Hilfsorganisation nach Deutschland geschickt. Bei Eintreffen bestand an den Wunden eine sehr komplexe mikrobiologische Situation. Es lagen <TextGroup><PlainText>MRSA</PlainText></TextGroup>-Erreger, hochresistente Pseudomonaden, Aspergillen und diverse Enterokokkenst&#228;mme vor, die auf allen Wundfl&#228;chen nachgewiesen werden konnten. Das vorhandene Granulationsgewebe an Becken und unteren Extremit&#228;ten war trocken und insuffizient, zus&#228;tzlich bestanden &#252;ber dem Stei&#223; und &#252;ber den Trochant&#228;ren Druckulcera. Zun&#228;chst wurde durch lokal antiseptische Ma&#223;nahmen bei zum Teil zweimal t&#228;glich durchgef&#252;hrten Verb&#228;nden die Erregerbesiedlung auf ein ertr&#228;gliches Ma&#223; reduziert. Im Anschluss wurden die Defekte unter Zuhilfenahme einer 1 mm dicken Kollagenmatrix (Matriderm &#8211; eine synthetische Kollagen-Elastin-Matrix) mit gemeshter Spalthaut gedeckt und heilten trotz der vorangegangenen Besiedlungssituation komplett ab. Allerdings musste vor&#252;bergehend ein Anus praeter angelegt werden, um die Kontaminierung der Wundfl&#228;chen durch Stuhl &#252;ber einen gewissen Zeitraum zu vermeiden. </Pgraph>
      <Pgraph>Bei einem 71-j&#228;hrigen m&#228;nnlichen Patienten mit lebenslangem Nikotinabusus, arteriellem Hypertonus und insulinpflichtigem Diabetes mellitus entwickelte sich, basierend auf einer Bagatellverletzung, die er sich im Wald zugezogen hatte, eine nekrotisierende Phlegmone am rechten Unterschenkel und Fu&#223;. Es trat ein septischer Schock mit Herzkreislaufstillstand ein, der reanimationspflichtig wurde. Zudem lag eine respiratorische Insuffizienz mit Aspirationspneumonie und rezidivierenden Pleuraerg&#252;ssen beidseits vor. Ein pr&#228;renales Nierenversagen trat auf und ein Tracheostoma musste angelegt werden. W&#228;hrend des Zeitraums vom Februar bis September 2005 wurde der phlegmon&#246;se Unterschenkel und Fu&#223; mit diversen Therapiema&#223;nahmen in einer peripheren Klinik behandelt, unter anderen durch enzymatisches Debridement und Madentherapie. Nach multiplen, fehlgeschlagenen Versuchen, das nekrotische Gewebe debridementtechnisch abzutragen, wurde die Extremit&#228;t gewisserma&#223;en aufgegeben und die Indikation zur Unterschenkelamputation gestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Wundfl&#228;chen inklusive des Tracheostomas und einer erforderlich gewordenen PEG (Magenfistel) mit MRSA besiedelt. Bei der plastisch-chirurgischen Erstvorstellung Anfang September auf Anforderung der Ehefrau, die sich mit der Amputation nicht einverstanden erkl&#228;rte, lagen Sehnensequester frei am Fu&#223;r&#252;cken vor neben bestehenden Knochennekrosen und allgemeinem Infektionsgeschehen, eitrige Sekretionen kamen aus allen Gelenken im Bereich der Fu&#223;wurzelknochen und der Mittelfu&#223;knochen. Unter entsprechender lokaler antiseptischer Behandlung erfolgte ein gr&#252;ndliches Nachdebridement mit Beseitigung aller nekrotischen Gewebeanteile und die anschlie&#223;ende Vakuumversiegelung zur Protektion der noch vitalen Gewebeeinheiten. Der Vakuumverband an Sprunggelenk und Fu&#223; wurde nach einer Woche gewechselt und 14 d sp&#228;ter nach sparsamem Nachdebridement gemeshte Spalthaut zur Defektdeckung aller vorhandenen Wundfl&#228;chen aufgebracht und ebenfalls unter antiseptischen Bedingungen erneut mit Vakuumverband gesichert. Eine Woche sp&#228;ter wurde das Vakuum entfernt. Alle Transplantate waren eingeheilt. Es erfolgte die &#252;bliche Nachbehandlung ebenfalls unter topischer antiseptischer Behandlung. 2 Jahre nach Behandlung hat der Patient einen belastungsf&#228;higen Fu&#223;, MRSA-Erreger wurden nicht mehr nachgewiesen. </Pgraph>
      <SubHeadline>Schlussfolgerung</SubHeadline>
      <Pgraph>Zusammenfassend ergibt sich, dass ein chirurgisches Debridement immer unter OP-Bedingungen durchzuf&#252;hren ist und unter einer sicheren An&#228;sthesie zu erfolgen hat. Hierbei muss alles avitale Gewebe konsequent und ohne R&#252;cksicht auf funktionelle Strukturen entfernt werden. W&#228;hrend dieses Eingriffs soll lokal eine sichere Antisepsis unter den Verb&#228;nden durchgef&#252;hrt werden. Behandelt werden muss jedoch immer der Gesamtorganismus in Kenntnis aller Risikofaktoren inklusive der gezielten Antibiose des vorliegenden Erregerspektrums.</Pgraph>
    </TextBlock>
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      <Reference refNo="1">
        <RefAuthor>Baharestani M</RefAuthor>
        <RefTitle>The Clinical Relevance of Debridement</RefTitle>
        <RefYear>1999</RefYear>
        <RefBookTitle>The Clinical Relevance of Debridement</RefBookTitle>
        <RefPage></RefPage>
        <RefTotal>Baharestani M. The Clinical Relevance of Debridement. In: Baharestani M, Goltrup F, Holstein P, Vanscheidt W, editors. The Clinical Relevance of Debridement. Berlin: Springer; 1999.</RefTotal>
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